Zitat von Lucius Annaeus Seneca


In Sicherheit ist der Weise, und nicht kann ihm angetan werden ein Unrecht oder eine Schmach.
In Wohltaten nämlich besteht das Leben des Menschen und Einvernehmen, nicht von Schrecken, sondern gegenseitiger Zuneigung wird es zum Bund und gemeinsamer Hilfe vereint.
Jählings neigt sich der Genuss zum Schmerz, wenn er nicht Maß gehalten hat.
Je heller das Feuer scheint, desto leichter ist es gelöscht.
Jede Rohheit hat ihren Ursprung in einer Schwäche.
Jeder findet nur im Unrecht an anderen seinen Gelderwerb.
Jene Mannhaftigkeit ist am sichersten, die sich lange und vielmals umblickt, sich beherrscht und langsam und bedächtig vorrückt.
Jener ist am glücklichsten und ein ungefährdeter Besitzer seiner selbst, der das Morgen ohne Beunruhigung erwartet.
Kein Gut hilft dem Besitzer, wenn nicht auf dessen Verlust vorbereitet ist die Seele.
Kein Tag ist frei von Kummer.
Kein Tod ist größer oder kleiner: Er hat nämlich dasselbe Maß bei allen, zu beenden das Leben.
Keine Partei ist die deine.
Kräftigster Körperteil ist der, den häufiger Gebrauch trainiert hat.
Kürze die lange Rede, damit sie nicht verdächtig wirke!
Lang ist der Weg durch Lehren, kurz und wirksam durch Beispiele.
Leicht zu beschaffen ist, was die Natur verlangt, und zur Stelle: Für Überflüssiges gerät man ins Schwitzen.
Leichter ist der Tod durch Hunger, vor überladenem Magen platzt man.
Man muss nämlich die Natur als Führerin wählen.
Man muss sich der Zeit anpassen.
Man schreitet von Großem zu Größerem, und überaus maßlose Hoffnungen macht sich, wer unverhofft Erfolg hat.
Manche schränken sich zu Hause ein, in der Öffentlichkeit breiten sie sich aus und entfalten sich: Ein Fehler ist dieses widersprüchliche Verhalten und ein Zeichen einer schwankenden Seele, die noch nicht ihre eigene Haltung hat.
Manche Wünsche sind offenkundig und eingestanden, wenn sie Stück um Stück geschehen, manche sind verborgen, wenn in einem Wunsche viel zusammengefasst ist.
Manche Zeit wird uns entrissen, manche gestohlen, manche verrinnt einfach.
Manchen Kranken spricht man einen Glückwunsch aus, wenn sie selber bemerkt haben, sie seien krank.
Mancher hat seinen Henker überlebt.
Mehr Mühe besteht darin, Vorsätze einzuhalten, als ehrenwerte Vorsätze zu fassen.
Mehr scheint mir eine Stimme abzulenken als ein Geräusch: Jene wirkt auf den Geist ein.
Meide den Großmut!
Meidet, was immer der Masse gefällt, was der Zufall euch zuweist: Bei jedem Glücksfall haltet argwöhnisch und vorsichtig inne.
Menschen von Wert mühen sich ab, bringen Opfer, lassen sich opfern, und aus eigenem Willen! Nicht brauchen sie vom Schicksal gezogen zu werden, sie folgen ihm, und sie halten Schritt. Hätten sie gewusst, wären sie ihm vorausgegangen.
Mit Büchern habe ich das meiste Gespräch.
Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück: es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt.
Mit denen verkehre, die dich besser zu machen fähig sind.
Mit der Natur berate dich: Sie wird dir sagen, sie habe den Tag geschaffen und die Nacht.
Miteinander verbinden muss man das: Der Ruhende muss handeln, und der Handelnde muss ruhen.
Mitleid ist benachbart dem Leiden, denn es hat etwas von ihm und zieht etwas aus ihm.
Mittelmäßiges und für die Masse Entstehendes bringt häufig das Schicksal hervor, Außergewöhnliches aber zeichnet es schon allein durch die Seltenheit aus.
Nach innen sollen sich deine Werte orientieren.
Naturgegebene Bedürfnisse sind beschränkt, aus trügerischem Wunschdenken entstehende wissen nicht, wo sie aufhören sollen.
Nicht anders als in einer Gladiatorenkaserne verläuft das Leben, denn mit denselben Menschen lebt man und kämpft man.
Nicht aus der Außenwelt stammt unser Unglück: In uns befindet es sich, mitten in den Eingeweiden sitzt es, und deswegen kommen wir schwer zu seelischer Gesundheit, weil wir nicht wissen, dass wir krank sind.
Nicht bin ich für einen einzigen Winkel geboren, mein Vaterland ist die ganze Welt.
