Zitat von Jules Renard
In der Freundschaft knacke ich nur zu gern neue Nüsse.
In Holzschuhen werde ich den Himmel betreten.
In meiner Kirche gibt es kein Gewölbe zwischen mir und dem Himmel.
In mir fast unablässig das Bedürfnis, über die anderen etwas Böses zu sagen, und nicht das geringste Verlangen, ihnen auch solches anzutun.
Ja! Ja! Mal bin ich dies, mal bin ich das: Man muss seine Erfahrungen machen.
Jedes Jahr einen Fehler mehr, das ist unser Fortschritt.
Jedes Mal, wenn er sich im Spiegel sah, fühlte er sich versucht, diesen blank zu reiben.
Jemand, der an nichts glaubt, kann durchaus ein Ehrenmann sein.
Junge Leute: Sie haben fast alle Fieber.
Keiner zeigt uns unsere Fehler so deutlich wie ein Schüler.
Klarheit ist die Höflichkeit des Schriftstellers.
Krieg. Es würde genügen, den Feind wissen zu lassen: Kommt bloß nicht! Wir haben Typhus.
Kürzlich ist ein Stück vom Publikum verboten worden.
Los, überanstrengen wir uns überanstrengen wir uns, auf, dass wir schnell leben und früh sterben.
Mal glaube ich an nichts, dann wieder an alles.
Man kann Dichter sein und die Haare kurz tragen. Man kann Dichter sein und seine Miete bezahlen. Obschon man ein Dichter ist, kann man mit seiner Frau schlafen. Mitunter kann ein Dichter auch Französisch schreiben.
Man kann nichts verbergen. Die Kraft besteht darin, nichts zu verbergen zu haben.
Man muss ehrlich und bescheiden sein, aber laut und deutlich sagen, dass man es ist.
Man müsste einem Verein ganz allein angehören.
Mein Gehirn, ein Waffeleisen voller Worte.
Mein Lächeln hat die Gelbsucht.
Meine Phantasie, das ist mein Gedächtnis.
Meine Seele ist ein alter Nachttopf, in dem ein Auge schläft.
Meinem Gehirn mangelt es an Karteikarten.
Mit Gott sprechen und ihm sagen: Mein Lieber: Man würde sich wohl schon ganz gut verstehen.
Neue Formulierung: Das Kind weinte wie ein Mann.
Nichts ist so banal wie ein normaler Zustand.
Niemals zufrieden sein: Darin eben besteht die ganze Kunst.
Nur noch mit einer Lippe lächeln.
O süße Träumerei, du bist die Entschuldigung für meine Faulheit.
Oh! In der Freundschaft geht es immer schief, hat man sich erst seine Geldgeheimnisse anvertraut.
Oh! Seine Hochzeitsreise ganz allein machen!
Seine schmutzige Wäsche in der Familie waschen und als Waschmittel die Asche der Ahnen benutzen.
Seine Seele setzt Bauch an.
Seine Seele: Eine Luftblase in einer Fleischkugel.
Sich beherrschen, heißt das nicht auch, so manchen guten Augenblick zunichte machen?
Sie machen aus Gott einen Wahlkämpfen.
Sie nennen kühn, was einfach obszön heißen müsste.
Sterne. Bei Gott brennt Licht.
Suchen Sie in allem und jedem das Lächerliche, und Sie werden es finden.
Tränen, eine höchst törichte Übertreibung: Sie gehen einem auf die Nerven wie ein tropfender Wasserhahn.
Trotz unserer eigenen, ununterbrochen anhaltenden Laster finden wir doch immer wieder einen kurzen Augenblick Zeit, um die anderen zu verachten.
Übe mich in der Tugend, ohne Gähnen sagen zu können: sehr interessant.
Überall sein und in einem stillen Winkel.
Um Erfolg zu haben, muss man Wasser zum Wein mischen, bis kein Wein mehr da ist.
Um uns für unsere Faulheit zu bestrafen, gibt es außer unserem Misserfolg immer noch die Erfolge der anderen.
Unglück, also Pech, zu haben, ist ärgerlich, doch Glück, also Dusel, zu haben, ist irgendwie beschämend.
Unser Leben mutet an wie ein Versuch.
Was ist unsere Phantasie schon im Vergleich zu der eines Kindes, das aus Spargeln eine Eisenbahn bauen möchte?
