Zitat von Becker Paula Modersohn
Ist Liebe denn nicht tausendfältig? muss sie einem alles geben? Und andern nehmen?
Ja, so geht's, Reichtum bringt Sorgen.
Ja, so sind die meisten Menschen. Die Unglücksfälle schreiben sie sich ins Gedächtnis und memorieren sie fleißig, aber das Glück, das viele Glück, beachten sie nicht ... arme, arme Welt.
Kennst du die Liebessonette von Michelangelo? Da ist dieser harte, riesenstarke Mann kinderweich. Und er war ein Gefäß, das die Liebe wohl fast sprengen konnte.
Kirchen gibt es hier genug. Aber fromme Augen sehe ich so wenig.
Lass uns ruhig abwarten. Die Zeit wird das Rechte und das Gute bringen.
Leben! Leben! Leben!
Man hat nicht das Recht, stolz aufzutreten, wenn man selbst noch nichts ist.
Man muss eben den ganzen Menschen der einen, ureinzigen Sache widmen. Das ist der Weg, wie etwas werden kann und wird.
Man muss eben immer älter werden, immer stiller und endlich einmal etwas schaffen.
Man muss nur warten können, das Glück kommt schon.
Mangel an Geld schmiedet uns fest an die Erde, man bekommt die Flügel beschnitten, man merkt es nicht, weil die Schere ganz vorsichtig täglich nur eine Ahnung abschneidet.
Mein Gefühl der Kraft will weiterkämpfen, sich immer und immer wieder seiner bewusst werden, wachen, nicht ruhen.
Meine Mutter. Es wird in mir Morgen röte, und ich fühle den nahenden Tag.
Mir könnte gar nichts Lieberes passieren, als von Zeit zu Zeit sechs Wochen allein zu sein.
Nach Kraft ringen. Das klingt alles so dramatisch. Man tut eben, was man kann und legt sich dann schlafen. Und auf diese Weise geschieht es, dass man eines Tages etwas geleistet hat.
Nimm meine Seele und trinke sie. Trinke sie in einem heißen kuss der Liebe.
O heil'ger Geist zieh' bei mir ein Und lass mich deine Wohnung sein Zu steter Freud und Wonne.
Paris ist seinen Bewohnern gleich. Neben maßloser Verdorbenheit eine kindliche Freude am Leben, ein Sich gehen Lassen, wie es die Natur am liebsten hat, ohne viel zu fragen, ob es gut oder schlecht geht.
Schlagen Sie ihre Seele nicht in Ketten, und wären es güldene, die gar lieblich sängen und klängen.
Seid Idealisten bis ins Greisenalter. Idealisten, die eine Idee verkörpern. Dann habt ihr gelebt.
Sinnlichkeit, Sinnlichkeit bis in die Fingerspitzen, gepaart mit Keuschheit, das ist das Einzige, Wahre, Rechte für den Künstler.
Stark genug sein, den Fehlern seines Freundes, den Fehlern des Weltalls offen ins Auge zu schauen, ebenso wie seinen eigenen Fehlern, das ist Wahrheit.
Traurigsein ist wohl etwas Natürliches. Es ist wohl ein Atemholen zur Freude, ein Vorbereiten der Seele dazu.
Und das ist meine Demut, Lieber, dass ich mich gebe, wie ich bin, und in deine Hände lege und rufe: Hier bin ich.
Weiber! Weiber! Weiber! Teils sind sie fein und groß. Und dann wieder solch kleines Pack.
Wenn der Baum im Herbst die Blätter fallen lässt, dann schaut man dem zu und segnet den Willen der Natur. Denn die Kraft stirbt nicht, und im Frühling ersteht ein neuer grüner Zauber.
Wenn man es zu etwas bringen will, so muss man seinen ganzen Menschen dafür hingeben.
Wie ist doch die Liebe so ein seltsam Ding. Wie wohnt sie in uns und ruht sie in uns und nimmt Besitz von jedem Fäserlein unseres Körpers. Und hüllt sich ein in unsere Seele und bedeckt sie mit Küssen.
Wie kann man das Leben verstehen, wenn man es nicht auffasste als das Arbeiten jedes Einzelnen am Geiste, man kann wohl sagen, am Heiligen Geiste.
Wir Bewussten, wir haben es eigentlich noch einmal so schwer. Wir dürfen niemandem wehe tun, weil wir wissen.
Zwischen diesen großen, kalten, alten und neuen Häusern sehe ich so wenig vom Himmel, aber ich weiß ihn und trage ihn in mir.
Belohnt und bestraft werden wir f?r alles schon auf Erden.
Darf Liebe nehmen?
Das Herumdoktern an sich hat keinen Zweck. Man gehe gerade und einfach seinen Weg. Ich halte mich f?r gut von Natur, und sollte ich dann und wann etwas Schlechtes tun, so ist das auch nat?rlich.
Das Leben ist ein Wunder. Es kommt ?ber mich, dass ich oftmals die Augen schlie?en muss.
Dass ich mich verheirate, soll kein Grund sein, dass ich nichts werde.
Dass man, wenn man heiratet, so furchtbar festsitzt, ist etwas schwer.
Die einen geben es den Menschen, die anderen einer Idee. Ist dar?ber dieser zu loben und jener zu tadeln?
Die Frauenemanzipation ist doch in diesem Rottenauftreten sehr unsch?n und unerfreulich.
Die Kompliziertheit eines Charakters w?chst mit dem feinen Verst?ndnis desselben.
Die Natur sprach mit mir, und ich lauschte ihr zitternd selig. Leben.
Die Netze auswerfen, das tut mancher, aber dann auch einen Fischzug tun!
Die Zeit beginnt, dass die Stadt mir wieder ?ber den Kopf w?chst, dass sie mich einengt und tot dr?ckt. Diese halben Menschen und Menschlein halbieren mich allm?hlich und hauen mich in St?cke.
Die Zeit scheint mir viel l?nger und inhaltreicher. Das kommt, glaube ich, vom intensiven Leben.
Dieses Essen im Wirtshaus mag ich ganz und gar nicht. Unter den vielen Leuten zu sitzen, die einen alle gar nichts angehen.
Dieses Frankreich ist ein gottgesegnetes Land.
Dieses unentwegte Brausen dem Ziele zu, das ist das Sch?nste im Leben. Dem kommt nichts anderes gleich.
Eine langsam ausgereifte Frucht in Winden und Sonnen, das muss das Leben sein.
Einer, der einen weiten Weg vor sich hat, l?uft nicht.
Ernst ist das Leben und inhaltvoll und sch?n.
Es brennt in mir ein Verlangen, in Einfachheit gro? zu werden.
Es ist gut, sich aus den Verh?ltnissen herauszul?sen, die einem die Luft benehmen.
Es ist meine Erfahrung, dass die Ehe nicht gl?cklicher macht. Sie nimmt die Illusion, die vorher das ganze Wesen trug, dass es eine Schwesterseele g?be.
Es ist meine Jungfr?ulichkeit, die mich bindet. Und ich will sie tragen, still und fromm tragen, bis eine Stunde kommt, die auch die letzten Schleier hinweg nehmen wird. Und dann?
Es ist vom ?bel, wenn der Mensch nicht da ist, wohin er geh?rt. Und ich geh?re nicht in die Stadt.
