Zitat von Arthur Schnitzler
In der Liebe der Frauen ist das immer ein Element des Blutschänderischen enthalten, den älteren Mann lieben sie immer ein wenig wie einen Vater, den jüngeren wie einen Sohn.
In der Liebe erkennen wir meist zu spät, ob ein Herz uns nur geliehen, ob es uns geschenkt oder ob es uns gar geopfert wurde.
In der Mitte läge die Wahrheit? Keineswegs. Nur in der Tiefe.
In der Natur des Witzes offenbart sich der Charakter der Nationen.
In der Tragik gerät der menschliche Geist, so tief er auch hinabsteigen mag, irgendeinmal auf Grund ? im Humor niemals.
In einem gewissen Stadium der Ehe muss eine Entscheidung getroffen werden: Entweder, dass der Gatte sich entschließt, zum Vater seiner bisherigen Gattin, oder, dass diese sich entschließt, zur Mutter ihres bisherigen Gatten zu werden.
In einer Atmosphäre von Feindschaft lässt sich leben, Mangel an Wohlwollen ist schlimmere Luft.
In einer kranken Beziehung haben wir wie in einem kranken Organismus auch das scheinbar Nichtigste als Symptom der Krankheit zu deuten.
In Hinsicht auf Liebesschulden gilt die Regel: Lieber verfallen lassen als zu spät einkassieren.
In jedem Gefühl ist das Edelste, was unser Verstand, in jedem Urteil das Verständigste, was unser Gefühl dazu tut.
In jeder Epoche bildet sich eine literarische Manier aus, mit der auch die geringeren Talente mehr oder weniger gewandt zu wirtschaften verstehen und die den Stil dieser Epoche unfreiwillig parodiert.
In jeder wirklich guten Anekdote steckt der Keim zu einem Mythos, jede dichterische Allegorie nimmt die Richtung auf ein Symbol zu.
Innerer Reichtum ohne Fähigkeit innerer Sammlung ist ein begrabener Schatz.
Ja, wenn eine Schlacht gewonnen wäre dadurch, dass man den lautesten Trompeter wegschießt!
Je entschiedener eine politische Partei zur Macht gelangt, umso kläglicher verflüchtigt sich die Idee, in deren Zeichen sie den Sieg errang, und als legitime Erben gebärden sich die entarteten Bastarde der Idee: die Dogmen.
Jede gefühlsmäßige Beziehung zu Gott ist sinnlos, Auflehnung nicht minder als Ergebung, denn der Altar, vor dem wir im Staube liegen, wie der, den wir zertrümmern wollen ? wir sind es immer selbst, die ihn aufgerichtet haben.
Jeder Dichter ist Realist und Idealist, Impressionist und Expressionist, Naturalist und Symbolist zugleich, oder er ist überhaupt keiner.
Jeder Krieg wird unter den nichtigsten Vorwänden begonnen, aus guten Gründen weitergeführt und mit den verlogensten Argumenten beschlossen.
Jeder Weltverbesserungsversuch, der von der Voraussetzung ausgeht, dass die Menschheit im ethischen Sinn überhaupt entwicklungsfähig oder, dass sie gar ursprünglich gut sei, ist zum Scheitern verurteilt.
Jedes wahrhaft große Gefühl kann edel und fruchtbar sein, der Hass geradeso wie die Liebe, er muss nur frei sein von den unsauberen Elementen der Selbstsucht, des Neides, der Rachsucht und der Feigheit.
Jedes Wenn, jeder Konjunktiv hebt die Welt gewissermaßen auf, und doch, in jedem philosophischen Gespräch bleibt uns eben nichts übrig, als die Welt ein Dutzend Mal aufzuheben und sie wieder von neuem aufzubauen.
Kein Antlitz ist hässlich, in dessen Zügen sich die Fähigkeit zu einer echten Leidenschaft und die Unfähigkeit zu einer Lüge ausdrückt.
Kein Ärmerer auf der Welt als der Reiche, der es nicht versteht, zu verschwenden.
Kein Gespenst überfällt uns in vielfältigeren Verkleidungen als die Einsamkeit, und eine ihrer undurchschaubarsten Masken heißt Liebe.
Kein Literat, auch von den glänzendsten Gaben, ist jemals zum Dichter geworden.
Kein Mensch ist wahrhaft groß, der in uns nicht den Drang auslöst, ihn symbolisch oder gar mythisch zu sehen.
Keine einzige Dummheit willst du in deinem Leben begangen haben? Dies eben war sie und sie ist viel leicht die einzige, die nicht wieder gutzumachen ist.
Keinen Anlass zur Lüge haben, heißt noch nicht: aufrichtig sein.
Klarheit, Intensität und Raschheit des Denkens diese vereinigt erst, ergeben das, was man die Tiefe des Denkens zu nennen pflegt.
Klugheit und Güte ziehen es vor, ohne Maske aufzutreten.
Künstler sein, das heißt: verstehen, die rauen Flächen der Wirklichkeit so glatt zu schleifen, dass sie die ganze Unendlichkeit von den Höhen des Himmels bis zu den Tiefen der Hölle widerzuspiegeln vermag.
Laster, die Mut erfordern, das sind beinahe schon Tugenden, besonders verglichen mit Tugenden, die nur aus Feigheit geübt werden.
Lebensklugheit bedeutet: alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst nehmen.
Lebenskunst: Die besonderen Gesetze seines Wesens den allgemeinen der Natur, des Staates und der Gesellschaft unterzuordnen und sein ureigenes Selbst über ihnen allen zu behaupten wissen.
Leute, die immer die Gescheiteren sein wollen, sind genötigt, an diese ununterbrochene Mühe so viel Intensität des Verstandes zu wenden, dass sie am Ende meistens die Dümmeren gewesen sind.
Liebe erfüllt nur tätig ihren Sinn.
Liebe kommt nicht immer aus dem Gefühl, sondern, öfter als der Liebende selbst ahnt, aus dem Willen, aus der Güte oder aus dem Bewusstsein einer Mission.
Mag doch mein Name in nichts verklingen! Wenn sie nur meine Lieder singen!
Man hat es so leicht, seine Erinnerungen zu schreiben, wenn man ein schlechtes Gedächtnis hat.
Man kann eine Frau zuverlässig von jedem eingebildeten Leiden befreien, wenn man behauptet, es sei eine Alterserscheinung.
Man mag die Menschen noch so sehr verachten, es lässt sich schwer ohne Leute leben.
Man muss den Mut haben, auch Selbstverständlichkeiten auszusprechen.
