Zitat von Soeren Aabye Kierkegaard
In der Unschuld ist der Mensch nicht als Geist bestimmt, sondern seelisch bestimmt in unmittel barer Einheit mit seiner Natürlichkeit.
In des Geistes Leben ist kein Stillstand, eigentlich auch kein Zustand, alles ist Aktualität, Tathaftigkeit.
In Japan ist es, so viel ich weiß, Sitte und Brauch, dass auch der Mann im Wochenbett liegt. Es könnte ja die Zeit kommen, da man auch in Europa die Sitten fremder Länder einführen wollte.
In unserer Zeit bleibt keiner beim Glauben stehen, sondern geht weiter.
In unserer Zeit wird viel von Ironie und Humor geredet, besonders von Leuten, die nie vermocht haben, sie praktisch auszuüben.
Je mehr Bewusstsein, desto mehr Selbst, je mehr Bewusstsein, desto mehr Wille, je mehr Wille, desto mehr Selbst.
Je mehr man sich beschränkt, um so erfinderischer wird man.
Je weniger Geist, desto weniger Angst.
Jeder Mensch kann, wenn er will, ein paradigmatischer Mensch werden: Nicht dadurch, dass er seine Zufälligkeit abstreift, sondern dadurch, dass er in ihr bleibt und sie veredelt.
Kein Mensch, der ein böses Gewissen hat, vermag Schweigen auszuhalten.
Kein Unglück, kein Arger ist so unliebenswürdig, so taub, dass es sich nicht ein wenig schmeicheln ließe. Sogar Cerberus nahm Honigkuchen an, und es sind nicht nur kleine Mädchen, die man betört.
Keiner soll vergessen sein, der groß gewesen in der Welt, aber jeder ist groß auf seine eigene Weise, jeder ist es nach dem Maß der Größe, die er liebt.
Lass andere darüber klagen, dass unsere Zeit böse sei, ich klage darüber, dass sie armselig ist, denn sie ist ohne Leidenschaft.
Man muss sich hüten, in ein Lebensverhältnis einzutreten, in dem man zu mehreren werden kann. Darum ist schon die Freundschaft gefährlich, noch mehr die Ehe.
Man unterziehe sich niemals einer Berufsarbeit. Tut man das, so wird man schlecht und recht ein Allerweltsmensch, ein kleines Rädchen in der Maschine des Staatsorganismus.
Meine Weisheit ist eigentlich nicht zum Gebrauch für jedermann, und Klugheitslehren verschweigt man klugerweise.
Merkt man, dass ein Genuss oder ein Lebensmoment einen zu stark hinreißt, so halte man einen Augenblick inne und erinnere sich. Es gibt kein Mittel, das einen besseren Nachgeschmack gäbe, der lange vorhält.
Mit dem Essen der Frucht der Erkenntnis ist der Unterschied zwischen Gut und Böse hineingekommen, zugleich aber die geschlechtliche Verschiedenheit als Trieb. Wie dies zugegangen sei, kann keine Wissenschaft erklären.
Müßiggang an sich ist keineswegs eine Wurzel alles Übels, sondern im Gegenteil ein wahrhaft göttliches Leben, wenn man sich nicht langweilt.
Nach Veränderung rufen alle, die sich langweilen.
Nein, die Mode ist kein Weib, denn die Mode ist die Unbeständigkeit im Unsinn, die nur eine Konsequenz kennt, dass sie immer verrückter wird.
Nicht bloß in der Welt des Handels, auch in der der Ideen veranstaltet unsere Zeit einen wirklichen Aus verkauf. Alles ist für solch einen Spottpreis zu haben, dass es eine Frage wird, ob am Ende überhaupt noch einer bieten wird.
Nichts ist so geschwinde wie des Auges Blick, und dennoch ist er empfänglich für des Ewigen Gehalt.
Nur als der Einzelne ist der Mensch das Absolute, und dieses Bewusstsein wird ihn vor allem revolutionären Radikalismus retten.
Nur die gemeineren Naturen haben das Gesetz ihrer Handlungen in anderen Menschen, die Voraussetzungen ihrer Handlungen außerhalb ihrer selbst.
Schon die Freundschaft ist gefährlich, die Ehe aber ist es noch mehr, denn das Weib ist und bleibt der Ruin des Mannes, sobald er in ein dauerndes Verhältnis zu ihr tritt.
Schweigen ist nicht allein des Weibes höchste Schönheit, sondern auch ihre höchste Weisheit.
Selbst die ausführlichste Theorie ist doch nur eine Armseligkeit gegenüber dem, was das Genie in seiner Allgegenwärtigkeit leicht entdeckt.
So viel ich das Leben betrachte, ich kann keinen Sinn hineinbringen. Ich nehme an, dass mir ein bösartiger Geist eine Brille auf die Nase gesetzt hat, von deren Gläsern das eine ungeheuer vergrößert, während das andere im selben Maßstab verkleinert.
So wenig die Ehe zugesteht, dass man zwei Herren dient, so wenig mag sie die Überläufer.
Sünde ist Verzweiflung.
