Zitat von Christian Morgenstern
In einem großen Geiste bricht jahrhundertelanges, im Verborgenen schaffendes Keimen der Naturkräfte zur strahlenden Blüte auf.
Je besser ein Stil wird, desto mehr nimmt er alles in sich hinein: die überflüssigen Interpunktionen, dir all zu häufigen Absätze, den Sperrdruck.
Je einheitlicher ein Volk einen Stil aus sich heraus entwickelt, umso mehr ist es bei sich selbst daheim. Daher der Zauber des mittelalterlichen Stils, daher heute unsere Heimatlosigkeit.
Jede gründliche Erfahrung muss mit eigenem Leben bezahlt werden- und mit fremdem.
Jede Krankheit hat ihren besonderen Sinn, denn jede Krankheit ist eine Reinigung, man muss nur herausbekommen, wovon.
Jede Landschaft hat ihre eigene besondere Seele, wie ein Mensch, dem du gegenüberlebst.
Jeder Jüngling mag von sich denken, er sei der Messias, aber er muss nicht Messias sagen, sondern Messias tun.
Jeder Künstler tötet zehn folgende Dilettanten.
Jeder Mensch ist ein neuer Versuch der Natur, über sich ins Reine zu kommen.
Jeder muss sich selbst austrinken wie einen Kelch.
Jeder von uns hat etwas Unbehauenes, Unerlöstes in sich, daran unaufhörlich zu arbeiten seine heimlichste Lebensaufgabe ist.
Kein Dramatiker kann wissen, was ein Schauspieler aus seinen Worten machen wird.
Kunst ist nicht ein Stück Welt im Spiegel eines Temperaments, sondern ein Stück Temperament im Spiegel des Bewusstseins.
Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.
Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.
Lehrer Komödie: Die Armut der Lehrer, während die Staaten Unsummen für die Wehrmacht hinauswerfen. Da sie nur Lehrer für 600 Mark sich leisten können, bleiben die Völker so dumm, dass sie sich Kriege für 60 Milliarden leisten müssen.
Leichtsinn und Geduld, zwei weibliche Haupteigenschaften.
Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den andern, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.
Machen wir uns doch von der Tyrannei der Geschichte frei. Ich sage nicht: von der Geschichte, ich sage: von der Tyrannei der Geschichte.
Man hat nie nur einen Grund zu einer Handlung, sondern hundert und tausend.
Man kann wohl sagen, dass das Geschlecht zwei Drittel aller möglichen Geistigkeit auffrisst.
Man muss aufhören können zu fragen, im Täglichen wie im Ewigen.
Man sieht vom Galgen die Welt anders an.
Man sollte lieber mit feiner Kunst sterben wollen, als mit grober siegen.
Man sollte sich seiner Krankheiten schämen und freuen, denn sie sind nichts anderes als auszutragende Verschuldung.
Man verliebt sich oft nur in einen Zustand des andern, in seine Heiterkeit oder in seine Schwermut. Schwindet dieser Zustand dann, so ist damit auch der feine besondere Reiz jenes Menschen geschwunden. Daher die vielen Enttäuschungen.
Man weiß, wie wichtig es ist, Schwangeren harmonische Verhältnisse zu schaffen. Sollte es anders sein mit der Menschheit, die sich fortwährend im Zustande der Mutterschaft befindet?
Man will die deutsche Volksseele erstarken sehen, indem sie sich mehr abschließen und begrenzen soll, und vergisst, dass gerade das Unbegrenztseinwollen, das über engen Nationalitätsschranken Stehenwollen ihre Haupteigentümlichkeit ist.
Manche Leute müssen über ihre Dummheit durchaus öffentlich quittieren.
Manchem Menschen würden Weihnachtskataloge, Zeitungsannoncen und zu Mundwassern, Seife, Thermosflaschen, Petroleumöfen usw. beigepackte Erklärungen und Referate als Lektüre völlig genügen.
Mancher Gedanke fällt um wie ein Leichnam, wenn er mit dem Leben konfrontiert wird.
Mit allem großen ist es wie mit dem Sturm. Der Schwache verflucht ihn mit jedem Atemzug, der Starke stellt sich mit Lust dahin, wo's am heftigsten weht.
