Zitat von Antoine Comte De Rivarol


In einer Armee drückt die Ordnung wie ein Schild, nicht wie ein Joch.
In jedem Staat haben die Grenzstädte weniger Freiheit als die Städte im Innern des Landes: In solchem Grad kommt die Sicherheit vor der Freiheit.
In letzter Zeit konnte man bei Hofe in Frankreich sein Glück nur machen, wenn man es verstand, auf anziehende Weise lächerlich zu werden, oder sich erträglich machte durch völlige Bedeutungslosigkeit.
In Menschen wie in der Sprache Ist alles Beziehung.
Ist das Volk aufgeklärter als der Thron, so ist es der Revolution sehr nahe. Dies geschah 1789, als die Finsternis über den Thron hereinbrach inmitten der Aufklärung.
Ist ein Mensch wertvoller als sein Besitz, so muss er arm sein, darum scheinen die Reichen so wenig zu gelten, und daher die Vorliebe der Philosophen für die Armen.
Jedermann ist begierig, endlich Ruhe zu finden, aber manche Menschen sind so träge, dass sie das Endziel an den Anfang stellen.
Jemand, dem das Schreiben zur zweiten Natur geworden ist, schreibt oft ideenlos, vergleichbar jenem alten Arzt, der im Sterben seinem Lehnstuhl den Puls fühlte.
Jetzt ist es so sehr Mode, den Fürsten Schlechtes nachzusagen, dass man in den Ruf besonderer Kennerschaft gerät, wenn man sie lobt.
Krieg ist das Tribunal der Könige, und Siege sind seine Urteilssprüche.
Leider gibt es Tugenden, die man nur ausüben kann, wenn man reich ist.
Man braucht den Appetit des Armen, um das Vermögen des Reichen zu genießen, den Geist eines Privatmanns, um wie ein König zu leben.
Man hat Vermögen ohne Glück wie Frauen ohne Liebe.
Man kann die Tiere in geistvolle und begabte Personen einteilen: Hund und Elefant zum Beispiel sind geistreiche, Nachtigall und Seidenwurm begabte Leute.
Man muss deutlich zwischen der arithmetischen und der politischen Mehrheit eines Staates unterscheiden.
Man soll in der Moral nicht die Tugend in gleichgültigen Handlungen Fasten, Büßerhemden, Kasteiungen sehen wollen, all das kann den anderen Menschen nichts nützen.
Man verdirbt das unschuldige Kind mit freien Reden, und eine zarte Liebe verführt die galante Frau: beides durch den Reiz des Ungewohnten.
Man wundert sich über gar nichts, wenn man sich über alle wundert: das ist der Zustand der Kindheit.
Manche Leute haben von ihrem Vermögen nur die Furcht, es zu verlieren.
Meine Arbeit am Wörterbuch der Akademie erinnert mich an die eines Arztes, der seine Geliebte sezieren muss.
Mit den Worten Ordnung und Freiheit wird man das Menschengeschlecht immer wieder von der Despotie zur Anarchie und von der Anarchie zur Despotie führen.
Mit der Person der Könige verhält es sich wie mit Götterstatuen: Die ersten Schläge gelten dem Gott selbst, die letzten fallen nur mehr auf entstellten Marmor.
Nachsicht mit denen, die man kennt, ist im Allgemeinen seltener als Mitleid mit denen, die man nicht kennt.
Neid, der spricht und lärmt, ist immer ungeschickt, fürchten muss man den verschwiegenen Neid.
Nichts ist so abscheulich wie Reichtum ohne Tugend.
Praktische Regel: Niemals Bücher an Frauen verleihen, es sei denn, man hätte sie hinter Schloss und Riegel.
Recht ist Eigentum, das sich auf die Macht stützt. Mit der Macht wird auch das Recht hinfällig.
So wie unser Auge getroffen wird durch die Bilder der Gegenstände und nicht durch die Gegenstände selber, so ist unsre Seele berührt von Meinungen über die Dinge und nicht durch die Dinge selber.
Trägheit ist bei manchen Geistern nichts als Überdruss am Leben, bei anderen Verachtung des Lebens.
Um etwas zu gelten in dieser Welt, muss man tun, was man kann, was man soll und was sich schickt.
Unter den Bösartigen, die alles Böse, das sie nicht bestimmt wissen, unbesonnen sagen, gibt es besonnene Freunde, die vorsichtig verschweigen, was sie wissen.
