Zitat von Rainer Maria Rilke


Jugend ist nur Erinnerung an einen, der noch nicht kam.
Just ging ein Glück vorüber, als ich schlief, und wie ich träumte, hört ich nicht: es rief.
Kürzer sind die Gebete im Bett. Aber inniger.
Maria, du weinst ich weiß. Und da möcht ich weinen Zu deinem Preis. Mit der Stirne auf Steinen weinen.
Mir war so bang, und du kamst lieb und leise, Ich hatte grad im Traum an dich gedacht. Du kamst, und leis' wie eine Märchenweise Erklang die Nacht.
Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen, / um Beifall bettelt und um Würde wirbt, / und endlich arm ein armes Sterben stirbt / im Weihrauchabend gotischer Kapellen, nennt ihr das Seele?
Nie kann ganz die Spur verlaufen einer starken Tat.
Niemals bin ich allein. Viele, die vor mir lebten Und fort von mir strebten, Webten, webten An meinem Sein.
O gäb's doch Sterne, die nicht bleichen, / wenn schon der Tag den Ost besäumt, von solchen Sternen ohnegleichen hat meine Seele oft geträumt.
O Herr, gib jedem seinen eignen Tod. Das Sterben, das aus jenem Leben geht, darin er Liebe hatte, Sinn und Not.
Ob wir im Traum nicht manchmal älter sind?
Oh Menschenherz, was ist Dein Glück? Ein rätselhaft geborener und, kaum gegrüßt, verlorener, unwiederholter Augenblick.
Ruhm ist nichts weiter als die Summe der Missverständnisse, die sich um einen Namen sammeln.
Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit, in der die Welten weite Wege reisen, mir ist: Ich trage ein Stück Ewigkeit / in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit und will hinauf und will mit ihnen kreisen... / Und das ist Seele.
Sing nicht, sing nicht, du fremder Mann: Es wird mein Leben sein. Du singst mein Glück und meine Müh, mein Lied singst du und dann: Mein Schicksal singst du viel zu früh, so dass ich, wie ich blüh und blüh, es nie mehr leben kann.
So wie ein Traum scheint's zu beginnen, Und wie ein Schicksal geht es aus.
Tod ist, wenn einer lebt und es nicht weiß.
Träume, die in deinen Tiefen wallen, aus deinem Dunkel lass sie alle los. Wie Fontänen sind sie, und sie fallen lichter und in Liederintervallen ihren Schalen wieder in den Schoß.
Um eines Verses willen muss man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muss die Tiere kennen, man muss fühlen, wie die Vögel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen.
Und dann meine Seele sei weit, sei weit, /, dass dir das Leben gelinge, Breite dich wie ein Federkleid Über die sinnenden Dinge.
Und das ist das Leben. Bis aus einem Gestern die einsamste von allen Stunden steigt, die, anders lächelnd als die andern Schwestern, dem Ewigen entgegenschweigt.
Und das sind die Wünsche: leise Dialoge Täglicher Stunden mit der Ewigkeit.
Und eine Linde ist mein Lieblingsbaum, und alle Sommer, welche in ihr schweigen, rühren sich wieder in den tausend Zweigen und wachen wieder zwischen Tag und Traum.
Und keine Kirchen, welche Gott umklammern Wie einen Flüchtling und ihn dann bejammern Wie ein gefangenes und wundes Tier, Die Häuser gastlich allen Einlassklopfern Und ein Gefühl von unbegrenztem Opfern In allem Handeln und in dir und mir.
Und so, mein Liott, ist jede Nacht, Immer sind welche aufgewacht, Die gehn und gehn und dich nicht finden.
Und wir sind ganz allein im Garten, Drin die Blumen wie Kinder stehn, Und wir lächeln und lauschen und warten, Und wir fragen uns nicht, auf wen.
Unser Wille ist nur der Wind, der uns drängt und dreht, weil wir selber die Sehnsucht sind, die in Blüten steht.
Weltenweiter Wandrer, Walle fort in Ruh, Also kennt kein andrer Menschenleid wie du.
