Zitat von Adam Heinrich Mueller


Indem wir die Natur betrachten, wird sie unmittelbar durch unsre Betrachtung zum Kunstwerk.
Jede Glut des Herzens findet ihren Schatten, jeder Durst seine Welle, jede Sehnsucht ihre Ferne, und unzählige, heimliche, fest beschirmte Zufluchtsstätten sind bereitet für die Seele, welche nach Sicherheit und Ruhe strebt.
Jeder Künstler fühlt die Schranken seiner Kunst.
Mathematik ist die Geschichte des Positiven und Negativen.
Nur wer die Natur sieht, weiß die Kunst zu fühlen und zu bilden, nur der sieht die Kunst, ihre größten und kleinsten Werke, der die Natur in ihren unbedeutendsten wie in ihren Welterscheinungen zusammenhängend empfindet.
Poesie ist geschlossene Kunstdarstellung des Lebens durch das Wort.
Überall nämlich, wo der Mensch wandelt, ist sein Auge so gestellt, dass er das himmlische und irdische Element mit einem Blicke auffassen muss: eine Andeutung für die Seele, dass sie allenthalben desgleichen tue.
Was ist der Tanz anders als die Verbindung mehrerer streitenden Bewegungen zu einer ruhigen?
Wenn die Welt der Sinne und die Welt des Geistes absolut getrennt sind, dann ist die Sünde auf ihrem Gipfel.
Das ehrw?rdige Wort Messe, in seinem deutschen Doppelsinn, deutet auf den uralten Bund des Handels und der Kirche, auf die noch ?ltere, auf die ewige Einheit des ?u?eren und inneren Daseins.
Das Leben kann sich nicht ausdehnen, vervielf?ltigen, bereichern, ohne sich zu ordnen.
Der Mensch ist mit tausendf?ltigem Verlangen und unendlichen Begierden ausgestattet und so in eine Welt gesandt worden, die reich genug sein w?rde, noch viel mehr zu gew?hren, als er begehren kann.
Der Mensch ist nicht zu denken au?erhalb des Staates.
Der Mensch kann nicht mehr f?hlen, als er denkt, nicht mehr denken, als er f?hlt.
Die Erinnerung an irgendein sch?nes Verlangen wird von jedem Baume, jedem Bergeshange leise angeregt, jeder Lichtstrahl, der ?ber die Gegend f?llt, scheint ein Orakel mit sich zu f?hren, und jedes Wolkengewebe ist eine geheimnisvolle Schrift.
Die Seele f?hlt in Betrachtung der Landschaft ein sanftes Getragen werden, eine Bewegung, wie von einem unsichtbaren Geiste, durch die das Verweilen bei den anmutigen Einzelheiten erst seinen Reiz erh?lt.
Ein Gedicht ist eine ganze, geschlossene, gemachte Welt.
Ein gro?er g?ttlicher Gedanke beherrscht und regelt alle die kleinen Verg?tterungen, welche der Mensch mit der umgebenden Natur vorzunehmen liebt.
Ein K?nstler, der die Welt ?ber seinem Werke vergisst, wird nie durch das Werk zur Welt sprechen, wird das Werk vielleicht tot von sich losreisen, aber nie zu eignem freien und notwendigen Leben schlie?en k?nnen.

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