Zitat von Erasmus Von Rotterdam


In jeder Kunst gibt es Regeln, und nur für die Weise, glücklich zu leben, soll es keine Ratschläge geben?
Je mehr du das Unsichtbare bewunderst, desto wertloser werden die wandelbaren und augenblicklichen Dinge.
Je weniger wir die Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen.
Kein Feind siegt öfter als der, dem man keine Beachtung schenkt.
Kein Tier ist wild, dass es der Mensch nicht zähmen könnte.
Keiner ist kühner als der, der den Teufel besiegt.
Liebe ist Verblendung des Sinnes, ein Feuer des Herzens, glühender als der Ätna.
Mag auch die Schönheit des Körpers den Augen gefallen, so überlege dir doch, wie ehrsam die Anmut der Seele ist. Ein entstelltes Gesicht erscheint uns unangenehm, denke daran, wie hässlich ein von Lastern entstelltes Gemüt ist.
Man soll keineswegs Waffen und Weisheit der Heiden verachten.
Manche Laster lassen mit dem Alter nach, andere werden ärger.
Manche Leidenschaften sind den Tugenden so nahe, dass wir Gefahr laufen, durch den geringen Unterschied getäuscht zu werden.
Nicht das Geräusch der Lippen, sondern das glühende Gelübde des Herzens gewinnt gleich einer hellen, lauteren Stimme die Ohren Gottes.
Niemand ist weiter von der wahren Religion entfernt, als wer sich selbst für sehr religiös hält.
Ob ein fröhliches Mahl überhaupt ohne Frauen denkbar ist, lasse ich unentschieden. Ich führe nur die Tatsache an, dass jeder Schmaus, der durch die Torheit nicht belebt wird, der lieblichsten Würze entbehrt.
Prüfen wir auch das, was die Weit Ruhm, Schimpf und Schande nennt. Du wirst gelobt. Weswegen und von wem? Wenn schändlicher Dinge wegen und von schändlichen Leuten, so ist dieser Ruhm falsch und in Wahrheit Schande.
Und wenn die ganze Welt ausnahmslos unsinnig wäre, die Elemente sich verkehrten, die Engel abfielen die Wahrheit kann nicht lügen.
Unnatürlich wäre es, ewig ein Kind zu sein, allzu bequem, schwach zu bleiben.
Unter allen Unnatürlichkeiten ist nichts widerlicher als die Begierde des Greises.
Von den Schlechten verlacht zu werden, ist fast ein Lob.
Wahrer Adel ist es, den nichtigen Adel zu verachten.
Was in der Natur liegt, gilt nicht als Verdienst.
Was ist das Leben anders als eine Komödie oder ein Schauspiel, wo einer in dieser, der andere in einer anderen Maske auftritt und seine Rolle spielt, bis ihn sein Prinzipal wieder abtreten heißt.
Was ist es denn für eine verkehrte Weisheit, in nichtigen Dingen, ja in der Bosheit erfahren und gewitzt zu sein, in dem aber, was allein zu unserem Heil gehört, nicht verständiger zu sein als das Vieh!
Was ist nun aber das Leben, oder besser: Ist das überhaupt ein Leben, wenn man sich daraus die Lust wegdenkt?
Was nützt es, dass der Körper abgewaschen worden ist, solange der Geist befleckt bleibt?
Wer dem Laster dient, der gibt sich dem Teufel gefangen.
Wer wird schon einen scheinbar ruhmreichen Kampf wagen, wenn ihm der Tod droht?
Wir bewaffnen unseren Körper, um nicht den Dolch des Mörders fürchten zu müssen. Sollen wir nicht auch das Gemüt so schützen, dass es in Sicherheit ist?
Wird der einen anderen lieben, der sich selber hasst?
Wo ein unglückliches Gewissen sich abplagt, fehlt keine Mühsal.
Das reine Gebet leitet unsere Neigung zum Himmel wie zu einer dem Feind unzug?nglichen Burg.
