Zitat von Johann Scheffler
Ist deine Seele Magd und wie Maria rein, So muss sie augenblicks von Gotte schwanger sein.
Ja, wer ein Adler ist, der kann sich wohl erschwingen Und über Seraphim durch tausend Himmel dringen.
Je edeler ein Ding, je mehr ist es gemein: Das spüret man an Gott und seiner Sonnen Schein.
Je edler ist ein Ding, je mehr ist es gemein: Das spüret man an Gott und seiner Sonne Schein.
Kein Stäublein ist so schlecht, kein Stüpfchen ist so klein, Der Weise siehet Gott ganz herrlich drinne sein.
Lieb' ist der Weisen Stein: Sie scheidet Gold aus Kot, Sie machet Nichts zu Ichs und wandelt mich zu Gott.
Lieb' üben, hat viel Müh', wir sollen nicht allein Nur lieben, sondern selbst, wie Gott, die Liebe sein.
Man red't von Zeit und Ort, von Nun und Ewigkeit: Was ist dann Zeit und Ort und Nun und Ewigkeit?
Man sagt, Gott mangelt nichts, er darf nicht unsrer Gaben, Ist's wahr, was will er dann mein Herze haben?
Mein Geist, der trägt den Leib, der Leib, der trägt ihn wieder, lässt eins vom andern ab, so fall'n sie beide nieder.
Mein Gott, wie mag das sein: Mein Geist, die Nichtigkeit, Sehnt zu verschlingen dich, den Raum der Ewigkeit.
Mensch werde wesentlich: denn wenn die Welt vergeht so fällt der Zufall weg, das Wesen das besteht.
Mensch, alles, was du willst, ist schon zuvor in dir, Es lieget nur an dem, dass du's nicht wirkst herfür.
Mensch, bist du Gott getreu und meinest ihn allein, So wird die größte Not ein Paradeis dir sein.
Mensch, bleib doch nicht ein Mensch! Man muss aufs Höchste kommen, Bei Gott werden nur die Götter angenommen.
Mensch, in dem Ursprung ist das Wasser rein und klar, Trinkst du nicht aus dem Quell, so stehst du in Gefahr.
Mensch, ist was Gut's in dir, so maße dich's nicht an! Sobald du dir's schreibst zu, so ist der Fall getan.
Mensch, nichts ist unvollkomm'n, der Kies gleicht dem Rubin, Der Frosch ist ja so schön als Engel Seraphin.
Mensch, so du willst das Sein der Ewigkeit aussprechen, So musst du dich zuvor des Redens ganz entbrechen.
Mensch, suchst du Gott um Ruh, so ist dir noch nicht recht, Du suchest dich, nicht ihn, bist noch nicht Kind, nur Knecht.
Mensch, wickle dich in Gott, verbirg dich in sein Licht: Ich schwöre dir beim Ja, der Teufel sieht dich nicht.
Mensch, wirst du nicht ein Kind, so gehst du nimmer ein, Wo Gottes Kinder sind: die Tür ist gar zu klein.
Mensch, wo du noch was bist, was weißt, was liebst und hast, So bist du, glaube mir, nicht ledig deiner Last.
Nicht du bist in dem Ort, der Ort, der ist in dir, Wirfst du ihn aus, so steht die Ewigkeit schon hier.
Nichts dau'ret ohn' Genuss, Gott muss sich selbst genießen, Sein Wesen würde sonst wie Gras verdorren müssen.
Nichts ist als ich und du, und wenn wir zwei nichts sein, So ist Gott nicht mehr Gott und fällt der Himmel ein.
Nichts ist dem Nichts so gleich als Einsamkeit und Stille, Deswegen will sie auch, so er was will, mein Wille.
Nichts ist, das dich bewegt, du selber bist das Rad, Das aus sich selbsten läuft und keine Ruhe hat.
Rein wie das feinste Gold, fest wie ein Felsenstein, Ganz lauter wie Kristall soll dein Gemüte sein.
Ruh' ist das höchste Gut, und wäre Gott nicht Ruh, Ich schlösse für ihn selbst mein' Augen beide zu.