Natürlichkeit, Schwester der Freiheit und Einfalt.
Neue Dichter seh ich kommen, nach innen den Blick gerichtet.
Nicht im lärmenden Kampf der Tage, auch nicht im Sturm einer großen Zeit, aber nach Jahrtausenden stiller Arbeit, nach Äonen fortwirkenden Webens dann werden die Menschen gut werden.
Nirgends kann das Leben so roh wirken, wie konfrontiert mit edler Musik.
Nur der Erkennende lebt.
Nur die Formen wechseln. Der Toten Seele wird vielleicht schon wieder im Keim einer neuen vollkommeneren Form schlummern.
Nur durch Schaden werden wir klug Leitmotiv der ganzen Evolution. Erst durch unzählige, bis ins Unendliche wiederholte leidvolle Erfahrungen lernt sich das Individuum zum Meister über sein Leben empor. Alles ist Schule.
Nur im Fluss bleiben, nur nicht zur Spinne eines Gedankens werden.
Nur im vorbereiteten Herzen kann ein neuer Gedanke Wurzel fassen und groß werden. Sich vorbereiten, sich zubereiten, den Acker lockern für das beste Korn, ist alles.
Nur in Versuchungen immer wieder fallend, erheben wir uns.
Nur wer sich selbst verbrennt, wird den Menschen ewig wandernde Flamme.
Nur wer sich wandelt, ist mit mir verwandt.
Oft überfällt dich plötzlich eine heftige Verwunderung über ein Wort: Blitzartig erhellt sich dir die völlige Willkür der Sprache, in welcher unsere Welt begriffen liegt, und somit die Willkür dieses unseres Weltbegriffes überhaupt.
Phantasie ist ein Göttergeschenk, aber Mangel an Phantasie auch. Ich behaupte, ohne diesen Mangel würde die Menschheit den Mut zum Weiterexistieren längst verloren haben.
Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.
Schön ist eigentliches alles, was man mit Liebe betrachtet.
Schönheit »an sich«? Nein, Schönheit, die über sich hinausweist.
Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird. Oder auch: Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.
Sei mit dir nie zufrieden, außer etwa episodisch, so dass deine Zufriedenheit nur dazu dient, dich zu neuer Unzufriedenheit zu stärken.
Sich bewusst ausweiten. Von Gegensatz zu Gegensatz gehen. Vom Ersten bis zum Letzten und umgekehrt. Keinen und nichts vergessen, übersehen, gering achten.
Sich immer am Leben korrigieren.
Sieh an, wie ein Zweirad in Bewegung und Fahrt gesetzt wird. Wenn du deinen Willen so in Bewegung und Fahrt zu setzen vermagst, so wirst du nach einigen Schwankungen wie ein Meister im Sattel sitzen.
Sieh dir ein gut beschicktes Trab rennen an. Und du wirst merken, worauf s ankommt, auch bei dir.
Siehe eine Sanduhr: Da lässt sich nichts durch Rütteln und Schütteln erreichen, du musst geduldig warten, bis der Sand, Körnlein um Körnlein, aus dem einen Trichter in den anderen gelaufen ist.
So ein Spinnentüchlein voll Regentropfen wer macht das nach?
Spannung ist alles und Entladung. Und höchste Lebensweisheit, seine Spannung immer richtig zu entladen.
Sprich du zu mir, mein höher Du! Ich will mich ganz in dich verhören.
Suche allem nach Möglichkeit eine Folge zu geben. Nichts macht das Leben ärmer als vieles anfangen und nichts vollenden.
Takt erfordert vor allem Phantasie. Man muss viele Möglichkeiten der fremden Seele überschauen, viele Empfangsmöglichkeiten, und danach, was man geben kann, einrichten.
Tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.
Über dem Wasser deiner Seele schwebt unaufhörlich ein dunkler Vogel: Unruhe.
Über jedem Gedanken, jeder Vorstellung liegen hundert Gedanken und Vorstellungen, die uns das jeweils Gedachte, jeweils Vorgestellte verhüllen.
Über jedem guten Buche muss das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden. Die Sonne innerer Heiterkeit muss sich zuweilen von Seele zu Seele grüßen, dann ist auch im schwierigsten Falle vieles in Ordnung.