Man sollte sich hüten, Witze von der anderen Seite anzusehen oder auch nur weiter zu denken. Man ahnt nicht, wie traurig sie werden.
Man spricht so oft von Freigeistern, niemals aber von Freiseelen. Und dabei ist freier Geist und freie Seele keineswegs dasselbe. Die freien Geister bringen die Welt vorwärts, die freien Seelen reinigen die Atmosphäre der Welt.
Man täte Unrecht zu sagen, dass es dem Feuilletonisten vor allem auf seinen persönlichen Vorteil ankommt. Im Gegenteil: Er ist, was er ist, oft genug zu eigenem Schaden und weiß es auch manchmal.
Manche flüchten sich in den Wahnsinn wie andere in den Tod, und beides kann sowohl Mut als auch Feigheit sein.
Manche Künstler wissen sich ihren Ruf mühselig genug nur dadurch zu erhalten, dass sie sich immer wieder an Aufgaben wagen, denen ihre Kraft nicht gewachsen ist.
Manche Leute sind gerade noch aufgeklärt genug, um an Gespenster nicht zu glauben, aber immerhin in Zweifel, ob nicht vor hundert Jahren noch welche existiert haben.
Manche Literaten lieben es, sich in ihren Werken stilistisch, andere gesellschaftlich und manche gar ethisch aufzuspielen. Kein Wunder, dass sie sich von solchen Mühen in ihrem Privatleben umso gründlicher zu erholen pflegen.
Manche Menschen glauben, dass sie sich weiter entwickelt haben, und von allen ihren Eigenschaften ist es nur die Eitelkeit, auf die ihre Einbildung zutrifft.
Mancher begibt sich in den Wahnsinn wie auf eine willkommene Urlaubsreise aus dem Reiche der Vernunft, doch mit der Hoffnung auf Wiederkehr, mancher wie in ein Land der Verheißung, nach dem lange schon Sehnsucht ihn rief.
Manches gestehen, das bedeutet meist einen hinterhältigeren Betrug als alles verschweigen.
Manchmal ist die Menschheit einem kleinen Mädchen zu vergleichen. Tritt ein großer Mann an sie heran, so wird sie verlegen, läuft in die Kinderstube und spielt mit ihren Puppen weiter.
Massenerlebnisse geben keinerlei Auf schluss über das Wesen der Einzelseelen.
Menschenliebe als politische Idee ist eine Phrase, als religiöse Idee ein Missverständnis, als ethische Idee ein Wahn.
Menschenliebe predigen keineswegs immer ein Beweis von Güte oder Weisheit, sondern öfter von Rührseligkeit, wenn nicht gar Geistesschwäche.
Misstrauen kommt nie zu früh, aber oft zu spät.
Mit dem Ohr der Menschheit ist es so beschaffen, dass es den Schall zu verschlafen und erst durch das Echo zu erwachen pflegt.
Nicht das Geld imponiert den Frauen, sondern nur, dass wir sie manchmal damit kaufen können.
Nicht eher darfst du dich von einer Frau geliebt glauben, ehe du nicht sicher bist, ihre ganze erotische Sehnsucht auf dich allein vereinigt und alle anderen Möglichkeiten ihres Wesens, auch die ungeahntesten, zur Wirklichkeit erlöst zu haben.
Nicht jeder Künstler von Genie hat Humor, aber jeder Künstler von Humor hat Genie.
Nicht treuer, nur anhänglicher sind die Frauen als wir.
Nicht Übermaß an Vertrauen, sondern Schwäche der Phantasie macht es dem Manne so schwer, an die Untreue eines geliebten Wesens zu glauben.
Nichts gibt Frauen eine königlichere Haltung als das Bewusstsein, dass sie ihr Alter besiegt haben.
Nichts tragen wir einem Menschen unversöhnlicher nach, als wenn er, ob auch absichtslos, uns in die Gelegenheit versetzte, gerade in unserer Beziehung zu ihm die üblen Seiten unserer Natur zu entwickeln oder gar uns erst Anlass gab, sie zu entdecken.
Niemals ist es das Problem, das du gewählt, niemals der Geist, mit dem du es behandelt, was dein Werk in die Zukunft tragen wird, immer sind es nur die Gestalten, die du gebildet und die Atmosphäre, die du rings um sie geschaffen.
Nur Gestalt hat Lebensrecht in der Kunst, was in ihr Geist ist, lebt vom Ungefähr der Worte.
Nur Richtung ist Realität, das Ziel ist immer eine Fiktion, auch das erreichte - und dieses oft ganz besonders.
Nur still geschwiegen, Autor und keine Erwiderung! Die einzige, die du allen Angriffen entgegenstellen darfst, hast du schon vorweggenommen: dein Werk. Wenn es dauert, hast du Recht behalten.
Nur unter deinesgleichen hast du das Recht, dich einsam zu fühlen.
Ob einer glaubt, das weiß er im Allgemeinen selber nicht. Darüber, dass er zweifelt, ist sich jeder ohne weiteres klar. Er weiß nur nicht immer woran.
Ob nicht jede Frau das natürliche Recht hat, einmal in ihrem Leben auch die Geliebte eines vollkommen schönen Mannes zu sein?
Oft klammert sich ein Erschreckter wie ein Kind in seiner Angst an den, vor dem er erschrocken ist. So machen Nationen die Führer der Revolution zu ihren Fürsten.
Ohne den Glauben an den freien Willen wäre die Erde nicht nur der Schauplatz der grauenhaftesten Unsinnigkeit, sondern auch der unerträglichsten Langeweile.
Ordnung ist etwas Künstliches. Das Natürliche ist das Chaos.
Politik ist das gegebene Thema für Ungebildete und Schwätzer, Religion das gegebene Thema für Gedankenlose und Schwächlinge.
Politik, ein Wort vieldeutig wie Religion.
Rache! Ja, das ist ein Wort, so lärmend, dass es wohl seinen eigenen Sinn übertönen möchte.
Recht hattest du? Das will nicht viel bedeuten. Nur was du wirktest, reicht in Ewigkeiten.
Reue ist selten mehr als die Einsicht, dass irgendein Gewinn den Preis nicht wert war, den man dafür bezahlen musste.
Revolution, das ist eine Unternehmung, in der einige hundert oder tausend Unschuldige oder wenigstens Unrichtige umgebracht werden, damit irgendein Schuldiger oder wenigstens ein Unrichtiger zur Macht gelangt.
Schlimmer betrogen, wer aus Angst vor Enttäuschung immer wieder sein Glück versäumte, als wer jede Möglichkeit eines Glücks ergriff, selbst auf die Gefahr hin, es könnte wieder nicht das wahre gewesen sein.
