Zitat von Michel Eyquem Seigneur De Montaigne
In der Phantasie scheint uns vieles viel größer als in der Wirklichkeit.
In jedem Politischen System gibt es notwendig Dienste, die an sich nicht nur verächtlich, sondern geradezu lasterhaft sind.
Ist der Mensch, wenn man es sich genau überlegt, nicht ein bedauernswertes Tier?
Ist es nicht besser, auf die Stellungnahme zu verzichten, als sich in einen der vielen Irrtümer zu verwickeln, die die menschliche Phantasie hervorgebracht hat?
Je kürzere Zeit wir uns von der Liebe beherrschen lassen, umso besser fahren wir.
Jedem kann es mal passieren, dass er Unsinn redet, schlimm wird es erst, wenn er es feierlich tut.
Jeder blickt vor sich, ich blicke in mich.
Jeder Mensch trägt in sich die Gesamtform des Menschseins.
Jeder Tag bringt einen neuen Einfall, unsere Stimmungen verändern sich, wie die Zeit sich bewegt.
Jeder weiß aus Erfahrung, dass die fortgesetzte Gemeinschaft nicht dieselbe Freude bieten kann, als wenn man sich immer einmal entbehrt und dann wieder hat.
Jeder will seinen König, unabhängig von dessen wirklichem Wesen, als ungewöhnlich tüchtig und unerreicht groß hinstellen.
Jeder, der in sich hineinhorcht, entdeckt in sich eine eigene Form, eine Grundgestalt, alles, was zu dieser nicht passt, versucht man abzuwehren, mag die Beeinflussung von außen oder vom Sturm der inneren Leidenschaften kommen.
Jedermann ist bereit, seine Gesundheit, seine Ruhe und sein Leben für Ansehen und Ruhm hinzugeben, und was er da als Zahlung erhält, ist doch die unnützeste, die wertloseste, die falscheste Münze, die es gibt
Jedes Ding hat hundert Glieder und hundert Gesichter.
Kein Mensch ist so vollkommen, dass er nicht zehnmal in seinem Leben den Galgen verdient hätte, wenn er alles, was er getan und gedacht hat, einer strengen gesetzlichen Prüfung aussetzen müsste.
Keine gute Eigenschaft ist so leicht nachzuahmen wie die Frömmigkeit, wenn man Sitten und Leben nicht damit in Einklang bringt, ihr Wesen ist demnach Dunkel, ihr äußeres Gebaren unkompliziert und in die Augen fallend.
Keinem Menschen komme es zu, zu befehlen. wenn er denen nicht überlegen ist, denen er befiehlt.
Kraft und Wert der Liebe sind in der poetischen Darstellung lebendiger und beseelter als in der Wirklichkeit, das dichterische Bild sieht gewissermaßen verliebter aus als die Liebe selbst.
Lächerlich ist die Ansicht, unser Leben sei wertlos, denn es ist doch unser Wesen, unser Alles.
Latein und Griechisch sind zweifellos ein schöner und wirkungsvoller Luxus, aber man bezahlt ihn zu teuer.
Liebe ist eine Leidenschaft, die aus einer Mischung besteht von recht wenig wirklicher Substanz und viel mehr Hirngespinsten und unruhiger Erwartung: Dementsprechend sollten wir sie befriedigen und ihr dienen.
Lieber nicht ganz leicht verständlich als langweilig.
Man kann den Wert eines Lebens nicht nach der Länge messen, er ist vom Inhalt abhängig.
Man kann sich nichts darauf einbilden, dass man die Sinnenlust verachtet und bekämpft, wenn man sie nicht sieht, wenn man sie nicht kennt, und zwar in ihrer ganzen Lieblichkeit, in ihrer ganzen Macht und in ihrer ganzen lockenden Schönheit.
Man kann uns, glaube ich, nie so viel Verachtung zeigen, wie wir verdienen.
Man muss die Krankheiten gewähren lassen.
Man muss die Welt nehmen und sie nutzen, wie man sie eben findet.
Man muss seine Schwächen sehen und studieren, wenn man sie tadeln will: Wer sie vor anderen verbirgt, verbirgt sie gewöhnlich auch vor sich selbst.
Man soll der Natur folgen, je einfacher ich mich ihr anvertraue, umso weiser handle ich.
Man sollte fragen: wer eine wertvollere, nicht, wer eine größere Gelehrsamkeit aufweisen kann.
Man vergleicht die Trunkenheit mit dem Most: Wie dieser, wenn er im Fasse gärt, alles nach oben treibt, was in der Tiefe sitzt, so lässt der Wein in denen, die zu viel getrunken haben, die innersten Geheimnisse zutage treten.
Mancher will sprechen lernen zu einem Zeitpunkt, wo er lernen sollte, endgültig zu schweigen.
Manches Wissen ist nur im Wege und belastet uns, anstatt uns zu fördern, und manches andere vergiftet uns, statt uns zu heilen.
Manchmal ergreift das Altern zuerst den Körper, manchmal aber auch den Geist.
Mangel und Überfluss lassen uns im Grund gleich unbefriedigt.
Mein Buch hat mich ebenso sehr gestaltet, wie ich mein Buch gestaltet habe.
Meine Albernheiten nehme ich selbst nicht wichtiger, als sie es verdienen. Das ist ihr Glück.
Meine Erfahrung lehrt mich, dass man mit Prügeln nichts weiter erreicht, als die Menschen feig, böse und bockig werden zu lassen.
Meinen eigenen Meinungen lege ich keinen hohen Wert bei, aber den Meinungen der anderen ebenso wenig.
Meiner Meinung nach macht das »glücklich leben« die menschliche Glückseligkeit aus und nicht, wie Antisthenes sagte, das »glücklich sterben«.
Meist leisten wir weiter nichts, als, dass wir die Meinungen und das Wissen anderer in Verwahrung nehmen: Das Wesentliche aber wäre, dass wir uns diese Dinge aneignen.
Missbrauch treiben kann man nur mit dem, was gut ist.
Mit dem Tod beginnt eine ganz andere Existenz. Auch in das Erdenleben sind wir mit Tränen und Schmerzen eingegangen, auch bei diesem Neubeginn mussten wir den Schleier des Geheimnisses ablegen, der uns vorher unsere Zukunft verhüllte.
Mit nur einem Strick kann man mich nie anbinden.
Natürlichkeit und reine Wahrheit stellen sich immer noch, wie der Zeitgeist auch ist, als vorteilhaft und anwendbar heraus.
Nicht nur jedes Land, sondern jede Stadt und jeder Beruf prägt seine besonderen Höflichkeitsformen.