Toren und Jünglinge ergehen sich darüber, dass dem Menschen alles möglich sei. Das ist indessen ein großer Irrtum.
Und das ist des Lebens Wundertiefe, dass ein jeder Mensch, der auf sich selbst aufmerkt, weiß, was keine Wissenschaft weiß, da er weiß, wer er selbst ist.
Unglaube und Aberglaube sind beide Angst vor dem Glauben.
Unschuld ist Unwissenheit. Sie ist keineswegs das reine Sein des Unmittelbaren, sondern sie ist Unwissenheit.
Vergessen können beruht immer da rauf, wie man sich erinnert, aber wie man sich erinnert, beruht wieder da rauf, wie man die Wirklichkeit erlebt.
Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.
Verzweiflung ist eine Krankheit im Geist, im Selbst.
Viele Menschen hinterlassen Spuren, nur wenige hinterlassen Eindrücke.
Vom Höchsten und Schönsten im Leben, davon soll man nicht lesen, nicht hören, es nicht sehen, sondern, wenn man so will, es leben.
Von einem Grundsatz auszugehen, soll sehr verständig sein, behaupten erfahrene Leute. Ich füge mich dem und behaupte, dass alle Menschen langweilig sind. Sollte jemand so langweilig sein, dem zu widersprechen.
Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, dessen Lippen so geformt sind, dass sein Seufzen und Schreien sich in schöne Musik verwandelt, während sich in seiner Seele geheime Qualen verbergen.
Weil man sich nicht auf die Ehe einlassen soll, darum braucht das Leben nicht ohne Erotik zu sein. Das Erotische darf sogar Unendlichkeit haben, aber poetische Unendlichkeit, die ebenso wohl auf eine Stunde wie auf einen Monat beschränkt sein kann.
Wenn das Kind entwöhnt werden soll, schwärzt die Mutter die Brust. ?
Wenn ein Weib immer bei der Mode schwören würde, so wäre ein Nach druck in ihrem Eid, denn die Mode ist das Einzige, an was sie immer denkt, das Einzige, das sie mit allem zusammen denken und in alles hinein denken kann.
Wenn einer zwanzig Jahre alt ist und nicht erfasst, dass es einen kategorischen Imperativ gibt: Genieße!, der ist ein Narr, und wer nicht zugreift, der werde ein Herrnhuter.
Wenn nämlich das, was wir Priester nennen, Priester sein ist ja, dann sind wir alle Priester.
Wer das Schicksal erklären soll, der muss ebenso zweideutig wie das Schicksal sein.
Wie aber lässt sich das Ästhetische, das sogar für die poetische Darstellung inkommensurabel ist, überhaupt darstellen? Antwort: Indem es gelebt wird.
Wie selig es ist, verführt zu werden, weiß eigentlich nur das Weib.
Wo die Schönheit zu walten hat, bringt sie eine Synthese zu Wege, bei welcher der Geist ausgeschlossen ist.
Zweifeln ist Suchen, nicht Ratlosigkeit.
Beim Mann ist das Wesentliche das Wesentliche und insofern immer dasselbe, beim Weib ist das Zuf?llige das Wesentliche und so eine unersch?pfliche Mannigfaltigkeit.
Bewunderung ist gl?ckliche Selbstverlorenheit, Neid ungl?ckliche Selbstbehauptung.
D?nemark bildet das Gleichgewicht in Europa. Man kann sich keine gl?cklichere Existenz denken.
Darum ist die Natur so gro?, weil sie vergessen hat, dass sie Chaos war, und doch kann es ihr auch wieder einfallen, wenn es sein muss.
Das D?monische ist das Verschlossene und das unfreiwillig Offenbare.
Das Ewige ist, den blauen Bergen gleich, die Grenze f?r die Zeitlichkeit, wer aber kraftvoll in der Zeitlichkeit lebt, gelangt nicht zur Grenze.
Das Gegenw?rtige ist das Ewige, oder richtiger das Ewige ist das Gegenw?rtige, und das Gegenw?rtige ist das Erf?llte.
Das Geheimnis im Leben ist, dass jeder es selber n?hen muss, und das Merkw?rdige ist, dass ein Mann es ebenso gut zu n?hen vermag wie ein Weib.
Das Geistige hat seinen Ausdruck im Antlitz.
Das Genie ist wie das Donnerwetter: Es geht gegen den Wind, schreckt die Menschen und reinigt die Luft.
Das Leben kann nur in der Schau nach r?ckw?rts verstanden, aber nur in der Schau nach vorw?rts gelebt werden.
Das M?gliche ist f?r die Freiheit das Zuk?nftige, und das Zuk?nftige ist f?r die Zeit das M?gliche.
Das Tragische liegt nicht darin, dass die Aussage des Orakels zweideutig ist, sondern darin, dass der Heide es nicht zu unterlassen wagt, sich bei ihm Rat zu holen.
Das wahre ethische Individuum ruht mit Sicherheit in sich selbst, weil es die Pflicht nicht au?er sich, sondern in sich hat.
