Zitat von Baruch De Spinoza


In der Natur der Dinge gibt es nichts Zufälliges, sondern alles ist aus der Notwendigkeit der göttlichen Natur bestimmt, auf gewisse Weise zu existieren und zu wirken.
In der Natur der Dinge kann es nicht zwei oder mehrere Substanzen von gleicher Beschaffenheit oder von gleichem Attribut geben.
In Wirklichkeit aber sind Habsucht, Ehrsucht, Lüsternheit usw. Arten des Wahnsinns, obgleich sie nicht zu den Krankheiten gezählt werden.
Je mehr Realität oder Sein jedes Ding hat, desto mehr Attribute kommen ihm zu.
Jede Erscheinung beweist ihre Notwendigkeit durch ihr Dasein.
Jeder hat so viel Recht, wie er Gewalt hat.
Jeder hat so viel Recht, wie er Macht hat.
Jeder Körper bewegt sich bald langsamer, bald schneller.
Jeder verlangt oder verschmäht nach den Gesetzen seiner Natur notwendig das, was er für gut oder für schlecht hält.
Jedes Ding kann nur von einer äußeren Ursache zerstört werden.
Kleinmut ist, aus Unlust eine geringere Meinung von sich haben, als recht ist.
Kühnheit ist die Begierde, durch die jemand angetrieben wird, etwas zu tun trotz einer damit verbundenen Gefahr, die andere seinesgleichen von dieser Tat abhält.
Liebe ist Lust, verbunden mit der Idee einer äußeren Ursache.
Liebe und Begierde können ein Übermaß haben.
Lust ist der Übergang des Menschen von geringerer zu größerer Vollkommenheit.
Lust ist unmittelbar nicht schlecht, sondern gut, Unlust hingegen ist unmittelbar schlecht.
Missgunst ist Hass, insofern er den Menschen so afriziert, dass er sich über das Glück eines anderen betrübt und sich dagegen über das Unglück eines anderen freut.
Mitleid ist bei einem Menschen, der nach der Leitung der Vernunft lebt, an und für sich schlecht und unnütz.
Nichts existiert, aus dessen Natur nicht eine Wirkung folgte.
Niedergeschlagenheit ist keine Tugend und entspringt nicht der Vernunft.
Niedergeschlagenheit ist Unlust, die daraus entspringt, dass der Mensch sein Unvermögen oder seine Schwäche betrachtet.
Niemand kann begehren, glücklich zu sein, gut zu handeln und gut zu leben, ohne, dass er zugleich begehrt, zu sein, zu handeln und zu leben, d . h. wirklich zu existieren.
Niemand kann Gott hassen.
Nur die freien Menschen sind gegeneinander höchst dankbar.
Nur insofern die Menschen nach der Leitung der Vernunft leben, stimmen sie von Natur aus immer notwendig überein.
Prophet aber ist derjenige, der das von Gott Offenbarte denen verdolmetscht, die eine sichere Erkenntnis des von Gott Offenbarten nicht haben und es daher bloß durch den Glauben annehmen können.
Prophetie oder Offenbarung ist die von Gott den Menschen offenbarte sichere Erkenntnis einer Sache.
Reue ist keine Tugend oder entspringt nicht aus der Vernunft, viel mehr ist der, welcher eine Tat bereut, doppelt elend oder unvermögend.
Reue nämlich ist Unlust, verbunden mit der Idee seiner selbst als Ursache.
Scham ist Unlust, verbunden mit der Idee einer eigenen Handlung, die wir uns von anderen getadelt vorstellen.
Scheu ist die Begierde, ein größeres Übel, das wir befürchten, durch ein geringeres zu vermeiden.
Schwelgerei ist die unmäßige Begierde oder auch Liebe zum Essen.
Sehnsucht ist Begierde oder Trieb nach dem Besitz eines Dinges, der durch die Erinnerung an das betreffende Ding genährt wird, aber durch die Erinnerung an andere Dinge, welche die Existenz des erstrebenswerten Dinges ausschließen, eingeschränkt wird.
Selbstzufriedenheit ist Lust, die daraus entspringt, dass der Mensch sich selbst und sein Tätigkeitsvermögen betrachtet.
Selbstzufriedenheit kann aus der Vernunft entspringen, und nur diese aus der Vernunft entspringende Zufriedenheit ist die höchste, die es geben kann.