Sehnsucht macht die Dinge und die Menschen unwirklich. Darum ist alles Erreichte so anders als das Ersehnte. Nicht schlechter oder besser, aber anders.
Seine Gedanken nicht klar auszudrücken, ist entweder Leichtfertigkeit, Feigheit oder bewusstes Verbrechen. Dieses Letztere ist häufiger, als man ahnt. Nicht nur Politiker und Pfaffen, auch Literaten pflegen es zu begehen.
Selbsterkenntnis ist fast niemals der erste Schritt zur Besserung, aber oft genug der letzte zur Selbstbespiegelung.
Selbstüberwindung, Erkenntnisdrang und Opfermut sind die einzigen wirklichen Tugenden unter allen, die man so zu nennen pflegt. Denn nur in ihnen ist der Wille tätig.
Sich durchschauen zu lassen das ist keineswegs immer Gleichgültigkeit oder Unvorsichtigkeit. Oft ist es nur eine vornehme Geste, wenn nicht gar die feinste Art, die Menschen irrezuführen.
Sich einer begangenen Torheit völlig bewusst werden, das hebt sie noch nicht auf, es kann unter Umständen sogar die größere Torheit bedeuten.
Sie tummeln ihre Rosse, aber sie reiten sie nicht.
So mancher glaubt, immer noch einem verlorenen Glücke nachzuweinen, und es ist längst nur mehr der abgeschiedene Schmerz darum, dem seine Tränen fließen.
Solang du auf Erden lebst, hast du kein Recht, rückhaltlose Anerkennung zu verlangen. Denn bis zu deinem letzten Augenblick besteht die Gefahr, dass du den Anspruch darauf wieder verwirkst.
Solange eine Illusion nicht als Täuschung erkannt wird, ist sie einer Realität durchaus gleichwertig.
Solidarität der Bestrebungen knüpft euch mit Bindfäden, Solidarität der Schicksale schnürt euch mit Stricken, Solidarität der Verantwortungen schmiedet euch mit Ketten aneinander.
Stärke des Charakters ist oft nichts anderes als eine Schwäche des Gefühls.
Tage von verschiedener Helle, Nächte von verschiedenen Tiefen.
Toleranz heißt die Fehler des anderen entschuldigen. Takt heißt sie nicht bemerken.
Toleranz heißt, die Fehler der anderen zu entschuldigen. Takt heißt, sie nicht bemerken.
Über das Ausmaß seines Talents wird uns ein gewandter Autor zuweilen zu betrügen imstande sein, nie jedoch über den Grad des Interesses, das er selbst seinem Problem und seinen Gestalten entgegenbringt.
Überzeugungen: Sie dürfen noch so scharf aneinander geraten, es sind doch immer Ehrenhändel, die ritterlich zwischen ihnen ausgetragen werden können.
Um den Künstler ist ein geheimnisvolles Element, durch dessen Medium er die Umwelt unvergleichlich stärker zu erfassen vermag als irgendein anderer Mensch, und das ihn doch zugleich unerbittlicher von ihr abschließt, als die dickste Mauer es vermöchte
Um eine Unrichtigkeit als Lüge schmähen zu dürfen, müssen wir sie erst des bösen Willens überweisen. Und ehe wir uns vor einer Richtigkeit beugen wie vor einer Wahrheit, muss uns der Glorienschein des Muts von ihrer Stirne entgegenstrahlen.
Um einer Partei anzugehören, ist eine gewisse Portion Einfalt unerlässlich.
Unsere Fragen an die Gottheit sind es, die uns reicher machen, nicht die spärlichen Antworten, die uns zuteil werden.
Urworte, orphisch. Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja riet aus! Tun S' Ihnen nix an!
Vernünftige Leute, die den Standpunkt ihrer Partei bis in die letzten Konsequenzen zu vertreten versuchen, erwecken immer den Eindruck, als seien sie konfus oder unehrlich geworden.
Während wir träumen, sind wir da nicht vielleicht Gespenster in den Träumen der andern?
Wahrhaft ungütig sind wir nur gegen Menschen, von denen wir wissen, dass sie uns niemals verloren gehen können.
Wahrheit, insofern sie nichts ist als Richtigkeit, hat keinerlei ethische Bedeutung.
Wäre Politik unter Voraussetzung vollkommener Wahrheit, wäre Rechtsprechung auf der Grundlage vollkommener Gerechtigkeit überhaupt nur möglich, dann brauchten wir weder Politiker noch Juristen auf der Welt.
Warum uns doch die Gutmütigkeit unserer Nebenmenschen meist als Dummheit und unsere eigene als Güte die Güte der anderen als Schwäche und die unsere als ein Zeichen von Seelenadel erscheint?
Was als Persönlichkeit wirkt, ist das Leuchten aller Möglichkeiten eines Charakters hinter seinen wirklichen und zufälligen Lebensäußerungen.
Was am tiefsten in der menschlichen Natur steckt, ist doch die Angst vor der Vernichtung. Und so bedeutet unser ehrfürchtiger Schauer vor dem tapfersten Helden oft nichts anderes als unsere scheue Bewunderung für den geschicktesten Komödianten.
Was ein großer Mensch erlebt, so unbeträchtlich es erscheine, ist immer Symbol, was ein schwacher und gar ein kranker Mensch erlebt, immer ein Symptom, sowenig es mit seiner Schwachheit oder seiner Krankheit gar zu tun habe.
Was hat man am Ende von der Gerechtigkeit? Nichts anderes, als, dass auch diejenigen Leute einem Bedauern einflößen, denen man im Grunde alles Böse gewünscht hat.
Was nützen die besten Worte, wenn sie über die Wirklichkeit hinwegtäuschen?
Was uns als Größenwahn erscheint, ist nicht immer eine Geisteskrankheit, oft genug ist es nur die bequeme Maske eines Menschen, der an sich verzweifelt.
Was uns so oft an mancher Frau abstößt, ist der Gedanke an den Mann, der sie verlangt.
Was unsere Seele am schnellsten und schlimmsten abnützt, das ist: Verzeihen ohne zu vergessen.
Was wir Illusion nennen, ist entweder Wahn, Irrtum oder Selbstbetrug ? wenn sie nicht eine höhere Wirklichkeit bedeutet, die als solche anzuerkennen wir zu bescheiden, zu skeptisch oder zu zaghaft sind.
Weiche hundert Schritte ab vom gebahnten Pfad, und du findest dich allein. Und wenn du einem begegnest, weißt du nicht, ob er die Einsamkeit sucht wie du oder auf Raub ausgeht.