Nichts anderes ist so schwer und so weitgreifend mit Fehlern belastet wie Gesetze.
Nichts gefährdet den Staat so sehr wie Umgestaltung. Schon die Tatsache der Änderung begünstigt Unrecht und Gewaltherrschaft.
Nichts ist so schlimm, dass es sich lohnt, den Tod zu suchen, um es zu vermeiden.
Nichts ist so zwiespältig wie der Mensch, er ist asozial und sozial zugleich, asozial wird er durch seine Laster, sozial durch seine Natur.
Nichts verhindert den rechten Genuss so wie der Überfluss.
Niemals haben zwei Menschen die gleiche Sache in ganz derselben Weise beurteilt, und es ist unmöglich, zwei Meinungen zu finden, die genau gleich sind.
Niemand ist dagegen gefeit, dass er einmal etwas Albernes sagt. Ärgerlich ist das nur, wenn einer so etwas mit Pathos von sich gibt.
Niemand kann von sich sagen, er sei auf den Tod gefasst, wenn er Angst davor hat, sich mit ihm auseinander zu setzen, und wenn er seine Nähe nicht ertragen kann, ohne die Augen vor ihm zu verschließen.
Niemand verteilt sein Geld an andere, jedermann seine Zeit und sein Leben. Mit nichts gehen wir so verschwenderisch um wie damit, und allein mit Zeit und Lebenskräften wäre Geiz uns nützlich und ersprießlich.
Nun, ich lege Wert darauf, in meinem Leben das zu tun, worauf ich ein Recht habe und was ich durchsetzen kann, nicht, was ich als Belohnung oder Gnade entgegennehmen muss.
Nur darauf sehen die Eltern bei uns und nur dafür zahlen sie, dass uns die Köpfe mit Wissen voll gestopft werden, ob dadurch Urteilsfähigkeit und sittliche Kraft erreicht wird, danach fragt man kaum.
Nur die Dummen haben sofort eine Überzeugung fertig.
Nur die frühe Jugend ist, glaube ich, im eigentlichen und natürlichen Sinne, die Zeit der Liebe und ebenso die der Schönheit.
Nur durch das Wort werden wir zum Menschen, nur durch das Wort stehen wir miteinander in Verbindung.
Nur ein Phantast kann damit rechnen, dass er einmal an dem Kräfteverfall sterben wird, den das Greisenaltar mit sich bringt, und sich vornehmen, so lange zu leben. Ist das doch die seltenste von allen Todesformen und die ungebräuchlichste.
Nur wer sich seelisch ganz in der Gewalt hat, kann sich ohne Gefahr dem kindlichen Denken anpassen und dabei doch die Führung nicht verlieren.
Ob wir etwas als angenehm oder unangenehm empfinden, das hängt größtenteils davon ab, wie wir uns dazu stellen.
Oft müssen wir uns irren, damit wir uns nicht irren, unser Sehen und Hören beschränken, damit die Sinne besser und schärfer werden.
Ordnung halten ist eine glanz- und lichtlose Tugend.
Philosophieren heißt sterben lernen.
Raserei und Schlaf sind die beiden Tore, durch die man Eintritt zum Rat der Götter erhält, wo man die Zukunft voraussehen kann.
Reden ist nicht dasselbe wie Handeln, man muss bei der Beurteilung die Predigt vom Prediger trennen.
Reines Bücherwissen ist trauriges Wissen.
Ruhm und Ruhe können nicht zusammen wohnen.
Schwäche ist es, wenn wir dem bösen Schicksal keinen Widerstand leisten, aber Torheit, wenn wir ihm auch noch helfen.
Selbst die Beständigkeit ist nichts weiter als ein langsameres Hin und Her.
Selbst die Wonne ist in der Tiefe schmerzreich.
Sich in Gedanken auf den Tod einrichten, heißt, sich auf die Freiheit einrichten.
Sicher hat der Gedanke an den Tod den meisten Menschen mehr Qualen bereitet als das Erleiden des Todes selber.
Sobald ein Weib uns gehört, sind wir ihm nicht mehr untertan.
Sobald etwas Neues Mode wird, wird das Alte abgelehnt, und zwar so unbedingt und so allgemein, dass man darin eine Art Wahn sehen muss.
Sogar die Tugend kann zum Laster werden, wenn wir zu gierig und heftig nach ihr greifen.
Sogar manche Stoiker geben den Rat, gelegentlich eins über den Durst zu trinken, um die Seele zu lockern.
Steht es in der Macht des Menschen zu finden, was er wissen will?
Sterbenkönnen befreit uns von aller Knechtschaft, von allem Zwang.
Störend sind beim Reisen nur die Kosten.
Tapfer sein ist dasselbe wie fest sein, fest nicht mit den Beinen und Armen, sondern fest im Mut und in der Seele.
Tapfer soll man sein um seiner selbst willen, und weil es etwas Schönes ist, das Herz auf dem rechten Fleck zu haben und sich vom Schicksal nicht unterkriegen zu lassen.
Tapferkeit lässt sich nicht am Wert unseres Rosses und unserer Waffen bemessen, sondern nur an unserem Eigenwert.
Treibt uns der Ehrgeiz zur Einsamkeit? Die Antwort muss lauten: Ja! Denn was ist ihm mehr zuwider als Gemeinsamkeit? Was ist ihm wichtiger als Bewegungsfreiheit?
Tugend ist etwas Erfreuliches und Heiteres.
Tugend und Laster haben im Gewissen ihr schweres Eigengewicht, ohne Gewissen liegt alles darnieder.
Überhaupt halten sich ja Gesetze nicht deshalb, weil sie gerecht sind, sondern weil es Gesetze sind. Dies ist die geheimnisvolle Begründung ihrer Gültigkeit, sie haben keine andere.
Um seine Kinder braucht sich heutzutage niemand zu sorgen. Wenn sie zu nichts taugen, können sie noch immer in die Politik gehen.
Uns etwas verbieten heißt uns danach lüstern machen.
Unser Geist ist ein Arbeitsgerät, unruhig, gefährlich und vermessen, er fügt sich nur schwer der Ordnung und dem Maß.
Unser Suchen kann kein Ende finden: Unser Ziel ist in der anderen Welt.
Unser Wesen wird durch einen Kitt von Mängeln zusammengehalten.
Unsere Seele soll ihre Rolle nicht vor der Außenwelt spielen, sondern zu Hause, in unserem Inneren, wohin keine Augen reichen als unsere eigenen.
Unsere Seele weitet sich in dem Maße, wie ihr neue Inhalte zugeführt werden.
Unsere Weisheit ist weniger weise als der Wahnsinn, unsere Träume sind gescheiter als die logischen Überlegungen, das, worauf wir uns am wenigsten verlassen können, das sind wir selbst.
