Zitat von Giacomo Graf Leopardi
Je mehr der Mensch weiß, desto weniger, schwieriger, langsamer und zaghafter entscheidet er sich. Je umfassender sein Wissen ist, desto geringer seine Entschlusskraft.
Nichts ist seltener als ein Mensch, den man immer um sich ertragen kann.
Selbst der Schmerz, der aus dem Überdruss an der Nichtigkeit aller Dinge entsteht, ist immer noch leichter zu ertragen als die nackte Langeweile.
Solange es jedoch auf dieser Welt Barbaren geben wird oder Völker mit starken, vollen, überzeugenden, standhaften und von der Vernunft noch nicht berührten Wahnvorstellungen, müssen die zivilisierten Völker ihnen zum Opfer fallen.
Verzweiflung ist unendlich viel lustvoller als Langeweile.
Wenn einer die Illusion bekämpft, so ist das das sicherste Zeichen seines unvollkommenen und unzureichenden Wissens ? eben ein Zeichen dafür, dass er einer Illusion zum Opfer gefallen ist.
Wer nur ein halber Weiser ist, bekämpft den schönen Wahn, eben weil er selbst einem Wahn unterliegt, der wahre Weise liebt ihn und wirbt für ihn, eben weil er frei von Wahn ist.
Auch darin gleicht die Welt den Weibern: Mit Scham und Zur?ckhaltung erreicht man nichts bei ihr.
Das Alter ist der ?bel h?chstes, denn es beraubt den Menschen aller Gen?sse, l?sst ihm aber das Verlangen danach und bringt alle Leiden mit sich.
Das durch und durch zivilisierte Europa wird eines Tages die Beute jener Halbbarbaren, die es aus den Weiten des Nordens bedrohen, und wenn diese Eroberer dann zivilisiert werden, kehrt die Welt wieder in ihr Gleichgewicht zur?ck.
Dass die Vernunft eine Feindin jeder Gr??e ist, ist eine Erkenntnis, die man nicht wichtig genug nehmen kann.
Der Betrug ist sozusagen die Seele des gesellschaftlichen Lebens und eine Kunst, ohne die in Wahrheit keine Kunst und kein Talent, wenn man nur ihre Wirkung auf die Menschen im Auge hat, vollkommen ist.
Der Mensch allein glaubt au?erhalb der Natur zu stehen und den Naturgesetzen, die f?r alle anderen Lebewesen gelten, nicht unterworfen zu sein, ja er betrachtet sich kaum noch als ein Glied der Natur dabei bringt er sich selbst um.
Der Mensch ist nicht zum Wissen geschaffen, die Kenntnis des Wahren steht dem Gl?ck entgegen, und die Vernunft ist eine Feindin der Natur.
Der Mensch kann nicht vervollkommnet, sondern nur verdorben werden. Er kann nicht st?rker vervollkommnet, sondern nur schlimmer verdorben werden als die anderen Lebewesen.
Der Mensch zieht all seine Kraft aus der Natur und aus den Illusionen, w?hrend Zivilisation, Wissenschaft und anderes untrennbar mit Schw?che und Unverm?gen verbunden sind.
Dichtung und Philosophie stehen beide gleichwertig nebeneinander, sie sind die Gipfel menschlicher Geistest?tigkeit und wohl die edelsten und schwierigsten Gattungen, denen sich der Menschengeist zuwenden kann.
Die Aufrichtigkeit kann dann von Nutzen sein, wenn man sie als Kunstgriff verwendet, oder wenn sie einem, dank ihrer Seltenheit, nicht geglaubt wird.
Die gro?en Wahrheiten, vor allem auf theoretischem, metaphysischem und psychologischem Gebiet lassen sich eigentlich nur durch eine von Begeisterung beseelte Vernunft und nur von Menschen aufdecken, die dieser Begeisterung f?hig sind.
Die Menschen hassen nie so sehr den, der B?ses tut, noch das B?se selbst, als den, der es beim Namen nennt.
Die Menschen lernen von Tag zu Tag, das Menschengeschlecht aber vergisst.
Die T?tigkeit des faulsten Menschen ist intensiver als die des t?tigsten Tieres.
Die Vernunft ist ein Licht. Davon will und soll die Natur erleuchtet, jedoch nicht in Brand gesteckt werden.
Die Vernunft ist eine Widersacherin der Natur. Diese ist gro?, die Vernunft ist klein.