Unter zehn Personen, die über uns sprechen, sagen uns neun Böses nach, und die einzige, die Gutes sagt, sagt es schlecht.
Verachtung muss das geheimste unserer Gefühle sein.
Vergleichbar den fahrenden Rittern, die sich eine eingebildete Geliebte nahmen und so vollkommen sich ausmalten, dass sie sie immer suchten, ohne sie zu finden, haben bedeutende Menschen immer nur eine Theorie der Freundschaft gehabt.
Völlige Sicherheit, stets geheiligtes Eigentum eines jeden über seine Person und sein Vermögen, darin besteht die wahre soziale Freiheit.
Wenn die Leute vom Hof feiner denken und sich feiner ausdrücken können als andere, so liegt das daran, dass sie bei Hofe immerfort gezwungen sind, ihre Gedanken und Gefühle zu verbergen.
Wenn man vor den Deutschen Geist zeigt, so bemühen sie sich zu verstehen, und es gelingt ihnen erst, nachdem sie sich durch Blicke besprochen haben. Sie tun sich zusammen, um ein Bonmot zu begreifen.
Wer das Alphabet erschaffen hat, hat uns den Faden unserer Gedanken und den Schlüssel der Natur in die Hand gegeben
Wer Wunder fordert, vergisst, dass er der Natur die Unterbrechung der ihren zumutet.
Wir leben in einer Zeit, wo Verborgenheit mehr schützt als das Gesetz und sicherer macht als Unschuld.
Zerstreuungen kommen von einer großen Leidenschaft oder von einer großen Fühllosigkeit.
Zu Beginn der Revolution sagte die Minderheit zur Mehrheit: Ordne dich unter!, und dann die Mehrheit zur Minderheit: Seien wir gleich! Das hat sich inzwischen furchtbar gerächt.
Zu einem frommen Fürsten gehört ein Beichtvater als Staatsmann.
Zu plötzliches Auftreten in der Literatur wird nicht geschätzt. Der strahlendste Ruhm braucht sein Morgengrauen.
Aus Vertraulichkeit entsteht die zarteste Freundschaft und der st?rkste Hass.
Au?ergew?hnliche Geister legen oft gro?en Wert auf Allt?gliches und Vertrautes, durchschnittliche Geister sch?tzen und suchen nur das Au?erordentliche.
Da die Grammatik die Kunst sein soll, die Schwierigkeiten einer Sprache zu l?sen, darf der Hebel nicht schwerer sein als die Last.
Da die Philosophie die Frucht langer ?berlegung und das Resultat eines ganzen Lebens ist, so kann und soll sie niemals dem Volk geboten werden, das immer am Anfang des Lebens steht.
Das Gesetz ist die Vereinigung von Einsicht und Macht. Das Volk gibt die Macht, die Regierung die Einsicht.
Das Schicksal will, dass die gro?en Begabungen f?r gew?hnlich eher Rivalen als Freunde sind, sie wachsen und leuchten f?r sich aus Furcht, einander zu beschatten. Die Schafe m?ssen sich zusammenrotten, aber die L?wen leben f?r sich allein.
Das Volk braucht anschauliche, und nicht begriffliche Wahrheiten.
Das Volk spendet seine Gunst, niemals sein Vertrauen.
Das Wort »teuer« hat etwas Sanftes und Niedriges: Es ist der Ausdruck der Liebe und des Geizes und scheint zu besagen, dass, was die B?rse angeht, das Herz angeht.
Der Bescheidene hat alles zu gewinnen, der Stolze alles zu verlieren: Denn die Bescheidenheit hat es immer mit dem Edelmut und der Stolz mit dem Neid zu tun.
Der M?rtyrer einer alten Religion gleicht einem Starrsinnigen, der einer neuen einem Erleuchteten.
Der Mensch befindet sich niemals im Besitz uneingeschr?nkter Freiheit, sondern er besitzt nur eine zweiter Ordnung, zum Beispiel steht es ihm frei, das oder das zu essen, nicht aber, ?berhaupt nicht zu essen.
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Feuer machen kann, und das hat ihm die Herrschaft ?ber die Welt gegeben.
Der Ungl?ubige t?uscht sich ?ber das jenseitige, der Gl?ubige oft ?ber das diesseitige Leben.
Die Adligen von heute sind nur die Gespenster ihrer Vorfahren.
Die Buchdruckerkunst ist die Artillerie des Denkens.