Weltgeschichte ist die Verschwörung der Diplomaten gegen den gesunden Menschenverstand.
Wem der Himmel zu fern ist, der mag sich mit seiner Andacht vor einem Altar bescheiden. Wahre Gebete fliegen hoch über jenen Altar zu Gott.
Wenn der Hass feige wird, geht er maskiert in Gesellschaft und nennt sich Gerechtigkeit.
Wenn du dich zur Versöhnlichkeit geneigt fühlst, so frage dich vor allem, was dich eigentlich so milde stimmte: schlechtes Gedächtnis, Bequemlichkeit oder Feigheit.
Wenn du vor den Altar der Wahrheit trittst, so wirst du dort viele auf den Knien finden. Doch auf dem Wege dahin wirst du immer allein gewesen sein.
Wenn man mit einem Politiker von guten Manieren und einiger Klugheit in eine Unterhaltung gerät, macht man meistens die überraschende, aber sympathische Entdeckung, dass er eigentlich gar nicht zu seiner Partei gehört.
Wenn Treue nicht ein Gegengeschenk ist, dann ist sie die törichtste aller Verschwendungen.
Wenn wir neue Götter haben, müssen die alten notwendig Götzen gewesen sein?
Wer dein richtiger Jünger ist, der fängt damit an, dich misszuverstehen, fährt damit fort, dich zu kompromittieren und endet damit, dich zu verleugnen.
Wer deine bittersten Feinde sind? Unbekannte, die ahnen, wie sehr du sie verachten würdest, wenn du sie kenntest.
Wer den Prinzipien nicht getreu zu leben versteht, die er verkündigt, ist ein Hochstapler, und ein umso schlimmerer, je ernsthafter er selbst an diese Prinzipien glaubt.
Wer einmal völlig begriffen hat, dass er sterblich ist, für den hat eigentlich die Agonie schon begonnen.
Wer Grenze sagt, sagt Unendlichkeit, und wer Unendlichkeit sagt, sagt Grenze. Denn es lässt sich ebenso wenig leugnen, dass jenseits der Grenze wieder das Etwas ist, und wäre es selbst das Nichts, so wäre es ein Etwas mit Hinsicht auf die Grenze.
Wer Humor hat, der hat beinahe schon Genie. Wer nur Witz hat, der hat meistens nicht einmal den.
Wer Materie sagt, sagt Geist, ob er es will oder nicht. Denn sie wäre überhaupt nicht vorstellbar ohne Geist. Und wer Geist sagt, sagt Materie, denn ohne Materie könnte er es nicht sagen, nicht einmal denken.
Wer sich von der Persönlichkeit eines Künstlers enttäuscht oder überrascht fühlt, hat dessen Werke missverstanden.
Wer sich zur Einsamkeit verdammt fühlt, kann immer noch manches dazu tun, dass seine Einsamkeit gesegnet sei.
Wer vertraut, wird nur manchmal betrogen, wer misstraut, in jedem Falle: Wenn man ihn betrügt, und er es weiß so gut wie wenn man ihn nicht betrügt, und er sich betrogen glaubt.
Widerwärtig nennen wir das Traurige, dem es nicht vergönnt ist, sich auf irgendeine Weise in Schönheit aufzulösen.
Wie der Mensch sich ärgert, so ist er.
Wie eilig ordnet sich Geschehnes ein.
Wie es hysterische Liebe gibt, so gibt es auch hysterischen Hass, und er hat alle Kennzeichen, die andern hysterischen Affekten eigen sind.
Wie könnte man als Mensch leben, wenn man nicht zuweilen ein Gott wäre?
Wie köstlich ist die Einsamkeit, wenn wir wissen, dass von irgendwoher in der Welt, wäre es auch aus weiter Ferne, Sehnsucht nach uns ruft. Aber ist dies denn auch noch Einsamkeit?
Wie man von der Hand in den Mund lebt, so kann man auch vom Geist in die Seele denken und von der Seele in den Geist fühlen.
Wie oft bei uns noch öfter als bei andern halten wir für Stärke des Charakters, was am Ende doch nichts anderes ist als Schwäche des Gefühls.
Wie oft halten wir für Unversöhnlichkeit der Ansichten, was nichts anderes ist als Verschiedenheit der Temperamente.
Wie sinnlos die Welt dir erscheinen mag, vergiss nie, dass du durch dein Handeln wie durch dein Unterlassen dein redlich Teil zu dieser Sinnlosigkeit beiträgst.
Wie sollte es nur möglich sein, dass ein Philosoph den anderen anerkennt. In dem Augenblick, wo er das aus vollem Herzen täte, müsste er ja seine eigene Überflüssigkeit einsehen.
Wie unklar doch die Menschen oft über sich selber sind. Einer liebt den Duft der Blumen und hält sich für einen Botaniker, ein anderer zählt Staubfäden und hält sich für einen Naturschwärmer.
Willst du wissen, wie alt du bist, so frage nicht die Jahre, die du gelebt hast, sondern den Augenblick, den du genießt.
Wir sollen uns vor Gott beugen? So geht doch erst aus dem Weg, ihr Pfaffen, damit wir besser sehen können, wovor wir uns beugen sollen!
Wo immer man einen Verstoß , gegen die Moral zu sehen glaubte, ist es einer gegen den Geschmack, gegen die Logik oder gegen die Wahrhaftigkeit gewesen.
Zänkereien in einem Verhältnis stammen in letzter Linie doch immer aus den Voraussetzungen, aus denen es aufgebaut ist.
Zu einem Verrat sind die meisten Menschen pünktlicher zur Stelle als zu einer Tat der Untreue. Denn sich bei einem Verrat zu verspäten, kann leichter den Kopf kosten, als zu einer Handlung der Treue nicht da zu sein.
Zuerst den Hunger abgetan - dann fangen die Probleme an.
Zwei Männer mögen wegen einer Frau in einen noch so erbitterten Streit geraten sein, es kommt immer der Augenblick, in dem sie nahe daran sind, einander wie über einen Abgrund die Hände zu reichen.
Zwei Spiegel einander gegenüber: Für den Kurzsichtigen bedeutet es Verwirrung, für den Weitsichtigen Unendlichkeit.
Alles, was die Seele durcheinanderr?ttelt, ist Gl?ck.
An der Tiefe des Erlebnisses gemessen, aus dem wir eine Weisheit gewonnen haben, muss diese selbst immer platt erscheinen, oder es ist weder ein Erlebnis gewesen noch eine Weisheit geworden.
Anarchie w?re der w?nschenswerte Zustand, wenn die Menschen Maschinen oder G?tter w?ren. Aber dann m?sste sie nicht erst gepredigt werden. Sie w?re eben da.