Was kümmert mich die Politik? Sie könnten ebenso gut sagen: Was kümmert mich das Leben.
Was wird uns retten? Der Glaube? Ich will keinen Glauben haben und lege auch keinen Wert darauf, gerettet zu werden.
Wenn bei einer Diskussion auch nur ein Fünkchen Wahrheit herauskäme, würde weniger diskutiert werden. Nichts ist so tödlich langweilig, wie einander zu verstehen: Man hat sich nichts mehr zu sagen.
Wenn das Geld Sie nicht glücklich macht, geben Sie es doch zurück.
Wenn dem skeptischen Warum das gläubige Weil antwortet, ist jede Diskussion beendet.
Wenn du die Einsamkeit fürchtest, versuche nicht, gerecht zu sein.
Wenn jemand sagt: Ich bin glücklich, so meint er damit ganz einfach: Ich habe zwar Ärger, aber der lässt mich kalt.
Wenn Sie das Leben kennen, geben Sie mir doch bitte seine Anschrift.
Wenn wir heute in geordneten Verhältnissen leben, sind wir allen ein Ärgernis. Und die Leute, die eine Maitresse haben, grüßen uns nicht.
Wenn wir nur bedächten, wie oft wir schon Glück gehabt haben, ohne es zu verdienen, dürften wir uns eigentlich nicht mehr beklagen.
Wie muss sich Gott, der alles sieht, zuletzt doch amüsieren!
Wirklich frei ist nur derjenige, der eine Einladung zum Essen abzulehnen vermag, ohne erst irgend' einen Vorwand suchen zu müssen.
Zuletzt steckt in jedem Patriotismus der Krieg, und deshalb bin ich kein Patriot.
Zwei Hähne, die sich auf Leben und Tod bekämpfen, weil sie gemeinsam gekräht haben.
An den Anfang eines Buches setzen: Ich habe keine Typen gesehen, wohl aber Individuen.
Antwort auf eine schwere Beleidigung: Ach! Das sagen Sie doch nur, um mich zu decken.
Auch der Beste unter uns hat sich kleinere Mordtaten vorzuwerfen.
Auch ich habe meine pl?tzlichen Wetterumschl?ge und kenne lange Trockenzeiten.
Beim Anblick eines Chinesen fragt man sich, wie wohl die Maske eines Chinesen aussehen mag.
Bescheidenheit ist immer falsche Bescheidenheit.
Da gibt es den ?ngstlichen, der unter sein Bett schaut, und den ?ngstlichen, der sich nicht einmal traut, unter sein Bett zu schauen.
Das Gehirn kennt keine Scham.
Das ist eine Frage der Sauberkeit: Man soll die Meinung wechseln wie das Hemd.
Das Leben ist kurz, aber die Langeweile verl?ngert es.
Das Publikum: Das ist das allgemeine Stimmrecht in der Kunst. War es denn nicht genug, es in Sachen Politik zum Herrn zu machen?
Das wahre Gl?ck w?re, sich an die Gegenwart zu erinnern.
Das Wilde ist so in Mode, dass es schon wieder fade wirkt.
Das Wort ist die Entschuldigung des Gedankens.
Der Abscheu vor dem' B?rger ist b?rgerlich.
Der Blitz hat in eine Fabrik f?r Blitzableiter eingeschlagen!
Der gekr?mmte Blick, damit das Detail daran h?ngen bleibt.
Der Gelehrte verallgemeinert, der K?nstler unterscheidet.
Der Kritiker ist Botaniker. Ich bin G?rtner.
Der Schlaf der Gerechten! Der Gerechte d?rfte nicht schlafen k?nnen.
Der Schlaf ist die Halle der Erinnerungen. Er beg?nstigt ihre R?ckkehr. Er ist ihr Treffpunkt.
Der Stil, das hei?t alle Stile vergessen.
Der Tod, er w?re Traum, wenn man ab und an ein Auge ?ffnen k?nnte.
Der Tourist. In einem Gespr?ch von nur einer Viertelstunde verleidet er mir die halbe Welt.
Der Traum, der Luxus des Denkens.
Der Vogel, der einen Ballon sieht, sagt sich wom?glich: Ich m?chte fliegen k?nnen wie er, ohne Fl?gel. Und das ist dann Fortschritt.
Der wirklich freie Mensch ist der, der eine Einladung zum Essen ausschlagen kann, ohne daf?r einen Vorwand angeben zu m?ssen.