Nicht brauchst du zu fürchten, deine Mühe sei verloren, wenn du für dich gelernt hast.
Nicht der Hunger unseres Leibes kommt uns teuer zu stehen, sondern der Ehrgeiz.
Nicht durch Entstellung des Körpers wird die Seele entstellt, sondern durch Schönheit der Seele der Körper geschmückt.
Nicht einmal Offenkundigem und Handgreiflichem darf man sofort beipflichten, manches Falsche nämlich trägt den Schein des Wahren an sich.
Nicht empfinde ich in meiner Seele des Alters Einbuße, obwohl ich sie empfinde am Körper.
Nicht freut sich in gleicher Weise, wer von der vollendeten Arbeit die Hand entfernt: Er genießt bereits das Ergebnis seiner Kunst, die Kunst selber genoss er, als er malte.
Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.
Nicht ist die Philosophie ein volkstümliches Handwerk noch zur Schaustellung geschaffen: Nicht in Worten, sondern in Taten besteht sie.
Nicht ist Reichtum ein Gut: Daher soll ihn besitzen auch der Zuhälter Elius, damit die Menschen das Geld, obgleich sie es im Tempel geweiht haben, erblicken auch im Bordell.
Nicht kann sittlich gut sein, was nicht frei ist: Denn was fürchtet, ist Sklave.
Nicht kommt die Wunde zur Vernarbung, an der Heilmittel ausprobiert werden.
Nicht kommt zu Kräften eine Pflanze, die oft versetzt wird.
Nicht nur Anwesenheit, sondern Wachsamkeit ist nötig, eine enteilende Gelegenheit wahrzunehmen.
Nicht seien die Ohren Beschuldigenden willfährig, dieser Fehler der menschlichen Natur sei uns verdächtig und bekannt: Was wir ungern hören, glauben wir gern, und bevor wir zu einem Urteil kommen, zürnen wir.
Nicht was, sondern wie du erträgst, ist von Belang.
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.
Nicht weniger Menschen sind durch Sklaven Zorn gefallen als durch den von Königen.
Nicht wer auf Befehl etwas tut, ist unglücklich, sondern wer es gegen seinen Willen tut.
Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm.
Nicht wird dem Argwohn ein schlüssiger Beweis fehlen: Unbefangenheit ist nötig und wohlwollende Einschätzung der Dinge.
Nichts Böses kann dem guten Menschen zustoßen: Gegensätze lassen sich nicht verschmelzen.
Nichts in der Welt ist so ehrwürdig, dass es einen Schänder nicht fände.
Nichts ist so nützlich, dass es im Vorübergehen nützt.
Niemals wird so sehr die Schlechtigkeit erstarken, niemals wird sie sich gegen sittliche Vollendung verschwören, dass nicht der Name der Philosophie verehrungswürdig und unantastbar bleibe.
Niemand aber vermag zu herrschen, außer wer sich auch beherrschen lässt.
Niemand darf sich, außer des Eigenen, rühmen.
Niemand gibt zu Gelächter Anlass, der über sich selber lacht.
Niemand ist so alt, dass er unbilligerweise einen weiteren Tag erhofft.
Niemand ist zufällig gut, die Tugend muss man lernen.
Niemand kann die Mächtigen ungefährdet angreifen.
Niemand kann ein sorgenloses Leben zuteil werden, der an dessen Verlängerung allzu sehr denkt.
Niemand nämlich kann auf Dauer eine Maske tragen.
Niemand stirbt außer an seinem eigenen Tage. Nichts verlierst du von deiner Zeit: Denn was du hinter dir lässt, ist fremdes Eigentum.
Niemanden hat das Schicksal so emporgetragen, dass es ihm nicht so viel androhte, wie es verheißen hatte.
Nirgends ist, wer überall ist.
Nötig ist nämlich zur Kenntnis seiner selbst die Selbsterprobung: Was ein jeder vermag, lernt er nicht anders als durch den Versuch.
Nur der Tod entreißt den Unschuldigen dem Schicksal.
Nur der Weise ist mit dem Seinen einverstanden. Alle Torheit müht sich ab mit dem Überdruss an sich selbst.
Obgleich alles Maßlose schadet, ist am gefährlichsten Übermaß an Glück: Es erregt das Gehirn, zu nichtigen Phantasien reizt es die Seele, dichtes Dunkel breitet es über die Grenze zwischen Falsch und Echt.
Offen sind überall Wege zur Freiheit, viele kurze, leichte.
Oft hat Rache geschadet.
Peinlich ist es zu kämpfen mit einem Menschen, der zur Niederlage bereit ist.
Prüfe, ob du lieber dich oder etwas von deinem Besitz aufgeben willst.