Anf?hrungszeichen sind oft nichts als eine faule Ausrede, mittels deren der Autor die Verantwortung f?r eine Banalit?t, die ihm in die Feder kam oder f?r die ihm nichts Besseres einfiel, dem schlechten Geschmack seiner Zeitgenossen aufzub?rden versuc
Auch auf dem Grund jeder richtigen Kom?die, tief verborgen in vermauerten R?umen, ruht ein tragisches Geheimnis ? mag auch oft der Meister selbst, der das Geb?ude aufgerichtet hat, nichts davon ahnen.
Auch das Chaos gruppiert sich um einen festen Punkt, sonst w?re es nicht einmal als Chaos da.
Auch das ist L?ge und oft die kl?glichste von allen: sich anzustellen, als wenn man einem L?gner seine L?ge glaubte.
Auch das kl?gste Wort bleibt am Ende nur Geschw?tz, wenn es nicht auf irgendeinem Wege zu Taten f?hrt.
Auch denen, die uns lieben und verehren, wird nicht eher in unserer N?he wohl, als bis sie entdeckt haben, wo wir sterblich sind.
Auch der ehrlichste Denker wird es ohne Humor niemals zum Philosophen, sondern immer nur zum Pedanten bringen.
Auch der ehrlichsten ?berzeugung muss ich meinen Respekt verweigern, wenn mir die Sache nicht ehrlich scheint, der sie gilt.
Auch der erste Schritt geh?rt zum Wege.
Auch der Selbstmord wird eine sinnlose Sache, wenn man keinem Menschen mehr dadurch einen Schmerz bereitet. Dies erst hei?t, sich v?llig ins Nichts st?rzen.
Auch die Einsamkeit hat ihre Gecken, und sie verraten sich meist dadurch, dass sie sich als M?rtyrer aufspielen.
Auch mit den kl?gsten Menschen bereitet der Umgang kein Vergn?gen, wenn sie immer noch kl?ger scheinen m?chten, als sie sind.
Auch sehr ins Weite denken, ist manchmal nur eine Art, sich das Leben bequem zu machen.
Auch widerw?rtige Eindr?cke lassen sich genie?en.
Auf Liebesschulden gilt die Regel: lieber verfallen lassen als zu sp?t einkassieren.
Aufgabe der Erziehung w?re es, den metaphysischen Hunger des Menschen durch Mitteilung von Tatsachen in weisem Ma? zu stillen, statt ihn durch M?rchen, was ja die Dogmen sind, zu betr?gen.
Auflehnung Demut. Was liegt dazwischen? Weisheit oder Ergebung?
Aus dem Werke manches Dichters sp?ren wir wohl heraus, dass er irgendwie und irgendwo ein Genie ist, nur leider gerade nicht in seiner Dichtung.
Aus Menschenverachtung in die Einsamkeit fl?chten oder sich v?llig auf und in sich selbst zur?ckzuziehen, ist selten ein Zeichen von Kraft oder Gr??e, weit ?fter von Tr?gheit oder Hochmut.
Autoren stellen bekanntlich eine h?chst empfindliche Menschensorte vor. Wer m?chte dem widersprechen? Ich kenne tats?chlich nur eine, die empfindlicher w?re ? die der Kritiker.
Beklagenswert, der nicht sein Leben, sondern seine Autobiographie lebt.
Bereit sein ist viel, warten k?nnen ist mehr, doch erst den rechten Augenblick abwarten ist alles.
Bewahre uns der Himmel vor dem »Verstehen«. Es nimmt unserm Zorn die Kraft, unserm Hass die W?rde, unserer Rache die Lust und noch unserer Erinnerung die Seligkeit.
Das Beste, was Liebende im Laute der Zeit einander werden k?nnen, das ist: Surrogate ihrer Tr?ume oder Symbole ihrer Sehnsucht.
Das gro?e zu verkennen, das ist nicht immer eine Sache des mangelnden Verst?ndnisses, sondern auch des Mutes, insbesondere f?r den, der sich nicht f?r unfehlbar h?lt.
Das ist ein gef?hrlicher Narr, der einen Schlafenden mit dem Dolch in der Herzgegend kitzelt, um ihn aufzuwecken.
Das Missverh?ltnis zwischen einer Idee und den Menschen, die diese Idee verwirklichen sollen, ist in jedem Falle gr??er als das zwischen den Menschen, die f?r diese Idee sterben und denen, die sie verraten.
Das muss schon ein Mensch von hoher Art sein, dem die Sehnsucht nach Freiheit etwas anderes bedeutet als die Begier nach Verantwortungslosigkeit.
Das Orchester versetzt die Damen in Trance, aber schreiben tun's dann dem Tenor.
Das Publikum ist viel gescheiter, als es selber glaubt, aber man darf es ihm nicht zugestehen, sonst wird es noch anma?ender, als es ohnedies zu sein pflegt.
Das Schlimmste, was einem Dichter passieren kann, das ist: f?r seinen eigenen Einfall nicht reif sein.
Das Sinnvolle hat nur Bedeutung, ja Daseinsm?glichkeit durch die Annahme eines Sinnlosen.
Das Urteil der meisten Menschen ?ber andere, auch solche, die ihnen sehr nahe stehen, ist so wenig fest und tief gegr?ndet, dass sie nicht erst ihre Gesinnung wechseln oder ihre ?berzeugung verleugnen m?ssen, um auch den besten Freund zu verraten.
Das Wesen des Feuilletonismus: die augenblickliche Wirkung in jedem Falle h?her werten als Sachlichkeit, Wahrheit und Folge.
Das Wichtigste im menschlichen Verkehr bleibt immer: die Leute bei schlechtem Gewissen zu erhalten.
Das Wichtigste im Verkehr mit Menschen: ihnen ihre Ausreden wegr?umen.
Dass du ihn v?llig durchschautest, das hat dir noch keiner verziehen, er mag noch so gut dabei weggekommen sein.
Dass man zuweilen mehr, zuweilen weniger tun muss als seine Pflicht und eben durch dieses Mehr oder Weniger sie erst zu erf?llen vermag: Das ist das Problem, dem wir in jeder schweren Lebenslage immer wieder gegen?berstehen.
Dass wir geschaffen sind, das Unfassbare zu fassen und das Unertr?gliche zu ertragen das ist es, was unser Leben so schmerzensvoll und was es zugleich so unersch?pflich reich macht.
Dass wir uns gebunden f?hlen mit der steten Sehnsucht nach Freiheit und, dass wir zu binden versuchen ohne die ?berzeugung unseres Rechts dazu, das ist es, was jede Liebesbeziehung so problematisch macht.