Unsere Wünsche wachsen mit den Schwierigkeiten, denen sie begegnen.
Unserem menschlichen Wollen ist es nie gelungen, die Ziele zu erreichen, die wir uns gesteckt haben, und wenn es doch einmal gelungen wäre, würden wir wieder Höheres von uns verlangen und diesem nur ebenso eifrig und vergeblich nachjagen.
Unter dem Schutz von Vorurteilen gelingt es der Seele wunderbar, zur inneren Ruhe zu gelangen.
Unterwerfung und Gehorsam sind wir allen Königen schuldig, dies gilt ihrem Amt, aber zur Achtung und erst recht zur Liebe sind wir ihnen gegenüber nur wegen ihres inneren Wertes verpflichtet.
Unwissenheit und Sorglosigkeit, ach, was bilden sie doch für ein weiches, angenehmes und zugleich gesundes Kissen zum Ausruhen für einen Menschen mit guten Anlagen.
Unwissenheit, die sich ihrer bewusst wird, die sich beurteilt und verurteilt, ist keine vollständige Unwissenheit.
Verdrießlichkeit und Schwäche erzeugen in uns eine schleimige Tugend.
Viele nennen Diensteifer, was weiter nichts ist als ihr Hang zur Bosheit und Gewalttätigkeit, bei ihrem Eifer haben sie nicht die Sache, sondern ihren Vorteil im Auge.
Vom Ziel weg führen tausend Wege, zum Ziel hin nur einer.
Warum fürchtest du deinen letzten Tag? Er ist kein größerer Schritt zu deinem Tod als alle anderen Tage: Die Müdigkeit wird nicht durch den letzten Schritt verursacht, sie wird nur sichtbar bei ihm.
Warum hat man die Sitte erfunden, die schönen Dinge, die jede Frau zeigen und die jeder Mann sehen möchte, bis hinunter zu den Fersen zu verhüllen?
Was anmutig ist, bemerken wir nur, wenn es überspitzt, geschwollen, verkünstelt auftritt: Geht es im einfachen Kleid der Selbstverständlichkeit einher, so wird es von einem groben Blick, wie wir ihn haben, leicht übersehen.
Was die Kinder an die Eltern bindet, ist eher der Respekt.
Was erwarten eigentlich die Leute davon, wenn sie immer heucheln und sich verstellen? Schließlich glaubt man ihnen doch nicht mehr, auch wenn sie die Wahrheit sagen.
Was heute geschieht, ist eine ebenso ergiebige Quelle der Erkenntnis wie die Ereignisse zur Zeit des Homer oder des Plato.
Was ich an Ruhm in meinem Leben erstrebt, besteht einzig darin, dass ich es ruhig gemeistert habe. Und zwar ruhig nicht nach philosophischen Lehrmeinungen, sondern nach dem Gesetz in mir.
Was ich an unseren gegenwärtigen Zuständen auszusetzen habe, ist die Unbeständigkeit: Die Gesetze stellen, ebenso wie die Kleidermoden, keinen Dauerzustand dar.
Was ist das doch für eine niedrige und dumme Bemühung, sein Geld nachzurechnen, es mit Behagen durch die Finger gleiten zu lassen, es nachzuwiegen und immer wieder durchzuzählen. Das ist der Weg, auf dem der Geiz heranschleicht.
Was nützen mir die Farben, wenn ich nicht weiß, was ich malen soll?
Was nützt dem das Wissen, der keinen Kopf mehr hat?
Was soll ich mit einem Gut, mit dem ich nichts anfangen kann?
Was wir aufbauen, sowohl draußen wie daheim, ist voll von Unvollkommenheiten: Aber es gibt nichts ganz Nutzloses in der Natur, nicht einmal die Nutzlosigkeit selbst.
Was wir gewöhnlich Freunde und Freundschaft nennen, ist weiter nichts als eine durch Zufall zustande gekommene nähere Bekanntschaft, an die man sich gewöhnt hat und durch die ein gewisser geistiger Austausch erleichtert wird.
Was wir im Zorn sehen und hören, das nehmen wir nicht auf, wie es ist.
Was wir lernen müssen, ist, nicht nach mehr Ruhm gierig zu sein, als uns zukommt.
Was wir lieben, erscheint uns schöner, als es ist.
Weil ich jung war und weil mir's Spaß machte, deshalb habe ich früher keineswegs verkannt, was in der Sinnenlust Sünde war, und weil es mich jetzt, wegen meiner Jahre, nicht mehr reizt, verkenne ich auch nicht, was für Wonnen die Sünde bringen kann.
Wenn Berufspolitiker einen Auftrag übernehmen, so verdecken sie gewöhnlich ihre wirklichen Absichten.
Wenn der Geist sich zufrieden gibt, ist das immer ein Zeichen, dass er sich verengt, oder es ist ein Zeichen von Müdigkeit.
Wenn der Mensch die Zurechnungsfähigkeit und die Selbstbeherrschung verliert, so ist das der schlimmste Zustand, in den er geraten kann.
Wenn der menschliche Geist sich nicht auf ein bestimmtes Thema konzentriert, durch das er in Zucht gehalten wird, schweift er ordnungslos nach allen Richtungen in dem unbegrenzten Reich der Phantasie umher.
Wenn der wahre Tugendheld kein Glück im gewöhnlichen Sinne hat, so ist er darüber erhaben, er braucht es nicht, er schmiedet sich ein anderes Glück, das seinem Wesen ganz entspricht und nicht schwankt und schwindet.
Wenn die Leute mir vorwerfen, dass ich zu viel von mir spreche, so werfe ich ihnen vor, dass sie überhaupt nicht mehr über sich selber nachdenken.
Wenn die Meinungen aufeinander stoßen, so fühle ich mich keineswegs beleidigt oder verärgert, ich werde dadurch nur munter und aufmerksam.
Wenn die Vögel sich Götter erfinden, wie sie es höchstwahrscheinlich tun, sehen diese Götter sicher aus wie sie selbst.
Wenn du nicht weißt, wie du mit dem Tod fertig werden sollst, so braucht dir das keinen Kummer zu machen, die Natur wird es dich zur rechten Zeit lehren, vollständig und ausreichend.
Wenn einer alles sagt, fühlen wir sofort Übersättigung und Ekel. Wer in der Formulierung zurückhaltend ist, der bringt uns dazu, dass wir weiter denken, als es dasteht.
Wenn es dir gelingt, die innere Ruhe zu erobern, so hast du mehr getan als derjenige, der Städte und ganze Reiche erobert hat.