Rasch lassen wir uns auf ein Vorurteil ein: Nicht widerlegen wir das, was uns in Furcht versetzt, nicht vertreiben wir es, sondern wir zittern.
Redlichkeit ermöglicht einem Treulosen Zugang zu schädlichem Handeln.
Ruhe lindert Leiden.
Ruhm öffnet den Weg zu den Überirdischen.
Schimpflich ist es, nicht zu gehen, sondern sich treiben zu lassen und mitten im Wirbel der Dinge verblüfft zu fragen: Wie bin ich bloß hierher gekommen?
Schlaff ist, was in trägem Behagen gemästet worden ist, und nicht bei Anstrengung allein, sondern bei Bewegung und einfach durch das Gewicht seiner selbst versagt es.
Schließlich werde ich dir empfehlen, niemals mit einem charaktervollen Mann Mitleid zu haben: Er kann nämlich unglücklich genannt werden, nicht sein.
Schweigen lernt man aus des Lebens häufigem Unbill.
Sehen wir zu, dass nicht das, womit wir Bewunderung hervorrufen wollen, lächerlich und hassenswert wird.
Selten ist derselbe Mensch glücklich und alt.
Sich selbst genug ist der Weise darin, glücklich zu leben, nicht, überhaupt zu leben. Zu diesem nämlich hat er viele Dinge nötig, zu jenem lediglich eine Seele, vernünftig und aufrecht und verachtend das Schicksal.
Sich selbst ist der Weise genug. Das, mein lieber Lucilius, legen die meisten falsch aus: Den Weisen drängen sie überall zurück und zwingen ihn in sein eigenes Selbst.
Sieh die Höhe, zu der aufsteigen muss die Charakterstärke, dann wirst du wissen, nicht durch gefahrloses Gelände führt ihr Weg.
Sittliche Haltung zu lernen, heißt, Fehlhaltungen zu verlernen.
So ist des Weisen Seele beschaffen wie die Welt oberhalb des Mondes: Stets ist es dort heiter.
So lebe mit den Menschen, als ob der Gott es sähe, so sprich mit dem Gott, als ob die Menschen es hörten.
Solange das Schicksal es erlaubt, lebt froh!
Sorgenfreier werden wir im Reichtum leben, wenn wir die Erfahrung gemacht haben, wie wenig es schwer ist, arm zu sein.
Spät erst vergisst das Gedächtnis, was es über lange Zeit hinweg gelernt.
Stärker quälen Schicksalsschläge Menschen ohne Erfahrung.
Stets aber glücklich zu sein und ohne Schmerz durch das Leben zu gehen heißt, nur eine Seite der Natur zu kennen.
Täglich sterben wir: Täglich nämlich wird hinweggenommen ein Teil des Lebens, und auch dann, wenn wir wachsen, nimmt das Leben ab.
Tapferkeit liegt darin, zu bezwingen, was alle fürchten.
Tier und Fisch lassen sich durch eine verlockende Hoffnung täuschen. Für Geschenke des Schicksals haltet ihr das? Fallen sind es.
Treue, die durch Bestechung zustande kam, wird durch Bestechung aufgelöst.
Tugend hat mir den Weg zu den Sternen und selbst zu den Göttern geöffnet.
Tugend strebt nach den Sternen, Furcht nach dem Tod.
Um ihnen nicht einzeln zu zürnen, musst du allen verzeihen, dem Menschengeschlecht muss man Verzeihung zugestehen.
Unbegrenzt ist die Eile der Zeit, sie wird noch deutlicher, wenn man zurückblickt.
Und gerade das ist ein Beweis für eine Wandlung der Seele zum Besseren, dass sie ihre Schwächen, die sie bislang nicht kannte, sieht.
Ungerechte Herrschaft ist niemals dauerhaft.
Ungewiss ist, wo dich der Tod erwartet: Daher erwarte du ihn überall.
Unrecht wird gegen Gute nur von Schlechten gerichtet: Die Guten untereinander haben Frieden.
Verachtet den Schmerz: Er wird gelöst oder erlöst euch.
Verachtet den Tod: Er macht mit euch ein Ende oder bringt euch anderswo hin.
Verachtet die Armut: Niemand stirbt so arm, wie er geboren ward.
Verkehren kann man mit Freunden, auch wenn sie abwesend sind, und zwar so oft du willst, so lange du willst.
Verzichte auf die Meinung der Menschen: Schwankend ist sie und orientiert sich nach beiden Seiten.
Viel haben geleistet, die vor uns gelebt haben, aber sie haben es nicht vollendet: Achten muss man sie dennoch und wie Götter verehren.
Viel nämlich nimmt Tapferkeit zu, wenn sie herausgefordert wird.
Viele haben ihr Schicksal erfüllt, während sie es fürchteten.
Viele wirst du lenken, wenn die Vernunft dich lenkt.