Deine Ahnung vom G?ttlichen: Du h?ltst sie f?r eine Frage, die du an die Unendlichkeit richtest, doch du irrst: Sie ist schon die Antwort, die dir aus der Unendlichkeit zur?ckt?nt und die einzige, die du zu erwarten hast.
Deine schlimmsten Feinde sind keineswegs die Leute, die anderer Ansicht, sondern die der gleichen sind wie du, aber aus verschiedenen Gr?nden, aus Vorsicht, Rechthaberei, Feigheit verhindert sind, sich dieser Ansicht zu bekennen.
Dem Humor, dem g?ttlichen Kind, ist nichts verwehrt, auch nicht mit dem Schmerz, dem Elend, dem Tod zu spielen. Wenn die Ironie, der Witz, die Satire das Gleiche versuchen, empfinden wir das als geschmacklos, roh, wenn nicht gar als Blasphemie.
Dem Mutigen droht Gefahr meist nur von einer Seite her, dem Feigen von Hunderten. Der Mut muss sich nur nach einer Front sch?tzen, die Feigheit nach allen Seiten.
Dem seelischen Schmerz ist es gegeben, auch der armseligsten Stirn einen Heiligenschein zu verleihen, die gemeine Sorge des Tags verzerrt auch das edelste Antlitz zur Fratze.
Der bedeutende Mensch weist sich durch Leistungen, der gro?e vor allem durch sein Dasein aus. Aber war es seine Art, sich damit zu begn?gen, so war er nicht gro?.
Der beste Patriot wird immer der sein, der seinem Vaterland am meisten gen?tzt, nicht der, der es am hei?esten geliebt hat.
Der brennt am hei?esten von allen Schmerzen, der fahl vom Feuer der Verachtung schwelt.
Der Dichter ist Gestalter und Bewahrer aus innerer Notwendigkeit.
Der Endzweck aller Kultur ist es, das, was wir Politik nennen, ?berfl?ssig, jedoch Wissenschaft und Kunst der Menschheit unentbehrlich zu machen.
Der Gedanke der Seelenwanderung wird v?llig sinnlos, wenn wir nicht zugleich eine Fortdauer des Ichbewusstseins als gegeben annehmen. Als ein anderer da gewesen sein, das hei?t: ?berhaupt nicht da gewesen sein.
Der Geist ist stets bereit, tausend Seelen aufzuopfern auch zugunsten eines fernsten Ziels, das Herz, je gr??er es ist, opfert immer nur sich selbst, auch wenn das Ziel sich schon ganz nahe zeigt.
Der Genius des Hasses auf Erden ist vielleicht noch ein gewaltigerer als der Genius der Liebe.
Der gro?e Politiker aber ist ?berhaupt nicht Politiker, sondern Staatsmann, der gro?e Priester nicht Pfaffe, .sondern Dichter und Philosoph. Beide sind Idealisten, Narren oder Heilige, indem sie ihre Kr?fte an Unm?gliches verschwenden.
Der Hass der Gr??e gegen die Kleinheit ist der Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Gr??e der Neid.
Der Hass der Gr??e gegen die Kleinheit ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Gr??e ist Neid.
Der Hass ist wahrscheinlich ein ebenso m?chtiger Urtrieb wie Liebe und Hunger.
Der Homo sapiens ist praktisch einzigartig im Reich der Lebewesen, was das Fehlen instinktiver Schutzvorkehrungen gegen das T?ten von Artgenossen betrifft.
Der Humorist lustwandelt innerhalb der Unendlichkeit.
Der Politiker hat nicht mit der Ewigkeit zu rechnen. In einer menschlichen Angelegenheit kommt es nie auf ein Definitives an.
Der Priester will Andacht, der Pfaffe Unterwerfung, der Staatsmann Entwicklung, der Politiker Parteisieg.
Der Priester wird sich oft genug wie ein Pfaffe ?u?ern und geb?rden m?ssen, um von der Gemeinde seiner Gl?ubigen auch nur verstanden zu werden.
Der Snob ist ein Mensch, der scheinbare Selbsterh?hung auf dem Wege tats?chlicher Selbsterniedrigung anstrebt. Er ist im eigentlichen Sinne der Masochist der Gesellschaftsordnung.
Der Staatsmann kann zur Erreichung eines vorgesetzten Zieles auf die Mittel des Politikers nur selten verzichten.
Der Trotz ist die einzige St?rke des Schwachen und eine Schw?che mehr.
Der wahre Lebensk?nstler ist aber den bescheidenen ?berraschungen dankbar, die ihm auch innerhalb des gleichg?ltigsten Erlebnisses immer wieder zu begegnen pflegen oder die er zumindest wieder erwarten darf.
Des Kritikers erste Frage m?sste sein: Was hast du mir zu sagen, Werk? Aber das k?mmert ihn im Allgemeinen wenig. Seine erste Regung ist vielmehr: Nun, Werk, gib Acht, was ich dir zu sagen habe!
Die Anteilnahme der Nebenmenschen an unserem Schicksal ist Schadenfreude, Zudringlichkeit und Besserwisserei in wechselndem Gemisch.
Die beruhigende Wirkung der Kunst werke erkl?rt sich vor allem dadurch, dass im Kunstwerk das, was wir Zufall nennen, ausgeschaltet ist.
Die Bestrafung des mittelbaren und noch mehr des fakultatives Mordes m?sste die Forderung eines ethischen Zeitalters sein.
Die Deutschen haben die Feierlichkeit des langsamen Verstandes.
Die drei Kriterien des Kunstwerks: Einheitlichkeit, Intensit?t, Kontinuit?t.
Die Ehe ist die Schule der Einsamkeit.
Die Ehe ist die Schule der Einsamkeit. Aber man lernt nicht genug in ihr.
Die Eigenschaften unserer Nebenmenschen sind uns immer nur ihrer qualitativen Bedeutung nach offenbar, und es ist nie vorherzusehen, bis zu welchem Grad irgendeine Eigenschaft unter bestimmten Umst?nden sich zu entwickeln vermag.
Die Eleganz ist der Geschmack der andern.
Die Entbl??ung der Gef?hle ist viel anst??iger als die des K?rpers.
Die Frau empfindet es als Triumph, wenn sie der fr?heren Geliebten des Mannes begegnet, der Mann als Schmach, wenn ihm der fr?here Geliebte seiner Frau erscheint.
Die Frauen sind zugleich naturgebundener und sozial bedingter als die M?nner, dies ist der Widerspruch, in dem die Problematik der meisten Liebesbeziehungen begr?ndet ist.
