Zitat von Holstein Anne Louise Germaine Stael
In Deutschland tut man alles mit Gewissenhaftigkeit, und in der Tat kann diese Eigenschaft nirgends entbehrt werden.
In Frankreich studiert man die Menschen, in Deutschland die Bücher.
Indem ich Ruhm suchte, hoffte ich immer Liebe zu gewinnen.
Liebe ist die Lebensgeschichte einer Frau und eine Episode im Leben des Mannes.
Man kann den Ursprung der bedeutendsten europäischen Nationen auf drei verschiedene Rassen zurückführen: die romanische, die germanische und die slawische Rasse.
Man könnte diesen Fluss geradezu für den Schutzgeist Deutschlands halten. Seine Flut ist klar, reißend, majestätisch wie das Leben eines Heroen der Vorzeit.
Man muss auch den Deutschen Dank wissen für das Wohlwollen, das sich in ihren ehrfurchtsvollen Verbeugungen und steifen Höflichkeitsformeln kund gibt, die von den Ausländern oft genug ins Lächerliche gezogen worden sind.
Man muss im Leben wählen zwischen Langeweile und Leiden.
Man nannte Weimar das deutsche Athen, und in der Tat war es der einzige Ort, in welchem das Interesse für die schönen Künste sozusagen national war und als verbrüderndes Band zwischen den Ständen diente.
Nach der Anzahl der Bücher, die in Leipzig verkauft werden, kann man beurteilen, wie viele Leser die deutschen Schriftsteller haben. Die Arbeiter aller Klassen, sogar die Steinhauer, nehmen ein Buch zur Hand, wenn sie von ihrer Arbeit ausruhen.
Natur und Gesellschaft machen die Frauen aufs Innigste mit dem Leiden vertraut, und niemand kann leugnen, wie mir scheint, dass sie in unserem Zeitalter im Allgemeinen besser sind als die Männer.
Nur eingehendes Studium und strengste Prüfung können jene Unabhängigkeit des Urteils verleihen, ohne die man weder neue Einsichten erwerben noch die erworbenen festhalten kann.
Österreich ist ein so stilles Land, ein Land, in dem die Wohlfahrt aller Klassen der Staatsbürger so in Ruhe und Frieden gesichert ist, dass man nicht viel an geistige Genüsse denkt.
Paris, das die Elite des Landes in sich vereinigt, nimmt dem Rest alles Interessante.
Überlegenheit des Geistes und der Seele ist in jedem Lande äußerst selten und bewahrt eben nur aus diesem Grunde den Namen: Überlegenheit.
Wäre er nicht ein achtungswerter Mensch, so würde man Furcht empfinden vor dieser Überlegenheit, die sich über alles erhebt, abwechselnd erniedrigt und erhöht, rührt und spottet, behauptet und zweifelt, und immer mit demselben Erfolg.
Was gibt es Höheres als das Glück?, wird man sagen. Man muss jedoch wissen, was unter diesem Wort zu verstehen ist.
Was man in Deutschland Studieren nennt, ist wirklich etwas Bewunderns wertes: fünfzehn Stunden täglich Jahre hindurch der Einsamkeit und der Arbeit zu widmen, ist eine ganz natürliche Lebensart.
Wenn man den Lauf des menschlichen Schicksals genau beobachtet, so wird man sehen, dass die Oberflächlichkeit zu allem führen kann, was es nur Schlimmes und Schlechtes in der Welt gibt.
Wer Preußen kennen lernen will, muss den Charakter Friedrichs 11. studieren. Ein einziger Mann hat dieses Reich geschaffen. Er war Deutscher seiner Natur, Franzose seiner Erziehung nach.
Zweifelsohne hat der Mangel an Wetteifer im Streben einen Vorteil: Er vermindert die Eitelkeit.
Ansichten, die vom herrschenden Zeitgeist abweichen, geben der Menge stets ein ?rgernis.
Das Exil verdammt dazu, sich selbst zu ?berleben: Der Abschied, die Trennung, alles geschieht wie im Augenblick des Sterbens, und doch wohnt man dem allen in voller Kraft des Lebens bei.
Das Genie ist in der Gesellschaft eine Krankheit, ein geistiges Fieber, von dem man sich wie von einem ?bel heilen lassen m?sste, wenn nicht der Ruhm als Lohn die Schmerzen linderte.
Das gereifte Alter kann sich wohl in die Umst?nde schicken, beim Eintritt in das Leben aber muss der junge Mann wenigstens seine Ideen aus einer ungetr?bten Quelle sch?pfen.
Das Rittertum ist f?r die Neuern, was die Zeit der Heroen f?r die Alten war.
Das Rittertum ist im Norden entstanden, aber nur im S?den Frankreichs ist es durch den Zauber der Poesie und der Liebe versch?nt worden.