Wenn ich mein Leben noch einmal zu leben hätte, würde ich wieder so leben, wie ich gelebt habe: Ich bedaure nicht, was vergangen ist, und ich fürchte nicht, was noch kommen soll.
Wenn meine Untertanen nichts Böses gegen mich unternehmen, so bezeugt das noch keineswegs ihre freundliche Gesinnung.
Wenn wir alles, was wir nicht begreifen, für bedeutungslos erklären, so liegt darin eine gefährliche und folgenschwere Dreistigkeit.
Wenn wir es fertig gebracht haben, einheitlich und ruhig zu leben, bringen wir es auch fertig, einheitlich und ruhig zu sterben.
Wenn wir schon vor dem Rausch Kopfschmerzen bekämen, würden wir uns hüten, zu viel zu trinken. Aber erst kommt die Lust, die uns täuscht und nicht daran denken lässt, was dann kommt.
Wenn wir uns bewusst würden, was für eine scheußliche und ernste Sache das Lügen ist, würden wir mit Feuer und Schwert dagegen angehen.
Wenn wir zu vielerlei uns aneignen wollen, so verhindern wir unseren Geist, das Einzelne richtig zu packen und festzuhalten.
Wer die Qualen der Folter aushalten kann, sagt die Wahrheit nicht, und wer sie nicht aushalten kann, auch nicht.
Wer es nötig hat, sich zu verstellen und sich unter einer Maske zu verbergen, und wer nicht den Mut aufbringt, sich zu zeigen, wie er ist, der ist eine Memme oder ein Knecht.
Wer gegen sein besseres Wissen für das Gedächtnis eines Fürsten, der kein Lob verdient, eintritt, weil er persönlich ihm zu Dank verpflichtet war, der urteilt parteiisch und nicht wirklich gerecht.
Wer gehenkt ist, wird nicht gebessert, höchstens werden andere durch ihn gebessert.
Wer immer empfindlich gewesen ist, der ist es in der Todesschwäche noch mehr, er braucht in dieser großen Not eine liebe Hand, die mit ihm fühlt, die ihn streichelt, wo es ihm gerade weh tut, oder die ihn gar nicht anrührt.
Wer immer nach Gründen fragt und auf seinem Recht besteht, für den gibt es keinen reinen und ruhigen Gehorsam.
Wer in der Wahrheit unglaubwürdig ist, der ist es auch in der Lüge.
Wer klug wäre, würde den wahren Wert jeder Sache daran messen, wie weit sie für sein Leben nützlich und verwertbar ist.
Wer mit dem Anfang nicht zurechtkommt, kommt mit dem Ende erst recht nicht zurecht.
Wer mit dem Gericht zu tun hat, ganz gleich, wer es ist, verliert immer dabei.
Wer nicht heucheln kann, kann nicht regieren.
Wer nicht sklavisch an seinen Kindern hängt oder an den Ehren, der kommt, auch wenn er sie verliert, immer noch ganz gut mit dem Leben aus.
Wer nicht wagt, offen von sich zu sprechen, dem fehlt es irgendwie an Mut.
Wer nicht wartet, bis er Durst hat, der hat keine rechte Freude an einem guten Trunk.
Wer nichts zu geben hat, der soll zu stolz sein, um etwas zu borgen.
Wer sich im Strom der Welt bewegt, muss Umwege machen, Rücksichten nehmen, sich im Tempo angleichen, ja, vom geraden Weg abgehen, je nach der Situation.
Wer zu sterben gelernt hat, den drückt kein Dienst mehr: Nichts mehr ist schlimm im Leben für denjenigen, dem die Erkenntnis aufgegangen ist, dass es kein Unglück ist, nicht mehr zu leben.
Wer zuerst auf den Gedanken kam, Ruhm und Schatten zu vergleichen, hat etwas Richtigeres gesagt, als er eigentlich beabsichtigte.
Wertmäßig ist das Wissen fast indifferent. Es ist ein sehr nützliches Hilfsmittel für einen echten Gebildeten, aber verderblich und schädigend bei anderer Veranlagung.
Wie das Schenken etwas von einer Überhebung und von einem Vorrecht an sich hat, so das Annehmen von einer Unterordnung.
Wie die Pflanzen bei zu viel Nässe eingehen und die Lampen bei zu reichlicher Ölzufuhr ausgehen, so wird der Geist bei Überanstrengung und Überfütterung aktionsunfähig.
Wie die Sinne den Verstand betrügen, so werden sie auch selbst betrogen, manchmal zahlt unsere Seele den Betrug, den sie erfährt, mit gleicher Münze heim.
Wie viele Menschen sind krank geworden, bloß weil sie sich einbildeten, es zu sein! Sie lassen sich behandeln und allerlei Mittel eingeben, um Leiden zu heilen, die sie nur fühlen, weil sie sie sich ausdenken.
Wir bestehen alle aus Stücken, und diese sind so uneinheitlich zusammen gefügt, dass jeder einzelne Bestandteil, zu jeder Zeit wieder anders, ,seine Rolle für sich spielt.
Wir bestehen aus lauter Äußerlichkeiten, wir denken an das äußere Gebaren und vernachlässigen darüber das Wesentliche.
Wir haben eine vielgestaltige Seele sie genügt sich selbst als Umgang, sie ist so reich, dass die Gegensätze in ihr Angriff und Verteidigung spielen, Geschenke empfangen und Geschenke austeilen können.
Wir heiraten nicht für uns, wie es zunächst scheint, wir heiraten ebenso sehr für unsere Nachkommenschaft, für unsere Familie.
Wir können die Wilden also Barbaren nennen, wenn wir ihr Vor gehen von der Vernunft aus beurteilen, aber nicht, wenn wir sie mit uns vergleichen, denn wir sind in vieler Beziehung barbarischer.
Wir leben immer in Beziehung auf unsere Mitmenschen, diese unsere Beschaffenheit, sie mag angelernt oder angeboren sein, bringt uns mehr Nachteil als Vorteile.
Wir müssen eben der Natur etwas nachgeben: Sie versteht ihr Geschäft besser als wir.
Wir sehen an tausend Beispielen, dass die Heilung gewöhnlich auf Kosten der Gesundheit erfolgt.
Wir sind auf dem Mont Cenis dem Himmel nicht näher als im tiefen Meer.
Wir sind nie recht zu Haus, wir schweben immer irgendwie über der Wirklichkeit.
Wir sollten mit mehr Ehrfucht vor der unendlichen Macht der Natur vorgehen, wenn es gilt, ihre Grenzen zu bestimmen, und mit mehr Verständnis für die Beschränkung und die Schwäche unseres Urteils.