Die Frauen verm?gen andere Menschen nur durch das Medium der Liebe oder das der Entfernung zu sehen und zu begreifen.
Die Gef?hlswerte ?ndern sich, die Verantwortungs- und Verpflichtungswerte bleiben bestehen, ja k?nnen sich steigern. Darum wird die Ehe stets eine irrationale Gleichung bleiben.
Die Gesellschaft hat die Strafe erfunden, die Theologie die H?lle, und f?r die F?lle, in denen die irdische S?hne ausbleibt und der Glaube ans Jenseits versagt, hat unsere Feigheit die Reue erfunden.
Die Idee ist ein so g?ttliches Ding, dass sie freiwillige Opfer wohl annehmen, ja vielleicht sogar fordern darf Wie oft aber im Laufe der Geschichte wurde sie zum G?tzen erniedrigt, auf dessen Altar man unschuldige Kinder hinschlachtete.
Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S' Ihnen nix an!
Die Lebensl?ge manchen Staates wie manchen Individuums:, dass sie den Bankrott noch erwarten, ja sogar sein Ausbleiben noch f?r m?glich halten zu einer Zeit, da sie schon mitten darinnen stehen.
Die Leute sind am schlimmsten dran, die mehr Temperament haben als Mut.
Die Liebe einer Frau kannst du dir durch mancherlei verscherzen: durch Vertrauen und durch Misstrauen, durch Nachgiebigkeit und durch Tyrannei, durch zu viel und durch zu wenig Z?rtlichkeit, durch alles und durch nichts.
Die Liebe zu den Kindern ist immer eine ungl?ckliche, im Grunde die einzige, die diese Bezeichnung mit Recht verdient.
Die Nachwelt ist nicht besser als die Mitwelt. Sie ist nur sp?ter.
Die Pers?nlichkeit ist das ewige Wunder, denn nur sie ist das Unberechenbare, und dennoch ist es ihr Wesen, dass ihr Auftreten, wie und wann immer es erfolgt, als ein absolut notwendiges, ja l?ngst erwartetes wirkt.
Die Probleme der Sittlichkeit liegen auf dem Gebiet der Verantwortung, die der Sitte auf dem der Tradition.
Die reinigende Kraft der Wahrheit ist so gro?, dass schon das Streben nach ihr ringsum eine bessere Luft verbreitet, die zerst?rende Macht der L?ge so furchtbar, dass schon die Neigung zu ihr die Atmosph?re verdunkelt.
Die Sentimentalit?t ist das Alibi der Hartherzigen.
Die so genannten impulsiven Menschen sind meistens nicht Verschwender, sondern nur Ungeduldige ihres Gef?hls.
Die sonderbare Lust, sich mitten im Taumel einer gro?en Liebe in die Arme einer anderen zu st?rzen.
Die St?rke des Charakters ist oft nichts anderes als eine Schw?che des Gef?hls.
Die tragische Weltanschauung, von den H?hen des Humors aus betrachtet, wirkt in jedem Falle irgendwie beschr?nkt, wenn nicht l?cherlich oder gar unsinnig.
Die ungeheuere Intensit?t unserer Ein dr?cke im Traum kommt wohl daher, dass wir im Traum niemals zerstreut sind. Im Leben sind wir es immer und m?ssen es sein.
Die Verleumdung ist nicht ganz ohne ethische Bedeutung. Sie sch?tzt die M?glichkeiten h?her ein als die Tatsachen.
Die wahre Trag?die steigt zum Himmel auf wie ein Turm, auf dessen freier H?he, von St?rmen umbraust, die Leiche des Helden aufgebahrt liegt.
Die wesentlichste Aufgabe des wahren Priesters wird es immer sein, Gott zu verteidigen gegen die Missverst?ndnisse, ?berheblichkeiten und Zudringlichkeiten, die der Fromme f?r Glauben zu halten pflegt.
Die Wirkungen der Kunst beruhen nicht auf Illusion, sondern auf Ideenassoziationen.
Diejenigen Tugenden werden am lautesten gepriesen, zu deren Aus?bung weder Gedanken arbeit noch Energieentfaltung, noch Selbst?berwindung geh?rt, vor allem also diese beiden: Patriotismus und Gottesfurcht.
Dies verr?t den Unbedeutenden immer wieder:, dass er sich, wenn das Schicksal schon alle M?he aufwandte, ihn zur Individualit?t zu gestalten, doch um jeden Preis in den Typus hineinzuretten wei?.
Dilettant sein, das hei?t: seiner eigenen Einf?llt nicht wert, aber auf sie stolz sein.
Du bildest dir ein, durch deine erzieherischen Talente einen Menschen gewandelt zu haben, und doch hast du meist nur einen Kom?dianten, einen Heuchler oder einen Feigling aus ihm gemacht.
Du hast verstanden? Du hast verziehen? Du hast vergessen? Welch ein Missverst?ndnis! Du hast nur aufgeh?rt zu lieben.
Du kannst einen Menschen daran hindern, zu stehlen, aber nicht daran, ein Dieb zu sein.
Du willst einen Menschen besitzen? Kenne ihn.
Du wirst deine Geliebte erst dann richtig beurteilen k?nnen, wenn du dich als denjenigen zu denken vermagst, der dein Nachfolger sein wird.
Eher holst du den Vogel im Flug ein als Liebe, die flieht.
Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.
Ein ernster Mensch sein und keinen Humor haben, das ist zweierlei.
Ein Gedanke erscheint uns dann als tief, wenn er klar, stark und wahr ist, immer also, wenn er vom Hauch des Erlebnisses umwittert ist, dem er seine Entstehung verdankt.
Ein geliebter Mensch, das bedeutet siebenmal Schmerz und einmal Freude.
Ein geschickter Akrobat kann von Tag zu Tag geschwindere Purzelb?ume schlagen und immer mehr. Das hat aber mit Vervollkommnung oder mit Entwicklung nichts zu tun.
Ein gro?es Herz vermag reicher zu beschenken als die leichteste Hand. Aber wo sind die Bed?rftigen, die solche Gaben dankbar empfingen? Sie wollen es dann lieber nicht wahrhaben, dass sie jemals arm gewesen sind.
Ein Hauch von Zweifel schon macht den Glauben zum Unsinn, ja hebt ihn gewisserma?en auf, w?hrend gelegentliche Anf?lle von Gl?ubigkeit dem Zweifel im Wesentlichen kaum etwas anhaben k?nnen, ja ihn eigentlich erst recht zu best?tigen scheinen.