Verwundre dich nicht, Freund, dass ich auf nichts mag sehn: Ich muss mich allezeit nach meiner Sonne drehn.
Wann du gestorben bist, so scheinet dir von Not, Mein Mensch, die ganze Welt und all's Geschöpfe tot.
Warum wird Seraphin von Gotte mehr geliebt Als eine Mück'? Es ist, dass er sich mehr ergibt.
Weg, weg, ihr Seraphim, ihr könnt mich nicht erquicken! Weg, weg, ihr Engel all und was an euch tut blicken! Ich will nun euer nicht, ich werfe mich allein ins ungeschaffne Meer der bloßen Gottheit ein.
Wenn du dein Schiffelein aufs Meer der Gottheit bringst, Glückselig bist du dann, so du darin ertrinkst.
Wenn ich die Lauterkeit durch Gott geworden bin, So wend' ich mich, um Gott zu finden, nirgends hin.
Wer etwas in der Welt mag süß und lieblich nennen, / Der muss die Süßigkeit, die Gott ist, noch nicht kennen.
Wer Gott vereinigt ist, den kann er nicht verdammen, Er stürze sich dann selbst mit ihm in Tod und Flammen.
Wer mir Vollkommenheit, wie Gott hat, ab will sprechen, Der müsste mich zuvor von seinem Weinstock brechen.
Wer sich nicht mit der Frucht, die Gott verboten, speist, Wird aus dem Paradeis nicht einen Tritt verweist.
Wie magst du was begehr'n? Du selber kannst allein Der Himmel und die Erd und tausend Engel sein.
Willst du den neuen Menschen kennen, So frage Gott zuvor, wie er pfleget sich zu nennen.
Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, So du nur selber nicht machst einen Unterscheid.
Zwei Augen hat die Seel: eines schauet in die Zeit, das andere richtet sich hin in die Ewigkeit.
Bl?h auf, gefrorner Christ, der Mai ist vor der T?r, Du bleibest ewig tot, bl?hst du nicht jetzt und hier.
Dafern der Teufel k?nnt' aus seiner Seinheit geh'n, So s?hest du ihn stracks in Gottes Throne steh'n.
Dafern mein Will' ist tot, so muss Gott, was ich will: Ich schreib' ihm selber f?r das Muster und das Ziel.
Das Brot ern?hrt dich nicht: Was dich im Brote speist, Ist Gottes ew'ges Wort, ist Leben und ist Geist.
Das edelste Gebet ist, wenn der Beter sich In das, vor dem er kniet, verwandelt inniglich.
Das gr??te Wunderding ist doch der Mensch allein, er kann, nachdem er's macht, Gott oder Teufel sein.
Das Himmelreich wird leicht erobert und sein Leben, Belag're Gott mit Lieb', er muss dir's ?bergeben.
Das Licht der Herrlichkeit scheint mitten in der Nacht. Wer kann es sehn? Der Augen hat und wacht.
Das Licht gibt allem Kraft, Gott selber lebt im Lichte, Doch w?r' er nicht das Feu'r, so w?rd' es bald zunichte.
Das Tr?pflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen, die Seele Gott, wenn sie in Gott aufgenommen.
Das Wesen Gottes macht sich keinem Ding gemein Und muss doch notwendig auch in den Teufeln sein.
Dass dir im Sonneseh'n vergehet das Gesicht. Sind deine Augen schuld und nicht das gro?e Licht.
Den Himmel w?nsch' ich mir, lieb' aber auch die Erden, Denn auf derselbigen kann ich Gott n?her werden.
Den S?nder, welcher sich nicht ewig wend't von Gott, kann Gott auch nicht verdammn zur ew'gen Pein und Not.
Der Abgrund meines Geists ruft immer mit Geschrei Den Abgrund Gottes an, sag, welcher tiefer sei?
Der Himmel ist in dir und auch der H?llen Qual: Was du erkiest und willst, das hast du ?berall.