Wir sollten, soweit das von uns abhängt, immer fertig und marschbereit sein.
Wir stehen mit einem Fuß im Grabe, und doch fangen unsere Wünsche und Ziele immer wieder von vorn an.
Wir treiben die Sache, von der wir besessen sind und getrieben werden, niemals gut vorwärts.
Wir verlassen uns so vollständig auf die Hilfe von außen, dass unsere eigenen Geisteskräfte verkümmern.
Wir wagen es nicht, unsere Glieder mit ihren eigentlichen Namen zu benennen, und benutzen sie ohne weiteres zu allerart nicht sehr anständigen Funktionen.
Wissen und Wahrheit können ohne Urteilskraft in uns wohnen, und auch die Urteilskraft ohne die anderen zwei: Ist doch die Erkenntnis des Nichtwissens einer der schönsten und sichersten Beweise für die Urteilskraft.
Wo der Tod auf uns wartet, ist unbestimmt, wir wollen überall auf ihn gefasst sein.
Wunder und schwierig zu erklärende Vorgänge brauchen wir nicht in der Ferne zu suchen.
Zu Anfang haben wir unser Tun in der Hand, es ist in unserer Gewalt, aber dann, wenn die Sache läuft, führt sie die Zügel und nimmt uns mit, und wir haben zu folgen.
Zugunsten der Wahrheit und der Freiheit muss man sich manchmal über die üblichen Regeln des guten Tons hinwegsetzen.
Zur Vergöttlichung eignen sich die Objekte am besten, die uns am wenigsten bekannt sind.
Zwischen einem Idealmenschen und einem gewöhnlichen Menschen ist der Unterschied größer als der zwischen manchen Menschen und manchem Tier.
An der Gaukelei teilnehmen und auf der B?hne eine anst?ndige Rolle spielen, das kann jeder, aber im Inneren und in seiner Brust, wo alles f?r uns erlaubt ist und wo alles verborgen bleibt, dort mit sich im Reinen zu sein, das ist der springende Punkt.
An nichts glaube ich so schwer bei den Menschen als an ihre Best?ndigkeit, an nichts so leicht wie an ihre Unbest?ndigkeit.
An sich ist das Leben nichts Gutes und nichts B?ses, es ist der Hintergrund, auf dem ihr selbst Gutes und B?ses anbringen k?nnt.
An sich ist es ja gleichg?ltig, ob man sein Geld spart oder ausgibt, gut oder schlecht kann nur genannt werden, was wir damit wollen.
Anma?ung ist unsere eigentliche angeborene Krankheit.
Auch was wir Gewissen nennen und was wir doch gew?hnlich als naturgegeben auffassen, hat seinen Ursprung in der Gewohnheit.
Auf Brachland wuchert, wenn der Boden fett und gehaltreich ist, vielerlei nutzloses Unkraut. So ist es auch mit dem menschlichen Geist.
Auswendig wissen ist kein wirkliches Wissen.
Bei dem ehrbaren Gesch?ft der Ehe ist der Geschlechtstrieb in der Regel nicht so munter, da ist er tr?ber und stumpfer.
Bei der Liebe, bei der haupts?chlich der Gesichts und der Tastsinn wirken, kommt man zur Not ohne geistige Reize zum Ziel, aber nicht ohne k?rperliche Reize.
Bei einem Windhund kommt es auf die Schnelligkeit, nicht auf das Halsband an.
Bei unseren Unterrichtsmethoden ist es kein Wunder, wenn weder Lernende noch Lehrende dadurch brauchbarer f?r das Leben werden, trotz der Gelehrsamkeit, die sie aufnehmen.
Beim Abschied wird die Zuneigung zu den Dingen, die uns lieb sind, immer ein wenig w?rmer.
Beim Sterben hat die Gemeinschaft nicht mitzuspielen, dieser Akt ist ein Monolog.
Bekanntlich hat man in krummer, geb?ckter Haltung weniger Kraft zum Lastentragen. So geht es auch der Seele. Wir m?ssen sie aufrichten und straffen.
Bescheidenes Auftreten und die Kunst, den Mund zu halten, sind Eigenschaf ten, durch welche die Unterhaltung au?erordentlich gef?rdert wird.
Besonders in einer so verderbten und t?richten Zeit wie der unseren ist der Beifall der Menge eher beleidigend.
Bitternisse und S??igkeiten der Ehe werden von den Weisen geheim gehalten.
B?cher haben viel Angenehmes f?r die, welche die richtigen aussuchen k?nnen, aber: ohne Schwei? kein Preis.
Caesars Leben ist nicht lehrreicher f?r uns als unser eigenes Leben.
Da die Philosophie keinen Weg zur inneren Ruhe hat finden k?nnen, der allgemein g?ltig w?re, muss jeder diesen Weg in seinem Inneren suchen.
Da wenige gute Beispiele vorhanden sind, von denen ich etwas lernen k?nnte, ziehe ich meinen Nutzen aus den schlechten, und diese gibt es in F?lle.
Das Alter gr?bt uns mehr Falten in den Geist als in das Gesicht.
Das Altern ist eine heimt?ckische Krankheit, die sich ganz von selbst und unbemerkt einschleicht.
Das deutlichste Anzeichen der Weisheit ist eine immer gleich bleibende Heiterkeit.
Das Erste, was ich ?ber die f?nf Sinne des Menschen denke, ist, dass ich es als zweifelhaft hinstelle, ob er ?ber alle Sinne verf?gt, die es gibt.
Das Gemeinschaftsgef?hl erkaltet leicht, wenn man zu regelm??ig beisammen ist.
Das Gespr?ch ist, meiner Ansicht nach, die lohnendste und nat?rlichste ?bung unseres Geistes: Keine andere Lebensbet?tigung macht mir so viel Freude.
Das gleiche Ziel wird auf verschiedenen Wegen erreicht.
Das Gute, das zur Schau gestellt wird, ist halb entwertet.
Das ist nicht die rechte Keuschheit und M??igung, wenn Katarrhe uns diese Tugenden bescheren.
Das Leben ist eine ungleichartige, unregelm??ige, vielgestaltige Bewegung.
Das meiste auf der Welt geht von selbst, der Erfolg l?sst oft ganz t?richtes Verhalten berechtigt erscheinen.
Das Meisterst?ck eines Menschen, auf das er besonders stolz sein kann, ist, sinnvoll zu leben, alles ?brige, wie regieren, Sch?tze sammeln, Bauten errichten, sind Nebensachen.
Das Menschenauge kann von der Wirklichkeit nur erfassen, was seiner Aufnahmef?higkeit entspricht.