Die Dummk?pfe sollten den geistreichen Leuten mit ebenso viel Misstrauen begegnen, wie sie Verachtung f?r sie hegen.
Die Eigenliebe, in der Liebe oder im Ungl?ck, bittet immer ungeschickt: Sie spricht zu der geliebten Person von sich selbst und zu der Macht, die sie anfleht, von erwiesenen Diensten statt von empfangenen Wohltaten.
Die Erinnerung begn?gt sich mit Teppichen, aber die Phantasie umgibt sich mit Gobelinbeh?ngen.
Die Erinnerung steht immer dem Herzen zu Diensten.
Die Gesetze der Natur sind wunderbar, aber ihr R?derwerk zermalmt viele Insekten wie die Regierungen viele Menschen.
Die herrliche F?higkeit des Geistes zur Bildung von Sammelbegriffen ist die Wurzel fast aller seiner Irrt?mer gewesen.
Die Herrscher d?rfen niemals vergessen, dass die Regierung immer Vater sein muss, da das Volk immer Kind ist.
Die Kunst soll sich ein Ziel geben, das stets zur?ckweicht.
Die Liebe ist ein Raub der Natur an der Gesellschaft.
Die Liebe, die in St?rmen lebt und oft in den Armen der Treulosigkeit w?chst, widersteht nicht immer dem Frieden der Treue.
Die meisten unserer Gottlosen sind nur rebellische Fr?mmler.
Die ?ffentliche Meinung muss man mit ihren eigenen Waffen angreifen, man schie?t nicht mit Gewehren auf Ideen.
Die Philosophen sind eher Anatomen als ?rzte, sie zerlegen und heilen nicht.
Die Politik gleicht der Sphinx der Fabel: Sie verschlingt alle, die ihre R?tsel nicht l?sen.
Die politischen Gemeinwesen fangen immer wieder von vorn an, sie leben nur von Heilmitteln.
Die Schl?ge der k?niglichen Autorit?t sind wie Blitzschl?ge, die nur einen Augenblick dauern, aber die Revolutionen der V?lker sind wie Erdbeben, deren Ersch?tterungen auf unermessliche Entfernungen hin wirken.
Die Souver?nit?t ist die bewahrende Macht. Es kann Souver?nit?t nur geben, wo Macht ist.
Die Sprache ist ein Instrument, dessen Federn man nicht ?beranstrengen darf.
Die Vernunft besteht aus Wahrheiten, die man sagen, und aus solchen, die man verschweigen muss.
Die Vernunft erz?hlt Geschichten, aber die Leidenschaften dr?ngen zur Tat.
Die Visionen haben einen gl?cklichen Instinkt und kommen nur denen, die an sie glauben m?ssen.
Die zivilisiertesten V?lker sind der Barbarei so nahe wie das geschliffenste Eisen dem Rost. V?lker wie Metalle gl?nzen nur an der Oberfl?che.
Ehrgeiz und Lust sprechen oft dieselbe Sprache.
Ein B?rger wird den Vergleich mit einem Schuhflicker mit weniger Verdrossenheit hinnehmen als ein Adliger den Vergleich mit einem B?rger.
Ein gro?es Volk im Aufruhr kann nichts als Hinrichtungen vollziehen.
Ein Volk ohne Land und ohne Religion m?sste zugrunde gehen, wie Antaios schwebend zwischen Himmel und Erde.
Ein wahrer Philosoph erreicht allein durch die Vernunft, was dem Durch schnitt der Menschen erst durch die Wohltat der Zeit zuteil wird.
Ein wahrer Philosoph verzeiht seinen Mangel an Verm?gen der Gesellschaft mit derselben Ruhe, mit der ein reicher Bankier der Natur einen Mangel an Geist nachsieht.
Ein Weiser ist in Religionsfragen weder abergl?ubisch noch gottlos.
Eine Regierung w?re vollkommen, die der Vernunft so viel Macht verleihen k?nnte wie der Macht Vernunft.
Es gibt nur eine Moral, wie es nur eine Mathematik gibt, diese beiden Worte haben keine Mehrzahl. Die Moral ist die Tochter der Gerechtigkeit und des Gewissens eine universale Religion.
Es ist ein Zeichen gro?er Schw?che, sich zu emp?ren gegen unvermeidliche ?bel, und die hinzunehmen, die man vermeiden kann. Was soll man sagen zu einem Menschen, der gegen das schlechte Wetter aufbegehrt und Beschimpfungen ruhig hinnimmt?

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