Der Zufall will nicht mehr mit mir spielen.
Die Angst vor der Langeweile ist die einzige Entschuldigung f?r die Arbeit.
Die Arbeit gleicht manchmal dem Angeln in Gew?ssern, in denen noch nie Fische gewesen sind.
Die B?ckerei zu einer nationalen Einrichtung erheben: Brot gratis und obligatorisch
Die Besten unter uns sehen stets nur ihre Fehler.
Die Bigotten. Sonntags schlafen sie mit Gott, und die ganze Woche ?ber betr?gen sie ihn.
Die B?rger das sind die anderen.
Die fl?chtige Idee beim Schopfe fassen und ihr die Nase auf dem Papier plattdr?cken.
Die Heimat, das bedeutet: von Zeit zu Zeit eine Minute der R?hrung, aber doch nicht dauernd.
Die leidenschaftlichen Diskussionen sollte man mit den Worten beenden: Und zudem werden wir alle bald sterben.
Die Leute sind wirklich erstaunlich: Sie erwarten einfach, dass man sich f?r sie interessiert.
Die Menschen! Oje! Da muss ich pinkeln.
Die Politik sollte das Sch?nste auf der Welt sein: Ein B?rger im Dienste seines Landes. Sie ist jedoch das Gemeinste, was man sich denken kann.
Die Stunden voller Abscheu, in denen man nichts mehr mit sich zu tun haben m?chte.
Die t?gliche Kraft, die man nicht nutzt.
Die ?berlegenheit einer einzelnen Blume vor einem ganzen Strau?.
Die Welt w?re gl?cklich, st?nde sie auf dem Kopf.
Du sagst, du seist nicht reif genug. Ja, willst du denn warten, bis du verfaulst?
Ein Buch, dem es auf seinem B?cherbrett pl?tzlich schlecht wird und das herunterf?llt.
Ein Bu?geld f?r jeden, der sich Gedanken ?ber das Leben macht. Lasst doch das Leben endlich in Ruhe!
Ein eingeschlafener Schmerz, der schnarcht.
Ein jeder hat in seinem Herzen einen Leierkasten, der nicht verstummen will.
Ein Pedant ist ein Mensch, der geistig schlecht verdaut.
Ein Spatz pickt K?rner und Insekten auf, man lebt nicht von Brot allein.
Ein Volk sollte den Krieg f?rchten wie der Einzelne den Tod.
Eine ganze Kategorie von Gef?hlen ist veraltet.
Eine Zeitung ist nicht sehr viel literarischer als ein Stammtisch.
Einen Lichtbildervortrag ?ber Gott halten.
Einen Roman schreiben, in dem man vorzeitig einen Zeitgenossen sterben lie?e.
Endlich wei? ich, was den Menschen vom Tier unterscheidet: Geldsorgen.
Er hat 1870 ein Bein verloren, das andere hebt er f?r den n?chsten Krieg auf.
Es f?llt mir viel schwerer, meine Laune in den Griff zu bekommen als meine Konten.
Es f?llt schwer, gut zu sein, wenn man scharfsinnig ist.
Es geh?rt Mut dazu, den intelligenten Menschen dem besonders netten Menschen vorzuziehen.
Es geht nicht darum, der Erste zu sein, sondern der Einzige seiner Art.
Es gen?gt nicht, selbst gl?cklich zu sein, die anderen m?ssen dazu noch ungl?cklich sein.
Es gibt Augenblicke, in denen gelingt uns alles. Kein Grund zu erschrecken: Das geht vor?ber.
Es gibt Leute, die sind so langweilig, dass man mit ihnen in f?nf Minuten einen ganzen Tag verliert.
Es gibt Leute, die ziehen zur?ck, was sie gesagt haben, so wie man ein Schwert aus dem Bauch seines Gegners zieht.
Es gibt verhasste Leute, die wir gar nicht sehen wollen, und verhasste Leute, bei denen wir es uns nicht verkneifen k?nnen, sie zu treffen, und das sind unsere Hassgewohnheiten.
Es gibt Zeiten, in denen einem alles gelingt. Aber man braucht nicht zu erschrecken, das geht schnell vor?ber.
Es ist leichter, gro?z?gig zu sein, als es hinterher nicht zu bedauern.
Es ist nicht schwer, ab und zu k?stlich und erlesen zu sein, aber sein ganzes Leben lang!