Von der Zukunft hängt ab, wer nicht versteht, in der Gegenwart zu wirken.
Vor Eintritt in das Alter sorgte ich dafür, gut zu leben, im Alter, gut zu sterben: Gut zu sterben heißt aber, gern zu sterben.
Wahre Soldaten rühmen sich ihrer Wunden, freudig zeigen sie, wie ihr Blut aus dem Panzer dringt: Das Gleiche mögen geleistet haben, die unversehrt zurückkehren aus der Schlacht, mehr sieht man auf den, der verwundet zurückkommt.
Während es aufgeschoben wird, enteilt das Leben.
Wahrheit hasst Verzögerung.
Warum wollte nicht lieber, wer immer ein Mann ist, seinen Schlaf von einem Trompetensignal als von Orchestermusik stören lassen?
Was aber ist grausamer als Zorn?
Was also ist gut? Der Dinge Kenntnis. Was ist böse? Der Dinge Unkenntnis.
Was auch immer das Maß überschreitet, hängt an einem unsicheren Ort.
Was auch immer das Schicksal in die Höhe trug, erhebt es, auf, dass es wieder herniederstürze.
Was auch immer für ein Ende mir das Schicksal bestimmt hat, ich werde es ertragen.
Was auch immer ihm gefällt, ist dem Sieger erlaubt zu tun.
Was das Gesetz nicht verbietet, das verbietet der Anstand.
Was denn, auf ebenem Weg erreicht man Höhe?
Was er nicht kann, will er können, der zu viel kann.
Was freust du dich, dass du von den Menschen gelobt worden bist, die du selbst nicht loben kannst?
Was früher als Laster betrachtet wurde, gilt heute als Sitte.
Was immer du tun wirst, rasch kehre zurück vom Körper zum Geist. Ihn übe nachts und tags: Maßvolle Anstrengung nährt ihn.
Was immer in seiner Umgebung hervorragt, ist groß dort, wo es hervorragt. Denn Größe hat kein festgelegtes Maß.
Was in sich als größte Freude jeder Genuss birgt, hebt er sich für sein Ende auf.
Was ist des Reichtums Maß, fragst du? Zuerst: haben, was nötig ist, sodann, was genug ist. Leb wohl.
Was ist es nötig, den Tisch umzuwerfen? Was, die Becher zu Boden zu schmeißen? Was, den Kopf gegen Säulen zu schmettern? Was, die Haare auszureißen, Schenkel und Brust zu schlagen?
Was ist Freiheit, fragst du? Keiner Sache als Sklave zu dienen, keiner Notwendigkeit, keinen Zufällen, das Schicksal auf die gleiche Ebene zu führen.
Was nützt einer ganzen Landschaft schweigen, wenn die Leidenschaften toben?
Was Unglückliche allzu sehr wünschen, das glauben sie leicht.
Weder heiße ich dich, stets über Buch und Schreibzeug zu hocken: Eine Pause muss man dem Geist gewähren, so freilich, dass er nicht erschlaffe, sondern sich entspanne.
Welchem tätigen Mann ist nicht Muße eine Strafe?
Wem viel erlaubt ist, dem ziemt es, sich wenig zu erlauben.
Wen auch immer du elend sehen wirst: Wisse, dass er ein Mensch ist.
Wen das Unglück oft übergeht, den findet es eines Tages doch.
Wen es reut, gefehlt zu haben, der ist fast unschuldig.
Wenig fordert die Natur, die Wunschvorstellung Unermessliches.
Wenn anständig ist, was du tust, mögen es alle wissen, wenn schimpflich, was nützt es, dass niemand es weiß, wenn du es weißt?
Wenn du den Geist frei haben willst, musst du entweder arm sein oder einem Armen ähnlich.
Wenn du dich auf den persönlichen Bereich zurückziehst, wird kleiner alles sein, aber dich mehr als genug erfüllen.
Wenn du dir alles unterwerfen willst, unterwirf dich der Vernunft.
Wenn du urteilst, untersuche, wenn du herrschst, befiehl!
Wenn ich mich einmal an einem Narren erheitern will, brauche ich nicht lange zu suchen: Über mich lache ich.
Wenn jemand bei seiner eigenen Frau, als sei er bei einer fremden, liegt, ist er ein Ehebrecher, obwohl sie keine Ehebrecherin ist.
Wenn jemand Foltern tapfer erduldet, besitzt er alle Eigenschaften der sittlichen Vollkommenheit.
Wenn jemand über die Felder irrt aus mangelnder Kenntnis des Weges besser ist es, ihn auf den rechten Weg zu bringen, als zu verjagen.
Wer ängstlich fragt, lehrt abzulehnen.