Wenn arme Leute nachdenken, soll man sie nicht stören.
Wenn der Mensch doch aufhörte, sich auf die Grausamkeit der Natur zu berufen, um seine eigene zu entschuldigen! Er vergisst, wie unendlich schuldlos auch noch das Fürchterlichste in der Natur geschieht.
Will dir den Frühling zeigen, der hundert Wunder hat. Der Frühling ist waldeigen und kommt nicht in die Stadt.
Wir bauen an dir mit zitternden Händen Und wir türmen Atom auf Atom. Aber wer kann dich vollenden, Du Dom.
Wunder tun uns Not.
Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke, Alltage, Ängste, viele kleine Glücke, Verkleidet schon als Kinder, eingemummt, Als Masken mündig, als Gesicht verstummt.
Anmut ist ein gro?er Glanz von innen.
Da bl?hen Jungfraun auf zum Unbekannten und sehnen sich nach ihrer Kindheit Ruh, das aber ist nicht da, wof?r sie brannten, und zitternd schlie?en sie sich wieder zu.
Darin besteht die Liebe:, dass sich zwei Einsame besch?tzen und ber?hren und miteinander reden.
Das Erz hat Heimweh. Und verlassen will es die M?nzen und die R?der, die es ein kleines Leben lehren. Und aus Fabriken und aus Kassen wird es zur?ck in das Ge?der der aufgetanen Berge kehren, die sich verschlie?en hinter ihm.
Denn Armut ist ein gro?er Glanz aus Innen.
Der erscheint mir als der Gr??te, Der zu keiner Fahne schw?rt, Und, weil er vom Teil sich l?ste, Nun der ganzen Welt geh?rt.
Der gro?e Tod, den jeder in sich hat, das ist die Furcht, um die sich alles dreht.
Des Sommers Wochen standen still, Es stieg der B?ume Blut, jetzt f?hlst du, dass es fallen will In den, der alles tut.
Die Geschichte ist das Verzeichnis der Zufr?hgekommenen.
Die gro?en St?dte sind nicht wahr, sie t?uschen / den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind, ihr Schweigen l?gt, sie l?gen mit Ger?uschen / und mit den Dingen, welche willig sind.
Die moderne Bauschablone Will mir wahrlich gar nicht passen.
Die Nacht ist wie ein gro?es Haus. Und mit der Angst der wunden H?nde rei?en sie T?ren in die W?nde - dann kommen G?nge ohne Ende, und nirgends ist ein Tor hinaus.
Die St?dte aber wollen nur das Ihre und rei?en alles mit in ihren Lauf. Wie hohles Holz zerbrechen sie die Tiere / und brauchen viele V?lker brennend auf.
Die Welt ist gro?, doch in uns wird sie tief Wie Meeresgrund.
Die Worte sind nur die Mauern. Dahinter in immer blauern Bergen schimmert ihr Sinn.
Du meine heilige Einsamkeit, Du bist so reich und rein und weit Wie ein erwachender Garten. Meine heilige Einsamkeit du Halte die goldene T?re zu, Vor denen die W?nsche warten.
Du musst das Leben nicht verstehen, Dann wird es werden wie ein Fest. Und lass dir jeden Tag geschehen So wie ein Kind im Weitergehen Von jedem Wehen Sich viele Bl?ten schenken l?sst.
Du musst uns milde sein, Marie, Wir bl?hn aus deinem Blut, Und du allein kannst wissen, wie So weh die Sehnsucht tut.
Du wei?t, im Traume kann so vielerlei geschehen. Und es kann so verwandelt sein. Wie eine Blume lautlos schl?fst du ein, und du erwachst vielleicht mit einem Schrei.
Es dringt kein Laut bis her zu mir Von der Nationen wildem Streite, Ich stehe ja auf keiner Seite, Denn Recht ist weder dort noch hier.
Es gibt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere.
Es kommt die Nacht, reich mit Geschmeiden Geschm?ckt des blauen Kleides Saum, Sie reicht mir mild mit ihren beiden Madonnenh?nden einen Traum.

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