Sicherlich würde das menschliche Leben weit glücklicher verlaufen, wenn der Mensch ebenso gut zu schweigen wie zu reden vermöchte. Aber die Erfahrung lehrt uns mehr als genug, dass der Mensch nichts so schwer beherrscht wie seine Zunge.
Solange sich ein Mensch einbildet, etwas nicht tun zu können, solange ist es ihm unmöglich, es zu tun.
Spott ist Lust, die daraus entspringt, dass wir uns vorstellen, es sei an einem Gegenstand, den wir hassen, etwas, das wir verachten.
Überschätzung ist, von jemand aus Liebe eine höhere Meinung haben, als recht ist.
Überschätzung macht leicht den Menschen, der überschätzt wird, hochmütig.
Unlust ist der Übergang des Menschen von größerer zu geringerer Vollkommenheit.
Unser Geist tut manches, manches aber leidet er.
Unter der Leitung der Vernunft werden wir von zwei Gütern das größere und von zwei Übeln das kleinere wählen.
Unter Edelmut aber verstehe ich die Begierde, durch die ein jeder bestrebt ist, allein nach dem Gebot der Vernunft seinen Mitmenschen zu helfen und sie sich durch Freundschaft zu verbinden.
Unter gut verstehe ich das, von dem wir gewiss wissen, dass es uns nützlich ist. Unter schlecht aber verstehe ich das, von dem wir gewiss wissen, dass es uns hindert, ein Gutes zu erlangen.
Unter Lust verstehe ich ein Leiden, durch das der Geist zu größerer Vollkommenheit übergeht, unter Unlust dagegen ein Leiden, durch das der Geist zu geringerer Vollkommenheit übergeht.
Unter Seelenstärke verstehe ich die Begierde, durch die ein jeder bestrebt ist, sein eigenes Sein nach dem Gebot der Vernunft allein zu erhalten.
Unterschätzung ist, von jemand aus Hass eine geringere Meinung haben, als recht ist.
Verachtung ist die Vorstellung eines Dinges, die den Geist so wenig berührt, dass der Geist durch die Gegenwart des Dinges mehr bewegt wird, sich das vorzustellen, was an dem Ding nicht ist, als was an ihm ist.
Verehrung ist Liebe zu jemandem den wir bewundern.
Verzweiflung ist Unlust, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges, bei dem die Ursache des Zweifelns geschwunden ist.
Von Dingen, die nichts miteinander gemein haben, kann nicht das eine die Ursache des anderen sein.
Wahrsager haben dann das Volk am meisten beherrscht und den Königen Furcht eingeflößt, wenn die Not des Staates am größten war.
Weil das Volk doch immer gleich elend bleibt, ist es nie lange in Ruhe, sondern das nur kann ihm recht gefallen, was noch neu ist und es noch nicht getrogen hat.
Wenn der Geist sich selbst und sein Tätigkeitsvermögen betrachtet, so empfindet er Lust, und umso mehr, je deutlicher er sich und sein Tätigkeitsvermögen vorstellt.
Wenn die Menschen frei geboren würden, so würden sie, solange sie frei blieben, keinen Begriff von gut und schlecht bilden.
Wenn ein Dreieck existiert, so muss es auch einen Grund und eine Ursache geben, dass es existiert.
Wenn es ebenso leicht wäre, die Geister wie die Zungen zu beherrschen, so würde jeder in Sicherheit regieren, und eine Gewaltherrschaft könnte es nicht geben.
Wenn wir einen Gegenstand, der unseresgleichen ist, lieben, so suchen wir, so viel wir vermögen, zu bewirken, dass er uns wiederliebt.
Wer Beleidigungen mit Hass erwidert und sich an dem Beleidiger rächen will, verbittert sicherlich sein eigenes Leben.
Wer ein geflügeltes Pferd erdichtet, gesteht darum noch nicht zu, dass es ein geflügeltes Pferd gibt.
Wer eine wahre Idee hat, weiß zugleich, dass er eine wahre Idee hat, und kann nicht an der Wahrheit der Sache zweifeln.
Wer einen Körper hat, der zu sehr vielen Dingen befähigt ist, der hat einen Geist, dessen größter Teil ewig ist.