Dem Leibe nach ?bertreffen wir das Geschlecht der Tiere keineswegs, wir sind ihm vielmehr an allen seinen Gaben unterlegen.
Denn nichts ist so gef?hrlich wie das, was der Tugend ?hnelt.
Denn nichts ist t?richter als das gemeine Volk, und es soll daher der Obrigkeit gehorchen, aber nicht selbst die Verwaltung f?hren wollen.
Der Besitz verschafft Freunde, das gebe ich zu, aber falsche, und er verschafft sie nicht dir, sondern sich.
Der Geist hebt uns zum Himmel, das Fleisch dr?ckt uns nieder zur H?lle.
Der Geist l?sst uns zu G?ttern werden, das Fleisch zu Tieren.
Der Geist strebt nach dem Himmlischen, das Fleisch nach dem Angenehmen, die Seele nach dem Notwendigen.
Der K?rper kann ohne den Geist nicht bestehen, aber der Geist bedarf nicht des K?rpers.
Der Mensch neigt zum Laster, und ein verderbliches Beispiel greift sogleich ?ber, so wie Feuer nach ?l leckt.
Der Umgang mit B?chern f?hrt zum Wahnsinn.
Derjenige, der sich auf einen Weg ordentlich vorbereitet hat, hat schon einen guten Teil des verschlungenen Pfades hinter sich gebracht.
Die Allgemeinheit war ja wohl immer schon der schlechteste Lehrer f?r das Leben und F?hlen. Und niemals stand es so gut um die menschlichen Dinge, dass nicht der gro?en Menge gerade das Schlechteste gefiel.
Die Anmut des K?rpers rei?t dich hin. Warum begehrst du nicht mehr nach der verborgenen Sch?nheit?
Die Blindheit des Nichtwissens verdunkelt wie durch eine Wolke das Urteil der Vernunft.
Die Krankheit des K?rpers wird ertr?glicher, wenn du bedenkst, dass sie ein Heilmittel f?r die Seele ist.
Die Sanftmut macht uns empf?nglich f?r den g?ttlichen Geist.
Die Wollust zu b?ndigen, ist Tugend, und nicht: keine zu empfinden.
Die Zahl der Dummen und Einf?ltigen ist ?berall sehr gro?.
Doch der Mensch f?hrt nicht mit dem Menschen Krieg, sondern mit sich selbst, und gerade aus dem eigenen Inneren f?llt uns die feindliche Schlachtreihe an.
Du siehst, dass dein Bruder Ungerechtigkeit leiden muss, aber dein Herz r?hrt sich nicht, wenn nur deine Habe unversehrt ist. Warum f?hlt deine Seele hier nichts? Doch offenbar, weil sie tot ist.
Du triffst Vorsorge f?r das Alter, damit dem K?rper nichts fehle. Solltest du dir nicht Gedanken dar?ber machen, ob der Seele etwas fehlt?
Du verehrst die Heiligen, du freust dich, ihre Reliquien zu ber?hren. Doch du verachtest das Beste, was sie ?berliefert haben: das Beispiel des reinen Lebens.
Eng ist der Weg der Tugend, und nur ganz wenige gehen ihn, aber kein anderer f?hrt zum Leben.
Es gibt gewisse Irrt?mer, die man mit geringerem Schaden verschweigt als zu beseitigen trachtet.
Es gibt gewisse Krankheiten des K?rpers, die mit geringerem Schaden ertragen als beseitigt werden.
Es gibt nichts K?hneres als Selbst?berwindung.
Es gibt zu viele Sorten von Menschen, als, dass man f?r alle fertige Antworten bereithalten k?nnte.
Es ist auch nicht entscheidend, wie viel du s?ndigst, sondern mit welcher Leidenschaft es geschieht.
Es ist unedel, der Wohltaten zu vergessen, des geringen Unrechts aber zu gedenken.
Es ist zwar erlaubt, die Wahrheit zu sagen, sie n?tzt aber nicht bei allen, nicht zu jeder Zeit und nicht auf jede Weise.

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