Überschätzt zu werden, zumal von einem Wesen, das einen liebt, kann in manchem einen edlen Eifer entzünden, jene geglaubte Höhe wirklich zu erreichen.
Und immer wieder komme ich darauf zurück, dass die Bewertung der geschlechtlichen Liebe unter uns Heutigen eine krankhafte Höhe erreicht hat, von der wir durchaus wieder heruntersteigen müssen.
Unser Begreifen ist Schaffen, seien wir doch selig in diesem Bewusstsein.
Unsere Gedanken winden sich in Girlanden um den Gedanken einer neuen Religion.
Unsere Kulturen sind noch vorwiegend egoistisch, darum ist auch so wenig Segen in ihnen.
Unsere Zukunft liegt nach wie vor im Geiste. Seien wir Imperialisten des Geistes.
Vom höchsten Ordnungssinn ist nur ein Schritt zur Pedanterie.
Von hundert, die von »Herde« reden, gehören neunundneunzig dazu.
Vorsicht und Misstrauen sind gute Dinge, nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Misstrauen nötig.
Warum wenn wir im Herzen der Natur leben, das Herz der Natur sind dieses Mehr in uns?
Was du andern zufügst, das fügst du dir zu.
Was du denkst und sagst, ist vor allem Ausdruck. Der so genannte eigentliche Sinn des Gesagten ist nicht sein einziger Sinn.
Was ist das erste, wenn Herr und Frau Müller in den Himmel kommen? Sie bitten um Ansichtskarten.
Was ist denn alle Mutter und Vaterschaft anders als ein Helfen! Als wunderreichste, geheimnisvollste Hilfe!
Was ist der Mensch? Die Tragödie Gottes.
Was ist ein Leben?, dass es die Tiefen erschöpfen könnte. Als Knabe glaubte ich: Leben könne nicht weniger sein, als alles erleben, also: ewig lieben.
Was ist jede aber auch jede Sprache schön, wenn in ihr nicht nur geschwätzt, sondern gesagt wird.
Was ist mein Einzelschicksal, wenn ich recht die große Tragik des Lebens betrachte!
Was ist Religion? Sich in alle Ewigkeit weiter und höher entwickeln wollen.
Was uns allen zumeist fehlt, ist das tiefe, dauernde Bewusstsein des wirklichen Elends auf Erden, sonst würden wir über den Gefühlen einerseits des Mitleids, andrerseits des Dankes ganz der kleinlichen Misere des eigenen Lebens vergessen.
Was wäre wohl aus der Welt geworden, wenn alle zum Mitschaffen Aufgerufenen immer gleich »schnurstracks« auf ihr Ziel losgegangen wären. Alle Weisheit ist langsam, alles Schaffen ist umständlich.
Was wir aus der Geschichte des Geistes lernen können, das ist, meine ich, vor allem eine immer tiefere Bescheidenheit, uns zu äußern.
Wehe und Wohl dem Menschen, der an keine Ungerechtigkeit mehr glaubt.
Wenn der alte Atlas unser Wissen um die Welt, die er auf seinen Schultern trug, gehabt hätte, er wäre ebenso unter ihrer Last zusammengebrochen wie dieser moderne Atlas, der die Welt über die Brücke von Mensch zu Übermensch tragen wollte.
Wenn der moderne Gebildete die Tiere, deren er sich als Nahrung bedient, selbst töten müsste, würde die Anzahl der Pflanzenesser ins Ungemessene steigen.
Wenn der moderne Mensch die Tiere, deren er sich als Nahrung bedient, selbst töten müsste, würde die Anzahl der Pflanzenesser ins Ungemessene steigen.
Wenn ich etwas an Christus verstehe, so ist es das: »Und er entwich vor ihnen in die Wüste.«
Wenn ich so die kleinen Dampfer die riesigen Kähne vorüberschleppen sehe, muss ich immer an den Dichter und das Publikum denken.
Wenn mich nicht alles trügt, so stehen wir dicht vor Künstlergenerationen, die sich des ganzen irdischen Lebensstoffes noch ganz anders bemächtigen werden als die bisherigen.
Wenn wir einen nationalen Baustil haben wollten, müssten wir eine einheitliche Weltanschauung haben.