Das Unheil, welches die schlechten B?cher anrichten, kann nur durch die guten wieder ausgeglichen, die Nachteile der Aufkl?rung nur durch einen h?heren Grad von Aufkl?rung vermieden werden.
Der Aufenthalt in kleinen St?dten ist mir immer sehr langweilig vorgekommen. Der Geist der M?nner verengt sich dort, und das Herz der Frauen erstarrt.
Der Charakter ist ein Instinkt. Er h?ngt noch mehr von der Natur ab als der Geist, und doch geben die Umst?nde allein dem Menschen Gelegenheit, ihn zu entwickeln.
Der Nationalcharakter beeinflusst die Literatur, die Literatur und die Philosophie die Religion, und nur das Ganze kann einen vollst?ndigen ?berblick ?ber jeden einzelnen Teil gew?hren.
Die bedeutende F?higkeit zur Arbeit und zum Nachdenken ist ebenfalls einer der charakteristischen Z?ge der deutschen Nation.
Die deutsche Sprache schickt sich besser f?r die Poesie als f?r die Prosa und besser f?r die geschriebene Prosa als f?r die gesprochene.
Die Einsamkeit f?hrt zu abstrakter Spekulation oder zur Poesie: Man muss inmitten der menschlichen Leidenschaften leben, um die Notwendigkeit zu f?hlen, sie zu benutzen und zu lenken.
Die erste Bedingung zum Schreiben ist ein starkes, lebhaftes Gef?hlsleben.
Die Franzosen sind die gewandtesten Diplomaten Europas.
Die genialen Menschen aller L?nder sind sehr wohl imstande, einander zu verstehen und zu achten.
Die germanischen Nationen haben fast immer der Herrschaft der R?mer widerstanden und sind daher erst sp?ter und nur durch das Christentum zivilisiert worden, so dass sie also unmittelbar aus einer Art Barbarei in die christliche Gesellschaft ?bertraten
Die Geschichte schreibt den Individuen wie den Regierungen beinahe immer mehr Berechnung zu, als sie in Wirklichkeit gehabt haben.
Die intellektuelle Erziehung ist in Deutschland vollkommen, aber alles geschieht dort nur in der Theorie: Die praktische Erziehung ist ganz und gar von den Umst?nden abh?ngig.
Die Jahrhunderte des Vorurteils beschuldigen neu auftauchende Ansichten leicht der Ruchlosigkeit, w?hrend die Jahrhunderte des Unglaubens sie nicht minder leicht der Torheit bezichtigen.
Die Liebe ist den Deutschen heiliger als die Ehe.
Die Liebe ist ein Kind der Ewigkeit. Sie verwischt die Erinnerung an den Anfang und nimmt die Angst vor dem Ende.
Die Liebe ist in Deutschland eine Religion, aber eine poetische Religion, die nur zu gern alles duldet, was die Empfindsamkeit zu entschuldigen imstande ist.
Die ?fen, das Bier und der Tabaksrauch bilden in Deutschland um die Leute aus dem Volke eine schwere, hei?e Atmosph?re, aus der sie nur ungern heraustreten.
Die politischen Institutionen allein k?nnen den Charakter einer Nation zur Entwicklung bringen.
Die Pracht der G?rten aber hat stets die Liebe zur Natur zur Voraussetzung.
Die Regierungen sind die wahren Erzieherinnen der V?lker.
Die Unterhaltung als Talent existiert nur in Frankreich.
Die wunderbare Verschmelzung aller Gesellschaftsklassen wird nur durch die Herrschaft des f?r alle gleichen Gesetzes erreicht.
Die Zeit gut auszuf?llen, ist das Talent der Deutschen, sie vergessen zu machen, das Talent der Franzosen.
Doch h?ngt die Tugend der Frauen mit nur wenigen Ausnahmen vom Benehmen der M?nner ab.
Ehret die Frauen, sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben. vom Benehmen der M?nner ab.
Eine Regierung kann unm?glich einer gro?en Nation die Kenntnis des Geistes vorenthalten wollen, der das Jahrhundert beherrscht.
Es gibt keine Stadt, die nicht ein Geb?ude, eine Promenade, irgendein Wunder der Kunst oder der Natur bes??e, an das sich die Erinnerungen der Kindheit kn?pfen.
Es gibt keinen Kampfplatz, wo die Eitelkeit sich in mannigfacherer Gestalt zeigt, als in der Unterhaltung.
Es ist etwas Sch?nes um die Herzenseinfalt beim Genie und die Seelenreinheit beim Starken.
Es steht fest, dass die Leichtigkeit der Ehescheidungen in den protestantischen Gegenden der Heiligkeit der Ehe Abbruch tut. Man wechselt dort die Gatten so friedlich, als ob es sich nur um das Arrangement der Neben umst?nde in einem Drama handle.