Das Menschenleben hat seine Gesetze, man muss sich ihnen mit freundlichem Gesicht f?gen: Es ist uns bestimmt, zu altern und manchmal schwach oder krank zu werden, und zwar aller ?rztekunst zum Trotz
Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat.
Das Moralische hat seinen Lohn in sich, es kann auf Leitung, auf Worte, auf Wirkung verzichten.
Das Schicksal hat keinen Einfluss auf unseren Charakter, im Gegenteil: Der Charakter bestimmt das Schicksal und modelt es um.
Das Schlechte, was man von sich sagt, findet immer Glauben, das Gute nicht.
Das Schlimmste, was ich tue und denke, scheint mir nicht so h?sslich, wie ich es h?sslich und feig finde, wenn ich nicht den Mut habe, mich dazu zu bekennen.
Das Sterben ist gemeiner, matter und m?hseliger im Bett als in der Schlacht: Fieber und Katarrhe tun ebenso weh und f?hren ebenso zum Tode wie ein Schuss.
Das Unbehagen, weiches unsere W?nsche uns bereiten, ist ?hnlich wie das, welches ihrer Erf?llung folgt.
Das Unlogische lockt die Frauen.
Das unseligste und gebrechlichste aller Gesch?pfe ist der Mensch, und immer wieder auch das stolzeste.
Das Urteil, das ich selbst ?ber mich spreche, trifft mich unmittelbarer und h?rter als das der Richter, diese m?ssen mich so nehmen, wie ich nach dem Zivilrecht verpflichtet erscheine, mein Gewissen packt viel fester zu und ist viel strengen.
Das Wesentliche bei der Liebe ist ein unstillbares Sehnen nach einem Ziel, das immer entweicht, sobald die Liebe in Freundschaft hin?ber greift, das hei?t, wenn die Herzen sich finden, verliert sie an Feuer und Kraft.
Das Wichtigste ist, Lust und Liebe zur Sache zu wecken, sonst erzieht man nur gelehrte Esel.
Das, worauf wir uns am wenigsten verlassen k?nnen, das sind wir selbst.
Dein Tod gliedert sich in die Weltordnung ein, er ist ein St?ck Leben dieser Welt.
Dem Verw?hnten schmeckt der Wein fade, dem Gesunden kr?ftig, dem Verdurstenden herrlich: Jeder ?bertreibt in seiner Richtung.
Den eigenen Gedanken nachgehen, das kann, je nach Pers?nlichkeit, die bequemste oder die anstrengendste Besch?ftigung sein, die es gibt. Die gr??ten Seelen machen daraus ihren Lebensinhalt.
Den Tod nicht zu verneinen, steht eigentlich nur denen wohl an, die das Leben bejahen.
Der Dichtung ist mit unserem Verstand nicht beizukommen, sie rei?t ihn mit sich fort und wirft ihn um.
Der Einklang ist bei der Diskussion etwas ganz Unerw?nschtes.
Der Geist ist ein gef?hrliches Schwert, gef?hrlich auch f?r den, der es tr?gt, wenn er die Waffe nicht ordentlich und vorsichtig zu gebrauchen versteht.
Der junge Mann soll die S?nde nicht deshalb meiden, weil er ihr k?rperlich oder geistig nicht gewachsen ist, sondern weil er sie nicht will.
Der Junge soll seine Kraft auf die Vorbereitung, der Alte auf die Nutzung verwenden.
Der K?rper kann eine gr??ere Last tragen, wenn man ihn strafft, mit der Seele ist es genauso.
Der Kranke, der das wirkende Mittel immer zur Hand hat, ist nicht zu beklagen.
Der Mann, der im Altertum sagte, er f?hle sich den Jahren dankbar verpflichtet, weil sie ihn von der Sinnenlust befreit h?tten, war anderer Ansicht als ich: Die Impotenz begr??e ich sicher nie, auch wenn sie mir noch so gesund ist.
Der Mensch hat, f?rchte ich, von der Natur selbst etwas wie einen Instinkt zur Unmenschlichkeit mitbekommen.
Der Mensch nimmt eben als Ganzes erst zu und dann ab.
Der Menschengeist hat keinen Halt, wenn er sich in der Unbegrenztheit gestaltloser Gedanken bewegt: Er muss sie zu bestimmten Bildern verdichten, die seiner Welt entnommen sind.
Der Mut zu einem Fehltritt wird in gewissem Sinne gebunden und kompensiert durch den Mut, ihn zuzugeben: Wer sich an die Verpflichtung hielte, alles zu sagen, der f?hlte auch die Verpflichtung, nichts zu tun, was man verschweigen muss.
Der Schlaf erstickt und unterdr?ckt unsere seelischen Kr?fte, der Geschlechtsakt saugt sie ebenso auf und l?sst sie verschwinden.
Der Sch?ler soll nicht nur ?ber die Worte, sondern vor allem ?ber den Sinn und den Inhalt dessen, was er gelernt hat, Auskunft geben k?nnen.
Der Sieg ?ber mich selbst macht mich viel stolzer, wenn ich, selbst in der Hitze des Gefechts, von den starken Gr?nden meines Gegners mich ?berzeugen lasse, als wenn ich ihn besiege, weil er nichts Vern?nftiges zu sagen hat.
Der Tod ist nur ein Augenblick, aber er ist ein so gewichtiger Augenblick, dass ich leicht viele Tage meines Lebens daf?r g?be, um ihn zu ?berstehen, wie ich m?chte.
Der Tod ist umso sch?ner, je mehr der Mensch ihn selbst will. Unser Leben h?ngt vom Willen anderer ab, der Tod von unserem eigenen Willen.
Der Tod ist wie eine Speise, die man schlucken muss, ohne zu kauen, wenn man nicht eine ganz unempfindliche Kehle hat.
Der Verstand ist ?berall zu brauchen und redet in alles hinein.
Der wahre Weise ist hoch erhaben ?ber K?nigsw?rde und Herzogstitel?, er hat sein Herrschaftsbereich in seinem Inneren.
Der Weise kann sich ?berall wohl f?hlen, auch allein und auch unter der Menge in einem Schloss. Aber wenn er die Wahl hat, weicht er ihr lieber aus, wenn es sein muss, ertr?gt er sie, aber wenn er kann, w?hlt er die Einsamkeit.
Der Wert und die H?he der wahren Tugend zeigt sich darin, dass ihre Anwendung leicht, n?tzlich und erfreulich ist.
Die Achtung, die ein Mensch verdient, und sein Wert h?ngen ab von seinem Mut und seinem Willen: Hierin liegt seine wahre Ehre.