Wer am Menschen nicht scheitern will, trage den unerschütterlichen Entschluss des Durch-ihn-lernen-Wollens wie ein Schild vor sich her.
Wer das Wunder nicht als das Primäre erkennt, leugnet damit die Welt, wie sie ist, und supponiert ihr ein Fabrikspielzeug.
Wer die Grausamkeit der Natur und der Menschen einmal erkannt hat, der bemüht sich, selbst in kleinen Dingen wie dem Niedertreten des Grases schonungsvoll zu sein.
Wer die Welt zu sehr liebt, kommt nicht dazu, über sie nachzudenken, wer sie zu wenig liebt, kann nicht gründlich genug über sie denken.
Wer in das, was von Göttlich Geistigem heute erfahren werden kann, nur fühlend sich versenken, nicht erkennend eindringen will, gleicht dem Analphabeten, der ein Leben lang mit der Fibel unterm Kopfkissen schläft.
Wer konversiert, spricht nicht.
Wer nicht auch böse sein kann, kann der wirklich tief sein?
Wer sich gros verfehlt, der hat auch große Quellen der Reinigung in sich.
Wer sich selber treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben.
Wer sich selbst treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben.
Wer sich treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben.
Wer sich überhebt, verrät, dass er noch nie genug nachgedacht hat.
Wer weiß, ob die Gedanken nicht auch einen ganz winzigen Lärm machen, der durch feinste Instrumente aufzufangen und empirisch (durch Vergleich und Experiment) zu enträtseln wäre.
Wie dereinst die Sancta Simplicitas des Glaubens, so schleppt heute die Sancta Simplicitas der Wissenschaft ihre Scheiter herbei, den »Ketzer« zu verbrennen.
Wie die Gefahr des Tauchers der Tintenfisch, so des Grüblers die Melancholie.
Wie kann man sagen: Dies und das kommt hierher und daher da doch alles überall herkommt.
Wie macht das Gefühl bloßen Sich nahe Seins Liebende schon glücklich.
Wie nahe Furcht und Mut zusammen wohnen, das weiß vielleicht am besten, wer sich dem Feind entgegen wirft.
Wie schön ist alles erste Kennen lernen. Du lebst so lange nur als Du entdeckst.
Wie viel wird um Brot und wie wenig als Brot geschrieben.
Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.
Wir Deutsche leiden alle an der Hypochondrie der »Verpflichtungen«. Sie macht unsere Stärke und unsere Schwäche.
Wir sind geborene Polizisten. Was ist Klatsch andres als Unterhaltung von Polizisten ohne Exekutivgewalt.
Wir sind nie wirklich aus dem Paradiese vertrieben worden. Wir leben und weben mitten im Paradiese wie je, wir sind selbst Paradies nur seiner unbewusst und damit mitten im Inferno.
Wir stehen nicht am Ende, sondern am Anfang des Christentums.
Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist.
Zitate sind Eis für jede Stimmung.
Auch der Baum, auch die Blume warten nicht blo? auf unsere Erkenntnis. Sie werben mit ihrer Sch?nheit und Weisheit aller Enden um Verst?ndnis.
Beim Dialekt f?ngt die gesprochene Sprache an.
B?cherschreiben ist das einzige Verbrechen, bei dem sich der T?ter bem?ht, Spuren zu hinterlassen.
Darum k?nnen Zeitungen so sehr schaden, weil sie den Geist so uns?glich dezentrieren, recht eigentlich zerstreuen.
Das Ich ist die Spitze eines Kegels, dessen Boden das All ist.
Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.
Das Leben zeugt Blumen und Bienen. Blumen, das sind die sch?pferischen Geister, und Bienen die andern, die daraus Honig sammeln.
Das macht den Deutschen von heute so unbeliebt: Er beruft sich bei fast jeder Gelegenheit auf seine »Geistesheroen«, die doch fast immer nur im Gegensatz zu ihm gelebt haben, und ist dabei genauso auf seinen Vorteil bedacht wie der Nachbar.
Das macht uns den Sternenhimmel so unerfasslich und f?rchterlich, dass wir lauter Summen gegen?berstehen, lauter Quintessenzen. M?helos sammeln wir das halbe All in unserm Auge. Es ist ein Gedanke, nicht auszudenken.