Wer auf Grund seines Reichtums und seiner Ehrenstellung einen höheren Rang einnimmt, ist nicht groß. Warum erscheint er aber als groß? Weil man ihn mit dem Sockel misst.
Wer ein Freund zu sein begonnen hat, weil es von Nutzen ist, hört auch damit auf, weil es von Nutzen ist.
Wer geliebt werden will, regiert mit nachsichtiger Hand.
Wer Hass allzu sehr fürchtet, versteht nicht zu herrschen.
Wer ist von Adel? Der zur sittlichen Vollkommenheit von der Natur gut veranlagt ist.
Wer mit seiner Herkunft prahlt, lobt Fremdes.
Wer nicht zu sündigen verbietet, obwohl er es könnte, befiehlt es.
Wer nichts hoffen kann, soll an nichts verzweifeln.
Wer sich besitzt, hat nichts verloren: Aber wie wenigen gelingt es, sich zu besitzen?
Wer sich mit der Armut einrichtet, ist reich.
Wer trauert und furchtsam ist, den pflegen wir zu bewachen, damit er von der Einsamkeit keinen verhängnisvollen Gebrauch mache.
Wer unser Haus betritt, soll uns lieber bewundern als unsere Einrichtung.
Wer zu einem Ziel gelangen will, verfolge einen einzigen Weg, nicht schweife er über viele: Nicht gehen ist das, sondern irren.
Wichtiger ist, von wo man fällt, als wohin.
Wie der Beginn, so das Ende.
Wie dieselbe Kette Sträfling und Bewacher verbindet, so hält auch das, was so unähnlich ist, gleichen Schritt: Hoffnung und Furcht.
Wie süß ist es, leidenschaftliche Wünsche überwunden und hinter sich gelassen zu haben.
Wilde Tiere fliehen vor Gefahren, die sie sehen, wenn sie geflohen sind, sind sie sorglos: Wir quälen uns mit dem Künftigen und dem Vergangenen ab.
Wir empfangen Vergängliches, selber vergänglich. Was also entrüsten wir uns? Was klagen wir? Dazu sind wir geboren.
Wir lieben, was nicht erlaubt ist, was erlaubt ist, fällt aus unserer Gunst.
Wir vergrößern den Schmerz oder nehmen ihn vorweg oder bilden ihn uns ein.
Wo die Natur nicht will, ist die Arbeit umsonst.
Wo die Seele zugleich und den Körper die Genüsse zerrüttet haben, scheint nichts erträglich, nicht, weil er Hartes, sondern weil er es verweichlicht erlebt.
Woher kann ich wissen, wie viel Widerstandskraft gegen Armut du hast, wenn du im Gelde schwimmst?
Worte bestätige durch Tatsachen.
Wozu mache ich jemanden zum Freunde? Um einen Menschen zu haben, für den ich sterben kann, um einen Menschen zu haben, dem ich in die Verbannung folge, dessen Tod ich mich entgegenstellen und für den ich mich aufopfern kann.
Zu spät ist der Zeitpunkt, wenn man sich erst mitten in den Übeln vorsieht.
Zu spät kommt die Sparsamkeit, wenn man auf dem Grund ist.
Zum Höchsten ist gelangt, wer weiß, worüber er sich freut, wer sein Glück nicht unter fremde Macht gesetzt hat.
Zur Hand ist, was genug ist.
Anf?hrerin bei den ?beltaten aber ist die Frau, in Verbrechen ist sie K?nstlerin.
Anspruchslosigkeit fordert die Philosophie, nicht Selbstbestrafung: Es braucht nicht ungepflegt zu sein die Anspruchslosigkeit.
Anspruchslosigkeit ist freiwillige Armut.
Auch das, was man das hohe Alter nennt, ist nur eine Spanne sehr weniger Jahre.
Auch wir m?ssen Kriegsdienst leisten, und zwar von einer Art, wo niemals Ruhe, niemals Mu?e gew?hrt wird: Niederk?mpfen m?ssen wir vor allem die Gen?sse.
Auch Zorn kann nicht mit Z?geln geb?ndigt werden.
Auf seinem eigenen Misthaufen ist der Hahn der M?chtigste.
Bedenke, wie viel du leichtfertig f?r Geld, wie viel du unter M?hen f?r deine Karriere unternommen hast, etwas muss man auch f?r die Mu?e wagen.
Bedeutender Fl?sse Quellen verehren wir, das unvermittelte Hervorbrechen eines starken Stromes aus dem Verborgenen besitzt Alt?re.
Beharrlich muss man sein und in unabl?ssiger Bem?hung Festigkeit gewinnen, bis gute Verfassung der Seele wird, was guter Wille ist.
Bei bestimmten Geistern muss man verweilen und sich von ihnen durchdringen lassen, wenn du etwas gewinnen willst, was in der Seele zuverl?ssig Platz finden soll.