Wer jemanden hasst, wird bestrebt sein, ihm Übles zuzufügen, wenn er nicht fürchtet, dass darauf für ihn selbst ein größeres Übel entsteht. Umgekehrt wird, wer jemand liebt, bestrebt sein, ihm nach demselben Gesetz Gutes zuzufügen.
Wer sich eines Gegenstandes erinnert, an dem er sich einmal erfreut hat, der begehrt denselben unter den gleichen Umständen zu besitzen, als da er sich dessen zum ersten Mal erfreute.
Wer sich vorstellt, dass das, was er hasst, zerstört wird, der wird Lust empfinden.
Wetteiter ist Begierde nach einem Ding, die in uns dadurch erzeugt wird, dass wir uns vorstellen, andere hätten dieselbe Begierde.
Wir können ein Wort, dessen wir uns nicht erinnern, nicht aussprechen.
Wir können von der Dauer unseres Körpers nur eine höchst inadäquate Erkenntnis haben.
Wir nennen das gut oder schlecht, was der Erhaltung unseres Seins nützt oder schadet.
Wohlwollen ist die Begierde, dem wohl zu tun, den wir bemitleiden.
Wollust kann ein Übermaß haben und schlecht sein, Schmerz aber kann insofern gut sein, insofern Wollust oder Lust schlecht ist.
Zuversicht ist Lust, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges, bei dem die Ursache des Zweifelns geschwunden ist.
?ngstlichkeit wird dem beigelegt, dessen Begierde eingeschr?nkt wird durch die Furcht vor einer Gefahr, der sich andere seinesgleichen zu unterziehen wagen.
Auch die Schmeichelei bringt Eintracht hervor, aber durch das h?ssliche Laster der knechtischen Gesinnung oder durch Unredlichkeit.
Aus Hoffnung wird also Zuversicht und aus Furcht Verzweiflung, wenn die Ursache des Zweifelns ?ber den Ausgang der Sache schwindet.
Bewunderung ist die Vorstellung eines Dinges, in welcher der Geist deshalb versunken bleibt, weil diese besondere Vorstellung keine Verbindung mit den sonstigen Vorstellungen hat.
Das Bestreben, dem, den wir hassen, Schlechtes zuzuf?gen, hei?t Zorn. Das Bestreben aber, ein uns zugef?gtes ?bel wieder zu vergelten, hei?t Rachsucht.
Das Bestreben, sich zu erhalten, ist das eigentliche Wesen des Menschen.
Das Denken ist ein Attribut Gottes, oder Gott ist ein denkendes Ding.
Das h?chste Gut derjenigen, die den Weg der Tugend gehen, ist allen gemeinsam, und alle k?nnen sich gleicherma?en daran erfreuen.
Das h?chste Gut des Geistes ist die Erkenntnis Gottes, und die h?chste Tugend des Geistes ist, Gott zu erkennen.
Das Unverm?gen eines Menschen, seine Affekte zu z?geln und einzuschr?nken, nenne ich Knechtschaft.
Dauer ist eine unbestimmte Fortsetzung der Existenz.
Demut ist keine Tugend, das hei?t, sie entspricht nicht der Vernunft.
Denn die Bescheidenheit ist eine Art des Ehrgeizes.
Denn die Eltern pflegen ihre Kinder nur durch den Stachel des Ehrgeizes und der Missgunst zur Tugend anzutreiben.
Denn in Wirklichkeit ist doch alles Nat?rliche Gottes Werk und besteht und wirkt allein durch die g?ttliche Macht.
Denn jeder lenkt alles gem?? seinem Affekt.
Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod, und seine Weisheit ist nicht ein Nachsinnen ?ber den Tod, sondern ?ber das Leben.
Der freie Mensch handelt niemals arglistig, sondern stets aufrichtig.
Der freie Mensch, der unter Unwissenden lebt, sucht, soviel als m?glich, ihren Wohltaten auszuweichen.
Der Geist strebt, so viel er vermag, sich das vorzustellen, was das T?tigkeitsverm?gen des K?rpers vermehrt oder f?rdert.
Der gr??te Hochmut und der gr??te Kleinmut ist die gr??te Unkenntnis seiner selbst.
Der Habs?chtige m?chte in der Regel gern an fremder Tafel schwelgen.
Der Hass kann niemals gut sein.
Der Hass wird durch Erwiderung des Hasses verst?rkt, kann dagegen durch Liebe getilgt werden.