Das sind die zwei Blumen des Lebens: das Schaffen und die Liebe. Und nie wird wohl jemand ergr?nden, ob Gott sich als Welt schafft um der Liebe willen, oder ob er liebt um des Schaffens willen.
Das von selbst Verst?ndliche wird gemeinhin am gr?ndlichsten vergessen und am seltensten getan.
Dass uns der Anblick der Tiere so erg?tzt, beruht haupts?chlich darauf, dass es uns freut, unser eigenes Wesen so vereinfacht vor uns zu sehn.
Dem Steigenden werden G?rten der Sch?nheit W?sten der Unbedeutendheit.
Demut ist W?rme. Alle Dinge »reden« und erschlie?en sich gleich ganz anders, wo ihr milder Himmel aufgl?nzt. Vor dem Dem?tigen wird die Welt sicher und vertrauend, den Dem?tigen empfangen, lieben und beschenken alle Dinge.
Den ?sthetikern: Zeigt Wege der Zukunft, aber beschw?rt nicht ewig die Toten gegen uns.
Den seelischen Wert einer Frau erkennst du daran, wie sie zu altern versteht und wie sie sich im Alter darstellt.
Den Wolken wird vielleicht einstmals eine besondere Verehrung gezollt werden, als der einzigen sichtbaren Schranke, die den Menschen vom unendlichen Raum trennt, als der gn?dige Vorhang vor der offenen vierten Wand unserer Erdenb?hne.
Der bedeutende Mensch ist ein Mensch, an dem viele andre sich klar werden. Er greift in ihr Unbewusstes und st?rkt dort das ihm Verwandte.
Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht.
Der eine lebt, der andere schreibt sich aus. Das erste Dokument der Kultur war ein Tagebuch.
Der Fr?hling ist etwas Herrliches. Der Fr?hling aber, der nicht mehr kommen musste, der nur so aus ?berirdischer Gnade noch einmal gekommen ist, der ist nicht mit Namen zu nennen.
Der Geist baut das Luftschiff, die Liebe aber macht gen Himmel fahren.
Der gro?e Schriftsteller hat Stil, der kleine Manier, was nicht ausschlie?t, dass der gro?e auch einmal klein und der kleine gro?, d. h. ein Stilist sein kann.
Der Ironiker ist meist nur ein beleidigter Pathetiken.
Der K?rper ist der ?bersetzer der Seele ins Sichtbare.
Der Mensch ist ein in einem Spiegelkerker Gefangener.
Der Mensch ist im Grunde Begierde, Gott zu sein.
Der moderne Mensch »l?uft« zu leicht »hei?«: Ihm fehlt zu sehr das ?l der Liebe.
Der Nenner, auf den heute fast alles gebracht wird, ist Egoismus, noch nicht Liebe.
Der ?sterreichische Dialekt ist darum so h?bsch, weil die Rede best?ndig zwischen Sich gehen Lassen und Sichzusammennehmen hin und her spielt. Er gestattet damit einen durch nichts anderes ersetzbaren Reichtum der Stimmungswiedergabe.
Der Weise verzichtet auf alles, worauf sich irgendwie verzichten l?sst, denn er weiss, dass jedes Ding eine Wolke von Unzufriedenheit um sich hat.
Der Welt Schl?ssel hei?t Demut. Ohne ihn ist alles Klopfen, Horchen und Sp?hen umsonst.
Des Krieges Eltern hei?en Schwachsinn und Tr?gheit. Sie finden es viel einfacher und bequemer, ein Kind, den Krieg, in die Welt zu setzen, als in sich zu gehen und in Selbsterkenntnis und Selbstzucht Geist und sch?pferische Kraft zu werden.
Dichten ist immer die Wiedergabe von Erinnerung. Die Erinnerung aber ist selbst etwas Dichtendes, k?nstlerisch Zusammenfassendes und Ausw?hlendes.
Die beste Erziehungsmethode f?r ein Kind ist, ihm eine gute Mutter zu verschaffen.
Die H?lfte allen Ungl?cks vom gr?bsten bis zum feinsten geht auf Unwissenheit oder Denkfehler zur?ck, gewollte und ungewollte Ungeistigkeit.