Beim blo?en Gedanken an eine Wunde wurd der junge Rekrut blass, unger?hrt blickt der altgediente Soldat auf sein Blut.
Besser ist es, einen Freund zu ersetzen, als zu beweinen.
Darauf sei t?glich bedacht, dass du die Kraft habest, mit Gleichmut das Leben zu verlassen, an dem viele so sich festklammern und festhalten, wie Menschen, die von einem Wildwasser fortgerissen werden, an Dornen und Gestr?pp.
Darin n?mlich t?uschen wir uns, dass wir den Tod vor uns sehen: Ein gro?er Teil davon ist bereits vorbei. Was immer an Lebenszeit in der Vergangenheit liegt der Tod besitzt es.
Das eben geschieht den Menschen, die in einem Irrgarten hastig werden: Eben die Eile f?hrt immer tiefer in die Irre.
Das ganze Leben besteht aus Teilen und hat Kreise, wobei sich gr??ere um die kleineren legen. Es gibt aber einen Kreis, der alle umfasst und umringt, er reicht vom Geburtstag bis zum Todestag.
Das h?chste Gut sucht nicht drau?en Hilfsmittel: Im Innern wird es gepflegt, es besteht ganz aus sich selbst. Es beginnt dem Schicksal unterworfen zu sein, wenn es einen Teil seiner selbst drau?en sucht.
Das ist die wichtigste Aufgabe der Weisheit, dass mit den Worten die Taten ?bereinstimmen, dass man selber in jeder Situation sich gleich und derselbe ist.
Das ist Zorn, was die Vernunft ?ber rennt, was sie mit sich rei?t.
Das meiste Unheil richtet Leichtgl?ubigkeit an.
Das Notwendige bemisst der Nutzen, ?berfl?ssiges wie begrenzt du es?
Das Recht liegt in den Waffen, Furcht unterdr?ckt die Gesetze.
Das Schicksal geht seinen Weg.
Das Schicksal kann Reicht?mer, doch nicht den Geist rauben.
Das sind Freundschaften, die das Volk als auf Zeit geschlossen betrachtet: Wer um des Nutzens willen angenommen worden ist, wird so lange gefallen, wie er n?tzlich ist.
Das, woran sich freut die Masse, gew?hrt d?nne und oberfl?chliche Freude, und welche Freude immer nicht von Herzen stammt, ermangelt der Grundlage.
Deine Miene spricht aus, was auch immer du verheimlichst.
Den Freund muss die Seele besitzen: Sie aber ist niemals abwesend, wen immer sie will, sieht sie t?glich.
Den Gl?cklichen hasst, den Ungl?cklichen verachtet man.
Den Helfer such dir, den du mehr bewunderst, wenn du ihn siehst, als wenn du ihn h?rst.
Den Platon hat die Philosophie nicht als Adligen aufgenommen, sondern dazu gemacht.
Den Steuermann erkennst du im Sturm, in der Schlacht den Soldaten.
Den ?beln raubte die Kraft und das Gewicht, wer das Schicksal gleichm?tig ertrug.
Den Willigen f?hrt das Geschick, den St?rrischen schleift es mit.
Den, der zu sterben w?nscht, l?sst der Tod niemals im Stich.
Denn Besitz an allem, was von au?en zuflie?t, ist schl?pfrig und ungewiss.
Denn der Weg zu einem guten Charakter ist niemals zu sp?t.
Denn mit Hilfe von keinerlei Weisheit werden die nat?rlichen Schw?chen des K?rpers oder der Seele abgelegt: Was immer eingepr?gt und angeboren ist, wird gelindert durch Kunst, nicht ?berwunden.
Denn nicht duldet es die Natur, dass je Gutes Guten schade.
Denn was da an Unruhe seine Freude hat, ist nicht energische T?tigkeit, sondern einer erregten Seele planlose Unrast, und das ist nicht Ruhe, was jede Bewegung f?r Bel?stigung h?lt, sondern Schw?che und Schlappheit.
Der gr??te Teil des Lebens entgleitet unvermerkt, w?hrend man Schlechtes tut, ein gro?er Teil, w?hrend man nichts tut, das ganze Leben, w?hrend man Belangloses tut.
Der Kindheit Anmut ist am gr??ten bei ihrem Ende.
Der Mensch ist zu gegenseitiger Hilfe geschaffen, der Zorn zu Vernichtung, der Mensch will die Gemeinschaft suchen, der Zorn aus ihr ausscheiden.
Der Mut w?chst mit jedem Blick auf die Gr??e des Unternehmens.
Der nah heranger?ckte Tod vertreibt prahlerische Worte.
Der Natur aber passt sich der Weise an.
Der Ruhende muss handeln, und der Handelnde muss ruhen.