Der Himmel senket sich, er kommt und wird zur Erden, Wann steigt die Erd' empor und wird zum Himmel werden?
Der Mensch ist alle Ding', ist's, dass ihm eins gebricht, So kennet er f?rwahr sein' Reichtum selber nicht.
Der n?chste Weg zu Gott ist durch der Liebe T?r, Der Weg der Wissenschaft bringt dich gar langsam f?r.
Der Tod, aus welchem nicht ein neues Leben bl?het, Der ist's, den meine Seel' aus allen T?den fliehet.
Der Weise, welcher sich hat ?ber sich gebracht, Der ruhet, wenn er l?uft, und wirkt, wenn er betracht't.
Die Einfalt ist so wert, dass, wann sie Gott gebricht, So ist er weder Gott, noch Weisheit, noch ein Licht.
Die Einsamkeit ist Not, doch sei nur nicht gemein, So kannst du ?berall in einer W?sten sein.
Die ew'ge Gottheit ist so reich an Rat und Tat, dass sie sich selbst noch nie ganz ausgeforschet hat.
Die Ewigkeit ist uns so innig und gemein, Wir woll'n gleich oder nicht, wir m?ssen ewig sein.
Die Gottheit ist ein Brunn', aus ihr kommt alles her Und l?uft auch wieder hin, drum ist sie auch ein Meer.
Die Heil'gen sind so viel von Gottes Gottheit trunken, So viel sie sind in ihm verloren und versunken.
Die Hoffnung ist ein Seil, k?nnt ein Verdammter hoffen, Gott z?g ihn aus dem Pfuhl, in dem er ist ersoffen.
Die Lieb' ist unser Gott, es lebet all's durch Liebe, Wie selig w?r ein Mensch, der stets in ihr verbliebe.
Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein: Je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.
Die Menschheit ist's, die man im Menschen lieben soll.
Die Ros' ist ohn' Warum, sie bl?het, weil sie bl?het, Sie achtt nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.
Die Schrift ist Schrift, sonst nichts. Mein Trost ist Wesenheit, Und, dass Gott in mir spricht das Wort der Ewigkeit.
Die Seele, die nichts sucht, als eins mit Gott zu sein, Die lebt in steter Ruh' und hat doch stete Pein.
Die Sonn' erregt all's, macht alle Sterne tanzen, Wirst du nicht auch bewegt, so g'h?rst du nicht zum Ganzen.
Die S?nd' ist anders nicht, als, dass ein Mensch von Gott Sein Angesicht abwend't und kehret sich zum Tod.
Die Welt ist mir zu eng, der Himmel ist zu klein: / Wo wird doch noch ein Raum f?r meine Seele sein?
Dort in der Ewigkeit geschieht alles zugleich, Es ist kein Vor und Nach wie hier im Zeitenreich.
Du bist der Babel selbst: Gehst du nicht aus dir aus, So bleibst du ewiglich des Teufels Polterhaus.
Du selbst machst die Zeit, das Uhrwerk sind die Sinnen, Hemmst du die Unruh nur, so ist die Zeit von hinnen.
Du sprichst: Versetze dich aus Zeit in Ewigkeit! Ist dann an Ewigkeit und Zeit ein Unterscheid?
Ein grundgelassner Mensch ist ewig frei und ein: Kann auch ein Unterschied an ihm und Gotte sein?
Ein Kampfplatz ist die Welt: das Kr?nzlein und die Kron' Tr?gt keiner, der nicht k?mpft, mit Ruhm und Ehr' davon.
Ein Ungrund ist zwar Gott, doch wem er sich soll zeigen, Der muss bis auf die Spitz' der ew'gen Berge steigen.
Entschulde dich durch Gott: Die Unschuld bleibt bewehrt Und wird in Ewigkeit durch keine Glut verzehrt.
Es d?nkt mich leichter sein, in Himmel sich zu schwingen, Als mit der S?nden M?h' in Abgrund einzudringen.
Es ist zwar wahr, dass Gott sich selig machen will, / Glaubst du, er will's ohn' dich, so glaubest du zu viel.