Die jungen Pythagor?er mussten f?nf Jahre schweigen als Diener einer rechten Philosophie.
Die Luftschifffahrt wird dem religi?sen Genie der Menschheit neue Nahrung geben. Zu den gro?en Bef?rderern kosmischer Stimmungen: Wald, Meer und W?ste, wird nun noch der Luftraum kommen.
Die meisten Ehen werden geschlossen, wie nur Liebschaften angekn?pft werden d?rften.
Die meisten Menschen sprechen nicht, zitieren nur. Man k?nnte ruhig fast alles, was sie sagen, in Anf?hrungsstriche setzen.
Die Menschenverachtung ist f?r den nachdenkenden Geist nur die erste Stufe zur Menschenliebe.
Die Menschheit hat l?ngst alles empfangen, was zu empfangen war. Aber sie muss es immer wieder von neuem und in immer wieder neuer Form empfangen und verarbeiten.
Die moderne Landschaftsmalerei (und Liebe zur Landschaft, Natur) ein weiterer Schritt der Erde zur Erkenntnis und Liebe ihrer selbst.
Die Sentimentalen haben's alle schlecht. Sie sind das eigentlich schwache Geschlecht und machen die andern nur krank.
Die Sterne lauter ganze Noten. Der Himmel die Partitur. Der Mensch das Instrument.
Die Trag?die ist der tiefe Gesang vom Wesen der Welt, und ihm von Zeit zu Zeit ersch?ttert zu lauschen unser Ewigkeitsdienst in all dem uns ?berbrausenden Alltag.
Die Welt ist vollkommen ?berall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
Die Zahl der Vegetarier w?rde sicher ins Unermessliche sich steigern, wenn der gebildete Mensch die Tiere, derer er sich als Nahrung bedient, selbst schlachten m?sste.
Die zur Wahrheit wandern, wandern allein.
Diese Leute, welche meinen, vom Primaner zum ?bermenschen avancieren zu sollen.
Ein ber?hmter Arzt ist wie eine Millionenerbin. Er wei? nie, wieweit man ihn als Menschen und nicht nur als Arzt liebt.
Ein echter K?nstler schildert nie, um zu gefallen, sondern um zu zeigen.
Ein Kunstwerk sch?n finden hei?t, den Menschen lieben, der es hervorbrachte.
Ein Kunstwerk sch?n finden, hei?t, den Menschen lieben, der es hervorbrachte. Denn was ist Kunst andres als Vermittlung von Seele.
Ein wirklich eigener Gedanke ist immer noch so selten wie ein Goldst?ck im Rinnstein.
Einander kennen lernen, hei?t lernen, wie fremd man einander ist.
Eine der gr??ten Unverfrorenheiten des Menschen ist, dies oder jenes Tier mit Emphase falsch zu nennen, als ob es ein noch falscheres Wesen g?be in seinem Verh?ltnis zu den andern Wesen als der Mensch!
Eine Karikatur ist blo? immer einen Augenblick wahr.
Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empf?nger f?r sie reif ist.
Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empf?nger f?r sie reif ist. Nicht an der Wahrheit liegt es daher, wenn die Menschen noch so voller Unweisheit sind.
Einen Krieg beginnen hei?t nichts weiter, als einen Knoten zerhauen statt ihn aufzul?sen.
Enthusiasmus ist das sch?nste Wort der Erde.
Erst das Wort rei?t Kl?fte auf, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sprache ist, in unsere Termini ?bersetzt, »zerkl?ftete Wirklichkeit«.
Es gibt einen Gedanken, der unsere ganze Lebensf?hrung und Betrachtung ?ndern w?rde: die Gewissheit unserer Unzerst?rbarkeit durch den Tod.
Es gibt kaum eine gr??ere Entt?uschung, als wenn du mit einer recht gro?en Freude im Herzen zu gleich g?ltigen Menschen kommst.
Es gibt keine Grenzen der Dinge.
Es gibt keine Seele, die nicht ihr Wattenmeer h?tte, in dem zu Zeiten der Ebbe jedermann spazieren gehen kann.