Ein Haufen von unbeglichenen Rechnungen von solchen, deren Bezahlung man uns schuldig blieb, und solchen, die wir nicht begleichen konnten das ist am Ende die Bilanz unseres Lebens.
Ein neuer Gedanke - das ist meist eine uralte Banalit?t in dem Augenblick, da wir ihre Wahrheit an uns selbst erfahren.
Ein Schicksal mag ?u?erlich abgetan sein, es bleibt immer noch Gegenwart, solange wir es nicht v?llig verstanden haben. Erst wenn es geheimnislos f?r uns wurde, haben wir das Recht, es Vergangenheit zu nennen.
Ein Schlagwort mag noch so albern oder niedertr?chtig sein, es finden sich immer auch leidlich kluge und leidlich anst?ndige Leute, die es mit Vergn?gen nachplappern, wenn es nur gut genug scheint, ihren Nebenmenschen damit etwas am Zeug zu flicken.
Ein tragikomisches Schicksal: sein Leben zerst?rt zu wissen und niemand haben, an dessen Brust man sich dar?ber ausweinen m?chte als allein das Wesen, von dem es zerst?rt wurde.
Eine als Irrtum erkannte Meinung ohne falsche Scham aufzugeben, das ist vielleicht die wunderbarste Kraftersparnis, die unserm Geist geg?nnt ist, und zugleich die, von der wir am seltensten Gebrauch machen.
Eine Frau holt gerne den Rat ihres Mannes ein schon deshalb, um ihn nicht zu befolgen.
Eine Illusion verlieren hei?t, um eine Wahrheit reicher werden. Doch wer den Verlust beklagt, ist auch des Gewinnes nicht wert gewesen.
Eine Reform des Eherechtes ohne eine Reform der Ehe ist vollkommen nutzlos.
Eine so genannte Halbwahrheit, sie mag sich aufspielen, wie sie will, wird niemals eine ganze Wahrheit werden. Ja, wenn wir ihr nur scharf genug ins Auge sehen, so ist sie immer eine ganze L?ge gewesen.
Eine unerl?ssliche Voraussetzung des Dramas ist das Vorhandensein einer bestimmten Weltanschauung und die Annahme gewisser feststehender ethischer Werte.
Eines der st?rksten, jedenfalls aber das kontinuierliche Element in der Beziehung von Mensch zu Mensch ist die Schadenfreude, soweit sie nicht durch pers?nliche Sympathie oder durch gemeinsame Interessen geb?ndigt scheint.
Eitelkeit ist oft nur ein Ausdruck f?r das physiologische Bed?rfnis des Organismus nach Aufmunterung.
Erinnerungsf?lschung, das ist die ohnm?chtige Rache, die unser Ged?chtnis an der Unwiderruflichkeit alles Geschehens nimmt.
Es bedeutet zuweilen einen schlimmeren Betrug an der Geliebten, sie selbst als eine andere in den Armen zu halten.
Es geh?rt mit zu den erotischen Bed?rfnissen mancher Frauen, dass ihre Freundinnen Erlebnisse haben.
Es gibt Frauen, die etwas Elementareres sind als die Erde.
Es gibt keine Art von politischer ?berzeugung im parteim??igen Sinne auch nicht von der ehrlichsten , die nicht mindestens mit einer Wurzel in das durstige Erdreich der Beschr?nktheit hinabreichte.
Es gibt keine erotische Beziehung, in der von den Liebenden die Wahrheit nicht immer gef?hlt und nicht immer wieder jede L?ge geglaubt w?rde.
Es gibt Leute, die alle m?glichen Tugenden in sich vereinigen, nur mit der Einschr?nkung, dass sie alle diese Tugenden auf fremde Kosten ?ben: Sie sind verschwenderisch aus den Taschen anderer, mutig auf anderer Gefahr und klug mit anderer Geiste.
Es gibt nur wenige Menschen, die dem wahren Egoisten antipathisch sind: diejenigen, die er beinahe lieben k?nnte.
Es ist als Tugend auszurufen, dass sich Menschen zusammengeh?rig f?hlen - das war der geniale Einfall eines M?chtigen, der eine Garde brauchte.
Es ist dem Dichter unbenommen, die Freiheit hei?er zu lieben als den Held, den er gestaltet. Aber wehe ihm, wenn von diesem ?berfluss eigener Liebe auch nur ein Tropfen in seines Helden Worte ?berstr?mt.
Es ist dem Menschen eingeboren, dass er in dem Ungl?ck, das einen andern betrifft, ein m?glichst hohes Ma? von Selbstverschuldung, im eigenen aber nichts als Verh?ngnis zu finden trachtet.
Es ist die schlimmste Verschwendung an Geist und Herz, Gegner zu ?berzeugen suchen, die gar nicht daran denken, ihrer Ansicht zu sein.
Es ist immer noch besser, wenn sich zwei Menschen ?ber den tiefen Abgrund ewiger Fremdheit hin k?hl die H?nde reichen, als wenn sie einander ?ber den tr?gerischen Wirbeln des Verstehens ger?hrt in die Arme sinken.
Es ist keine H?flichkeit, einem Lahmen den Stock tragen zu wollen.
Es ist noch nicht entschieden, was t?richter ist: seine Geliebte zu seiner Frau oder seine Frau zu seiner Geliebten zu machen.
Es ist schwer zu entscheiden, wann sich die Dummheit in Schurkerei und wann sich die Schurkerei in Dummheit verkleidet hat. Darum wird es immer schwer sein, die Politiker gerecht zu beurteilen.
Es ist ?bel in der Welt eingerichtet, dass auch die gr??ten K?nstler nur zeitweise ihr ganzes Genie zur Verf?gung haben, dass sich aber auch die kleinsten Schurken im ununterbrochenen Besitz ihres Charakters haben.
Es ist ziemlich geschmacklos, von der Treulosigkeit seiner Geliebten zu sprechen. Aber taktloser noch ist es, ?ber ihre Treue zu witzeln.
Es liegt im Wesen der Politik, dass sie durchaus zweckhaft gerichtet sein muss, dass also ethische Motive, so h?ufig solche auch vorgesch?tzt werden, ?berhaupt nicht infrage kommen d?rfen.
Es liegt im Wesen der Revolutionen, dass sie von Pedanten missverstanden, von B?sewichtern missbraucht und von der Masse als Schicksal hingenommen werden.
Es st?nde besser in der Welt, wenn nicht jeder Fromme sich an Seelenadel ?ber den Zweifler, nicht jeder Zweifler an Klugheit ?ber den Frommen sich erhaben f?hlte. Auch der Zweifler kann ein Dummkopf, der Fromme ein Schuft sein - und beide - beides.