Der Hass, der durch Liebe g?nzlich besiegt wird, geht in Liebe ?ber, und die Liebe ist dann st?rker, als wenn ihr der Hass nicht vorausgegangen w?re.
Der Hochm?tige liebt die N?he von Schmarotzern oder Schmeichlern, hasst aber die Edelgesinnten.
Der K?rper stirbt dann, wenn seine Teile so disponiert werden, dass sie ein anderes Verh?ltnis von Bewegung und Ruhe zueinander annehmen.
Der Mensch beneidet nur seinesgleichen um eine Tugend.
Der Mensch ist ein lachendes Lebewesen.
Der Mensch wird durch die Vorstellung eines vergangenen oder zuk?nftigen Dinges mit dem gleichen Affekt der Lust und Unlust affiziert wie durch die Vorstellung eines gegenw?rtigen Dinges.
Der Mensch, der von der Vernunft geleitet wird, ist freier in einem Staate, wo er nach gemeinsamem Beschlusse lebt, als in der Einsamkeit, wo er sich allein gehorcht.
Der menschliche Geist hat eine ad?quate Erkenntnis des ewigen und unendlichen Wesens Gottes.
Der menschliche Geist kann mit dem K?rper nicht absolut zerst?rt werden, sondern es bleibt von ihm etwas ?brig, das ewig ist.
Der Wille und der Verstand sind ein und dasselbe.
Die Begierde ist ein Trieb mit dem Bewusstsein desselben.
Die Begierde, die aus der Lust entspringt, ist bei sonst gleichen Umst?nden st?rker als die Begierde, die aus der Unlust entspringt.
Die Begierde, die aus der Vernunft entspringt, kann kein ?berma? haben.
Die Begierde, die aus Unlust oder Lust, aus Hass oder Liebe entspringt, ist umso st?rker, je st?rker der Affekt ist.
Die Erkenntnis der Wirkung h?ngt von der Erkenntnis der Ursache ab und schlie?t diese ein.
Die Erkenntnis des Guten und Schlechten ist nichts anderes als der Affekt der Lust oder Unlust, insofern wir uns dessen bewusst sind.
Die Herzen aber werden nicht durch Waffen, sondern durch Liebe und Edelmut besiegt.
Die Menschen k?nnen von Natur aus voneinander abweichen, insofern sie von Affekten, die Leiden sind, best?rmt werden, insofern ist auch ein und derselbe Mensch ver?nderlich und unbest?ndig.
Die Musik ist f?r den Schwerm?tigen gut, f?r den Trauernden schlecht, f?r den Tauben weder gut noch schlecht.
Die Ordnung und Verkn?pfung der Ideen ist dieselbe wie die Ordnung und Verkn?pfung der Dinge.
Die Tugend des freien Menschen zeigt sich ebenso gro? im Vermeiden wie im ?berwinden von Gefahren.
Die Unlust vermindert oder hemmt das menschliche T?tigkeitsverm?gen.
Dieser Hass gegen den geliebten Gegenstand, der mit Neid erf?llt ist, hei?t Eifersucht.
Ehre ist Lust, verbunden mit der Idee einer eigenen Handlung, die wir uns von anderen gelobt vorstellen.
Ehrgeiz ist unm??ige Begierde nach Ehre.
Ein Affekt, der ein Leiden ist, h?rt auf, ein Leiden zu sein, sobald wir eine klare und deutliche Idee von ihm bilden.
Eine Idee, welche die Existenz unseres K?rpers ausschlie?t, kann es in unserem Geiste nicht geben, sie steht vielmehr zu ihm in Widerspruch.
Einen Gegenstand, den wir bemitleiden, werden wir, so viel wir k?nnen, von seinem Elend zu befreien versuchen.
Entr?stung ist Hass gegen jemanden, der einem anderen B?ses getan hat.
Es gibt im Geiste keinen absoluten oder freien Willen, sondern der Geist wird dieses oder jenes zu wollen von einer Ursache bestimmt, die auch wieder von einer anderen bestimmt worden ist, und diese wieder von einer anderen und so fort ins Unendliche.
Es liegt in der Natur der Vernunft, die Dinge nicht als zuf?llig, sondern als notwendig zu betrachten.
Es liegt in der Natur der Vernunft, die Dinge unter einem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu erfassen.

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