Die am wenigsten gespannte und nat?rlichste seelische Haltung ist die sch?nste, das beste Tun ist das, welches am wenigsten krampfhafte Anstrengung verlangt.
Die anderen Sch?nheiten alle sind f?r die Frauen, der sch?ne Wuchs ist die einzige Sch?nheit des Mannes.
Die Armut an G?tern ist leicht zu beheben, bei der seelischen Armut ist das unm?glich.
Die Briefe, die mir am meisten M?he machen, taugen am wenigsten.
Die B?cherschmiererei ist eine Verfallserscheinung. Wann wurde bei uns so viel geschrieben, wie seitdem es drunter und dr?ber geht? Wann bei den R?mern so viel als in der Zeit des Niedergangs?
Die Deutschen trinken jeden Wein fast gleich gern. Ihr Ziel ist es, sich voll laufen zu lassen, das ist ihnen wichtiger, als hinter den Geschmack zu kommen.
Die Ehe ist ein Vertrag, nur der erste Anfang ist frei, der Fortbestand wird durch Zwang und Gewalt durchgesetzt.
Die Ehe ist eine fromme Bindung, die auf Ehrerbietung beruht, die Freuden, die sie gew?hren kann, sollten deshalb einen Schleier von Zartheit, Zur?ckhaltung und Ernst bewahren, der Geschlechtsgenuss sollte etwas von der Verantwortung ged?mpft bleiben.
Die Erfahrung lehrt, dass ein ausgezeichnetes Ged?chtnis oft mit einer schwachen Urteilskraft zusammengeht.
Die Erf?llung liegt in dem, was genug ist.
Die Freiheit meines Urteils ist mir so wichtig, dass auch die leidenschaftlichste Zu- und Abneigung mich nicht davon abbringen kann.
Die Freundschaft lebt vom ungehinderten Gedankenaustausch.
Die ganze weite Welt ist der Spiegel, in dem wir uns betrachten m?ssen, um den richtigen Blick f?r die Selbstbeobachtung zu bekommen.
Die Gesellschaft hat kein Recht auf unsere Gedanken.
Die Gesundheit ist ein kostbares Gut, nur sie ist es eigentlich wert, dass man daf?r seine Zeit, seinen Schwei?, seine Arbeit und sein Geld, ja sogar sein Leben einsetzt.
Die Gewohnheit hat die Kraft, unser Leben zu formen, und zwar nach ihrem Gutd?nken, ihr Einfluss ist grenzenlos, es ist der Zaubertrank der Circe, der unsere Natur in jeder Richtung umzugestalten vermag.
Die Gew?hnung stumpft unsere Sinne ab.
Die gr??te Weisheit in der Kriegskunst besteht darin, den Feind nicht bis zur Verzweiflung zu treiben.
Die Hauptaufgabe, die wir haben, ist f?r jeden sein eigenes Verhalten, dazu sind wir auf der Erde.
Die innere Gr??e besteht nicht darin, sich m?glichst weit nach oben oder nach vorw?rts zu recken, sondern darin, sich zu bescheiden und zu beschr?nken.
Die Jagd nach Ruhm und Ehre ist die verbreitetste von allen Torheiten dieser Welt.
Die Krankheit aller bedeutet f?r den Einzelnen Gesundheit.
Die Lebensweisheit hat nichts gegen die nat?rliche Sinnenlust einzuwenden, solange das Ma? beachtet wird, sie predigt M??igung, nicht Flucht vor ihr.
Die Leitung eines Haushaltes bringt kaum weniger ?rger als die eines ganzen Staates.
Die Liebe ist eine wache, lebendige, freudige Erregung.
Die meisten Menschen lassen sich vom Ehrgeiz bestimmen, sie suchen nicht die Befriedigung durch die Sache, sondern die durch den Schein.
Die meisten Menschen vermieten sich, sie verwenden ihre Kr?fte nicht f?r sich, sondern f?r die, von denen sie sich beherrschen lassen: Nicht sie selber sind bei sich zu Hause, sondern ihre Mieter.
Die meisten Missverst?ndnisse auf Erden beruhen auf sprachlichen Missverst?ndnissen.
Die meisten reisen nur, um wieder heimzukehren.
Die Natur hat uns frei und beweglich in die Welt gesetzt, wir sperren uns selbst in bestimmte Beschr?nkungen ein.
Die Natur hat uns Menschen f?r das Zusammenleben geschaffen.
Die Naturgesetze lehren uns, was wir eigentlich brauchen.
Die Philosophie hat den Menschen immer etwas zu bieten wenn sie kaum geboren sind und auch noch, wenn sie im Alter wieder kindisch werden.
Die Philosophie ist, und zwar auch bei gescheiten Leuten, nur ein leeres Wort, das keine Beziehung zur Wirklichkeit hat.
Die Prediger wissen, dass die Erregung, die sie beim Sprechen ergreift, sie im Glauben st?rkt.
Die richtig verstandene Tugend kann auch mit dem Reichtum, mit der Macht, mit der Gelehrsamkeit etwas anfangen, sie bleibt dieselbe, auch wenn das Bett weich ist und lieblich duftet.
Die Seele f?hlt sich wohl, wenn die Philosophie in ihr wohnt, diese seelische Gesundheit wird auch auf die k?rperliche Gesundheit ?bergreifen.
Die Seele gibt dem Druck der ersten ?berzeugung umso leichter nach, je weniger sie ?ber einen eigenen Inhalt und ein inneres Gegengewicht verf?gt.
Die Seele kann alles sehen und bef?hlen, aber n?hren kann sie sich nur von ihrem eigenen Gehalt, sie soll nur lernen, was sie wirklich angeht, was wirklich ihr Besitz und ihre Substanz werden kann.
Die Speisen, die f?r ein Kind gesund sind, muss man ihm vers??en, und die, welche ihm sch?dlich sind, verg?llen.
Die Trunksucht ist grob und brutal, dadurch unterscheidet sie sich, wie es mir vorkommt, von den anderen Lastern. Die anderen sind sozusagen geistiger.
Die Tugend hat ihr Ziel in sich selbst, wenn wir ihre Maske f?r einen anderen Zweck borgen, so entlarvt sie uns in der Regel sehr bald.
Die Unschuld selbst k?nnte heutzutage in unserer Welt ohne Verstellung keine Verhandlungen f?hren und ohne L?gerei keine Gesch?fte machen.
Die Unsicherheit, die unseren Sinnen anhaftet, macht alles, was sich aus den Sinneswahrnehmungen ergibt, unsicher.
Die Wahrheit sagen ist der erste und wichtigste Schritt zum Guten, die Wahrheit hat ihren Wert in sich.
Die Welt besteht aus lauter Geschw?tz, jeder Mensch redet eher zu viel als zu wenig.