Es gibt keinen strengeren Erzieher als den Ehrgeiz. Wobei freilich au?er Betracht bleibt: wozu?
Es gibt Menschen, deren einmalige Ber?hrung mit uns f?r immer den Stachel in uns zur?ckl?sst, ihrer Achtung und Freundschaft wert zu bleiben.
Es gibt Menschen, die sich immer angegriffen f?hlen, wenn jemand eine Meinung ausspricht.
Es gibt Menschen, welche Schlagworte wie M?nzen schlagen, und Menschen, welche mit Schlagworten wie mit Schlagworten zuschlagen.
Es gibt nichts Hemmenderes als Gemeinpl?tze und Redensarten. Jede Redensart ist die Fratze eigener Gedanken, ein »Mitesser« im Zellengewebe des Denkers.
Es gibt nichts Schwereres, als einen Menschen, den man liebt, einen Weg gehen lassen zu m?ssen, der zur n?chsten Stadt f?hrt, statt auf den n?chsten Gipfel.
Es gibt nichts, das ich mir nicht vergeben k?nnte, und nichts, das ich nicht ?berwinden m?chte.
Es gibt noch eine gr??ere Liebe als die nach dem Besitz des geliebten Wesens sich sehnende: die die geliebte Seele erl?sen wollende. Und diese Liebe ist so g?ttlich sch?n, dass es nichts Sch?neres auf Erden gibt.
Es gibt nur einen Fortschritt, n?mlich den in der Liebe, aber er f?hrt in die Seligkeit Gottes hinein.
Es gibt vielleicht keine gl?cklichere Manier, als alle Dinge vom Standpunkt des Malers aus zu betrachten.
Es ist bitter, sich sagen zu m?ssen, dass man zwischen 35 und 45 zu erledigen hat, was man zwischen 45 und 60 h?tte sollen erledigen k?nnen.
Es ist eigentlich eine Ungerechtigkeit, dass der Dichter nicht gleich dem Musiker den Teilen seiner Werke hinzuf?gen darf, in welchem Tempo er sie genommen wissen will.
Es ist ein wahres Gl?ck, dass der liebe Gott die Fliegen nicht so gro? wie Elefanten gemacht hat, sonst w?rde uns, sie zu t?ten, viel mehr M?he machen und auch weit mehr Gewissensbisse.
Es ist eine Kunst f?r sich, einen Brief zur rechten Zeit ankommen zu lassen. Man vergisst ihrer gew?hnlich. Und doch wie oft ein intimes, beschauliches Gespr?ch am Morgen keine H?rer an uns f?nde, so mutet uns ein Brief morgens und abends anders an.
Es ist etwas J?mmerliches um einen Lyriker ohne Liebe. Was helfen da Mai und Nachtigallen und Mondscheinn?chte. Trauriger Zustand.
Es ist gut, dass wir Spiegel haben., dass wir f?r gew?hnlich unsere eigene Miene nicht sehen, ist eines der unheimlichsten Dinge, die es gibt.
Es ist merkw?rdig, dass ein mittelm??iger Mensch oft vollkommen recht haben kann und doch nichts damit durchsetzt.
Es ist mit der Weltenuhr wie mit der des Zimmers. Am Tage sieht man sie wohl, aber h?rt sie fast gar nicht. Des Nachts aber h?rt man sie gehen wie ein gro?es Herz.
Es ist schauerlich, an Toren zu r?tteln, die verschlossen sind, noch schauerlicher aber, wenn sie nur aus d?nnem Seelenstoff, ja, wenn sie nur aus den k?hlen, harten Blicken einer Seele bestehen, die dich nicht in sich eindringen lassen will.
Es ist schmerzlich, einem Menschen seine Grenze anzusehen.
Es ist sch?n, zu denken, dass so viele Menschen heilig sind in, den Augen derer, die sie lieben.
Es k?nnen nur einigerma?en gleiche Naturen in ihrem ganzen Umfange einander erkl?ren und absch?tzen. Heut aber will jedermann interpretieren, wenn er nur schreiben gelernt hat.
Es schadet nicht gar so viel, wenn Leute in der Kirche sanft einnicken, denn das ?bersinnliche findet auch so einen gewissen Eingang in sie und oft besser als durch den kleinen Verstand.