Der Tod kommt zu dir: Zu f?rchten war er, wenn er bei dir bleiben k?nnte, notwendig kommt er entweder zu dir, oder er geht vorbei.
Der Tod muss dem alten Mann so vor Augen sein wie dem jungen: Nicht n?mlich werden wir aufgerufen nach der Altersliste.
Der Tod vernichtet uns entweder oder macht uns frei: Sind wir befreit, bleibt das Bessere ?brig, da die Last hinweggenommen, sind wir vernichtet, bleibt nichts ?brig, Gutes zugleich und Schlimmes ist hinweggenommen.
Der unsichere Geist f?rchtet, obwohl er zu wissen begehrt.
Der Weise gibt sich keinem Unrecht preis. Daher ist es gleichg?ltig, wie viele Geschosse auf ihn geschleudert werden, da er von keinem zu verwunden ist.
Der Weise hat H?nde und Augen und viele f?r den t?glichen Gebrauch bestimmte Dinge n?tig: Zu entbehren ist n?mlich ein Zeichen des Mangels, nichts mangelt dem Weisen.
Derart ist der Weise mit sich zufrieden, dass er nicht ohne Freund sein will, sondern kann.
Derartiges, mein Lucilius, musst du bergen in deinem Herzen: Gering zu achten die Genugtuung, aus der Menge Anerkennung stammend.
Des Niedrigen und Bequemen Wesen ist es, Sicherheit zu suchen ?ber H?hen schreitet Mannesart.
Die Anf?nge stehen in unserer Macht: ?ber den Ausgang urteilt das Schicksal.
Die Anstrengung fordert die Besten.
Die Begierden vornehmlich vertreibe und sieh in ihnen die hassenswertesten Feinde: Wie die Banditen, die die ?gypter Phileten nennen, umarmen sie uns, um uns zu erw?rgen.
Die das Leben auf Reisen verbringen, erleben, dass sie viele Reisebekanntschaften haben, aber keine Freunde.
Die Erziehung verlangt gr??te Sorg falt, die auch den meisten Nutzen bieten wird leicht ist es n?mlich, bislang noch zarte Seelen zu ordnen, m?hevoll werden zur?ckgeschnitten Fehler, die mit uns gro? geworden sind.
Die Freude entsteht nur aus dem Bewusstsein sittlicher Vollkommenheit: Nicht kann sich freuen, wenn nicht der Tapfere, wenn nicht der Gerechte, wenn nicht der Selbstbeherrschte.
Die Hochm?tigen verfolgt im R?cken ein r?chender Gott.
Die meisten schwanken zwischen Todesfurcht und Lebensqual erb?rmlich hin und her und wollen nicht leben, k?nnen nicht sterben.
Die nat?rlichen Bed?rfnisse haben ihre Grenzen, die aus einem Wahn entstandenen finden kein Ende.
Die nichts zu tun scheinen, tun Wichtigeres, besch?ftigen sich mit Menschlichem und G?ttlichem zugleich.
Die Philosophie ist ein guter Rat: Einen guten Rat gibt niemand mit lauter Stimme.
Die richtige Seelenhaltung ist allen zug?nglich, alle sind wir im Hinblick auf diesen Ma?stab adlig.
Die schreckliche Lust besiegt selbst Tugendhafte.
Die Seele macht adlig, die sich aus jeder beliebigen Situation ?ber das Schicksal zu erheben vermag.
Die Sklaverei h?lt wenige Menschen, viele halten die Sklaverei fest.
Die strengere Zucht der Landschaft festigt den Geist und macht ihn f?hig zu gro?en Entw?rfen.
Die ?brigen Leidenschaften kann man verstecken und im Verborgenen n?hren: Zorn bringt sich selber ans Licht und zeichnet sich im Gesicht ab, und je gr??er er ist, desto deutlicher braust er auf.
Die unstete Zeit vertauscht Niedriges mit dem H?chsten.
Die Wahrheit geht niemals unter.
Die wichtigste Kunst der K?nigsherrschaft: Neid ertragen zu k?nnen.
Diese gesunde und heilsame Lebensform haltet fest, dem K?rper nur insoweit nachzugeben, wie es f?r gute Gesundheit n?tig ist. H?rter muss man ihn behandeln, damit er dem Geist durchaus willig gehorcht.
Ebenso oft st?rmt das Schicksal gegen uns, wie wir gegen das Schicksal.
Edle Seelen n?hrt Anstrengung.
Ein Ende des Trauerns findet, auch wer es nicht mit Absicht gesucht hatte, mit der Zeit.
Ein gl?ckliches Leben wird durch vollkommene Weisheit erreicht, im ?brigen ein ertr?gliches auch durch sich entwickelnde.