Die W?nsche, deren Ziel wir sehen k?nnen, geh?ren zur Natur, die aber, die immer wieder schwinden und deren Erf?llung wir nicht erreichen k?nnen, sind unser eigenes Werk.
Dieses Ruhmgef?hl hat offenbar zwei Seiten: Man kann sich selbst zu hoch und andere zu gering einsch?tzen.
Du st?tzt dich auf die M?rchen der ?rzte: Sieh lieber hin, wie es wirklich aussieht und was die Erfahrung lehrt!
Durch Seelenstimmungen werden unsere Sinneswahrnehmungen nicht nur gef?rbt, sondern oft geradezu gel?hmt.
Ein bedauernswerter Mensch ist in meinen Augen, wer in seinem Heim keinen Platz hat, wo er sich selbst geh?rt, wo er sich nur um sich allein bem?ht, wo er verborgen sein kann.
Ein edles Herz verleugnet seine Gesinnung nicht, es ist ihm recht, wenn man ihm bis ins Innere sieht.
Ein junger Mann muss seine Gewohnheiten manchmal durchbrechen, um seine Kr?fte wach zu halten und um zu vermeiden, dass sie faul und feige werden.
Ein m?rrischer, unzufriedener, zerfahrener Reicher erscheint mir ungl?cklicher als ein Armer, der weiter nichts als arm ist.
Ein rechter Mann l?sst sich auch durch das schlimmste Unwetter nicht daran hindern, seinem Ziele gleichm??ig zuzustreben.
Ein Vater spricht nicht gern von den Gebrechen seines Kindes, auch wenn er den Buckel oder den Kopfgrind deutlich sieht.
Eine gute Ehe, wenn ?berhaupt eine solche existiert, will nicht zugleich Liebe sein und sich so geben: Sie m?chte eine Art Freundschaft verk?rpern.
Eine Wahrheit ist nicht deshalb vern?nftiger, weil sie alt ist.
Einen in Ruhe sterben zu lassen, gilt als Pflichtverletzung, als Lieblosigkeit und Gleichg?ltigkeit.
Einfach t?tig sein, wird unserem Geist so leicht, dass er sogar beim Schlafen weiterarbeitet, aber man muss ihn vorsichtig ansto?en.
Entweder muss man sich der Autorit?t unserer Kirchenlehre vollst?ndig unterwerfen oder sich vollst?ndig ?ber sie hinwegsetzen.
Erst dann kann man von einem Sieg sprechen, wenn durch ihn der Krieg beendet ist.
Erst wenn das Leben vorbei ist, lehrt man uns gew?hnlich, wie wir leben sollten.
Es gelingt uns mit aller Anstrengung nicht, etwas zu schaffen wie das Nest des unscheinbarsten V?gleins mit seinem sinnvollen, sch?nen und zweckm??igen Bau, oder wie das Netz der winzigen Spinne.
Es gen?gt nicht, einem Jungen die Seele zu st?hlen, man muss ihm auch die Muskeln st?hlen: Es wird zu viel von der Seele verlangt, wenn sie keine Unterst?tzung erh?lt, allein ist sie der doppelten Belastung nicht gewachsen.
Es gen?gt, sich das Gesicht zu schminken, bei der Brust ist das ?berfl?ssig.
Es gibt auch niedrige seelische Funktionen, wer diese Seite des Innenlebens nicht beachtet, versteht die Menschen nur halb, in den einfachen Regungen belauscht man die Seele vielleicht am besten.
Es gibt berechtigte Laster, wie es allerlei Handlungen gibt, die, obwohl sie gut oder entschuldbar sind, doch als unberechtigt bezeichnet werden m?ssen.
Es gibt keine Regierungsweise, bei der nicht etwas von falschem Pomp und von Aberglauben dabei ist, solche Mittel dienen als Z?gel, um damit das Volk bei der Stange zu halten.
Es gibt L?nder, wo der Tod von Kindern betrauert, der von Alten aber festlich gefeiert wird.
Es gibt noch eine andere Art der Ruhmsucht. Sie besteht darin, dass wir unseren Wert und unsere Verdienste ?bersch?tzen.
Es gilt als r?hmlich, ?ber Sittsamkeit, Keuschheit und Enthaltsamkeit zu triumphieren. Wer von den Damen verlangen wollte, nicht so spr?de zu tun, der tut ihnen einen schlechten Dienst und sich auch.
Es hilft nun einmal nichts: Wer aus dem Jungen einen richtigen Mann machen will, der darf ihn bestimmt in den jungen Jahren nicht schonen, und es ist unvermeidlich, dass man dabei oft gegen die Vorschriften der Medizin verst??t.
Es ist doch eine elende Heilmethode, wenn man seine Gesundheit der Krankheit verdankt.
Es ist eigentlich nie m?glich, genau zu sagen, wann wir am Ende unserer Hoffnung sind. ?
Es ist ein kindlicher Ehrgeiz, dadurch besonders fein wirken zu wollen, dass man es anders macht als die anderen
Es ist in der Tat keine Kleinigkeit, wenn man sich vor die Aufgabe gestellt sieht, andere zu beherrschen, da es schon so au?erordentlich schwierig ist, sich selbst zu beherrschen.
Es ist ja unangenehm, wenn die begehrte Frau es uns allzu schwer macht, aber wenn sie es uns zu leicht macht, so ist das in Wirklichkeit noch unangenehmer.
Es ist sehr einf?ltig, mit fremdem Licht zu gl?nzen und dabei das eigene unter den Scheffel zu stellen.
Es ist Torheit, von unserem Geist die F?higkeit zu erwarten, dass er beurteilen kann, was wahr und was falsch ist.
Es ist unm?glich, einem Blindgeborenen begreiflich zu machen, dass er nicht sieht.
Es ist, als wenn alles, was Menschen ber?hren, infiziert w?rde: Dinge, die an sich gut und sch?n, sind, verderben, wenn sie in die H?nde von uns Menschen geraten.
Es liegt etwas Knechtisches in Zwang und Strenge.
Es macht den Eindruck, als wenn es in einer h?heren Welt M?chte g?be, die von Neid gegen irdische Gr??e erf?llt sind, wie St?rme und Gewitter die h?chsten und stolzesten Bauten am schrecklichsten umtoben.
Es macht keinen Spa? und verdirbt den Charakter, wenn wir Mitmenschen zu tun haben, die uns immer bewundern und den Vortritt lassen.
Es m?sste Zwangsgesetze gegen abgeschmackte und unn?tze Schreiberlinge geben, wie es Verordnungen gegen Strolche und Faulenzer gibt.