Ein gutes Gewissen ruft die Menschen zu Zeugen, ein schlechtes ist auch in der Einsamkeit angstvoll und unruhig.
Ein jeder leidet unter dem, was er getan, das Verbrechen kommt wieder auf seinen Urheber zur?ck.
Ein junger Mann muss erwerben, ein alter benutzen.
Ein K?nig ist, wer nichts f?rchtete, ein K?nig ist, wer nichts begehren wird.
Ein richtiger Steuermann f?hrt mit zerrissenem Segel, und wenn er die Takelage verloren hat, zwingt er den noch den entmasteten Rumpf des Schiffes an den Kurs.
Ein Sch?tze darf nicht gelegentlich treffen, sondern gelegentlich das Ziel verfehlen.
Ein Teil des Himmels steigt st?ndig auf, ein Teil geht unter.
Ein Verbrechen muss durch ein Verbrechen vertuscht werden.
Ein vernunftbegabtes Wesen ist der Mensch: Vollendet wird daher sein Vorzug, wenn er das erf?llt hat, wozu er geboren war.
Ein wirksames Heilmittel gegen Angst ist Milde.
Ein Zwerg wird nicht gr??er, auch wenn er sich auf einen Berg stellt.
Einen Nackten l?sst der Stra?enr?uber vorbei, auch auf einer belauerten Stra?e hat der Arme Frieden.
Einen Traum zu erz?hlen, ist Sache eines Wachenden und seine Fehlhaltungen einzugestehen, ist ein Zeichen seelischer Gesundheit.
Einer ist Sklave seiner Sinnlichkeit, ein anderer seiner Habsucht, ein anderer seines Ehrgeizes, alle der Hoffnung, alle der Furcht.
Eines gro?en Geistes Art ist es, Gro?es gering zu achten und Ma?volles vorzuziehen dem ?berm??igen.
Eines verw?hnten Magens Art ist es, vieles zu kosten, sobald es vielf?ltig und verschieden ist, verunreinigt, nicht n?hrt es.
Einfach an und f?r sich entflammt die Liebe, alle anderen Dinge vernachl?ssigend, die Seele zu leidenschaftlichem Begehren der Sch?nheit, nicht ohne Hoffnung auf Erwiderung der Zuneigung.
Einzig hoch und erhaben ist die sittliche Vollkommenheit, und nichts ist gro?, wenn es nicht zugleich von Gelassenheit erf?llt.
Einzur?umen ist stets Zeit: Die Wahrheit offenbart der Verlauf der Zeit.
Entscheidungen des Schicksals leiten uns, und wie viel einem jedem Zeit bleibt die erste Stunde, da man zur Welt kommt, hat es festgelegt.
Entziehe deinen Nacken dem Joch, das ihn wund gerieben hat: Besser ist es, ihn einmal tief verletzen, als st?ndig bedr?cken zu lassem.
Entziehen muss man der Masse die zarte und zu wenig am Sittlichen festhaltende Seele: Leicht l?uft man zur Mehrheit ?ber.
Erster Beweis f?r eine Beruhigung der Seele ist, meine ich, stehen bleiben zu k?nnen und mit sich zu verweilen.
Es erschlafft ohne Gegner die Tapferkeit, erst dann wird ihre Gr??e und ihre Kraft offenbar, wenn sie durch Ausdauer zeigt, was sie vermag.
Es gehen manchmal Unschuldige zugrunde: Wer bestreitet es? Schuldige dennoch ?fter.
Es gibt auch Eitelkeit des Schmerzes.
Es gibt n?mlich auch bei Beifall guten Geschmack.
Es ist leicht, Ungl?ck zu ertragen, es zu ?berstehen ist schwer.
Es ist l?blich zu tun, was sich ziemt, und nicht, was erlaubt ist.
Es ist nicht m?nnlich, dem Schicksal den, R?cken zuzukehren.
Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben, sondern es ist viel, was wir nicht n?tzen.
Es ist sch?n, unter angesehenen M?nnern hervorzustechen.
Es kann der Bessere siegen, es kann durchaus der Schlechtere sein, der gesiegt hat.
Es kann jemand einer b?sen Tat schuldig werden, obwohl er keinen Schaden verursacht hat.
Es lebt, wer vielen von Nutzen ist, es lebt, wer mit sich selber etwas anzufangen wei?.
Es macht freilich die Menschen gierig allzu gro?es Gl?ck, und niemals lassen sich die Leidenschaften so weit m??igen, dass sie dann aufh?ren, wenn ein Wunsch erf?llt wird.
Es schl?gt uns und verwundet das Schicksal? Wir wollen es erdulden: Nicht ist es Rohheit, Kampf ist es, je ?fter wir ihn auf uns nehmen, desto tapferer werden wir sein.

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