Das Weib ist das einzig und am meisten Verf?hrerische im Himmel und auf Erden. Wenn man die beiden so vergleicht, ist der Mann etwas sehr Unvollkommenes.
Dass das Weib sinnlicher ist als der Mann, das zeigt sogleich ihre leibliche Bildung an.
Dem Weibe ist mehr angst als dem Manne.
Denn was ist das Weib anderes als ein Traum und doch die letzte Wirklichkeit? So versteht sie der Erotiker und f?hrt sie und wird durch sie gef?hrt im Augenblick der Verf?hrung hinaus aus der Zeit, dahin, wo sie als Illusion eine Heimat hat.
Denn wer mit der Welt streitet, wird gro? im ?berwinden der Welt, und wer mit sich selbst streitet, wird gr??er im ?berwinden seiner selbst, wer aber mit Gott streitet, wird gr??er als alle.
Denn wer unendlich resigniert hat, ist sich selber genug.
Der Anblick des S?ndigen kann das eine Individuum retten und das andere st?rzen.
Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander ber?hren.
Der Freiheit Inhalt, intellektuell gesehen, ist Wahrheit, und die Wahrheit macht den Menschen frei.
Der Hass ist die Liebe, die gescheitert ist.
Der Mensch ist eine Synthese des Seelischen und des Leiblichen. Aber eine Synthese ist nicht denkbar, wenn die zwei nicht in einem Dritten vereinigt werden. Dieses Dritte ist der Geist.
Der Mensch war eine Synthese von Seele und Leib, aber er ist zugleich eine Synthese des Zeitlichen und des Ewigen.
Der Mythos l?sst im ?u?erlichen geschehen, was innerlich ist.
Der Stolz ist eine abgr?ndige Feigheit.
Die Angst in der Scham liegt darin, dass der Geist sich fremd f?hlt.
Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann.
Die eheliche Liebe hat ihren Feind in der Zeit, ihren Sieg in der Zeit, ihre Ewigkeit in der Zeit. So wird sie stets ihre Aufgabe haben.
Die eheliche Liebe kommt nicht mit ?u?eren Zeichen, nicht wie der reiche Vogel in Saus und Braus, sondern sie ist das unverr?ckbare Wesen eines stillen Geistes.
Die erste S?nde ist durch eine S?nde in die Welt gekommen.
Die Gedanken der Menschen sind d?nn und zerbrechlich, sie selbst armselige Gesch?pfe wie Spitzenkl?pplerinnen. Ihres Herzens Gedanken sind zu elend, um s?ndhaft zu sein.
Die G?tter langweilten sich, darum schufen sie die Menschen. Adam langweilte sich, darum wurde Eva erschaffen. Von diesem Augenblick an kam die Langeweile in die Welt und nahm zu im genauen Verh?ltnis zur Menge der Menschen.
Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen der Welt.
Die Langeweile ist die Wurzel des B?sen.
Die meisten jagen so sehr dem Genuss nach, dass sie an ihm vorbeilaufen.
Die meisten Menschen hasten so sehr nach Genuss, dass sie an ihm vorbeirennen.
Die Menschen scheinen die Sprache nicht empfangen zu haben, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben.
Die Menschen sind doch sonderbare Wesen. Sie gebrauchen nie die Freiheit, die sie haben, sondern fordern die, die sie nicht haben: Denkfreiheit haben sie, Redefreiheit fordern sie.
Die Mode ist nicht die offenbare Wollust, nicht die tolerierte Ausschweifung, sondern ein Schleichhandel der Unanst?ndigkeit, der als Wohlanst?ndigkeit autorisiert ist.
Die romantische Liebe bleibt st?ndig abstrakt in sich selbst, und wenn sie keine ?u?ere Geschichte bekommen kann, so lauert schon der Tod auf sie, weil ihre Ewigkeit illusorisch ist.
Die tieferen Naturen vergessen niemals sich selbst und werden niemals etwas anderes, als sie gewesen sind.
Die Verzweiflung der Endlichkeit ist, der Unendlichkeit zu ermangeln.
Diejenigen, die sich nicht selbst langweilen, langweilen im Allgemeinen die anderen, diejenigen dagegen, die sich selbst langweilen, unterhalten die anderen.
Durch die S?nde ist die Sinnlichkeit zur S?ndigkeit geworden.
Ein Gl?ubiger ist doch wohl ein Verliebter, ja, sogar von allen Verliebten der am meisten Verliebte.
Ein Scherz kann das Gleiche wirken wie Ernst und umgekehrt.
Ein vollkommener Geist l?sst sich nicht denken als geschlechtlich bestimmt.
Erst wenn man die Hoffnung ?ber Bord geworfen hat, erst dann beginnt man k?nstlerisch zu leben. Denn solange man hofft, kann man sich nicht beschr?nken.
Es geh?rt doch eine gro?e Naivit?t dazu, zu glauben, dass es etwas helfen w?rde, in der Welt zu rufen und zu schreien, als ob sich dadurch das Schicksal beeinflussen lie?e. Man nehme hin, was es bringt, und enthalte sich aller Weitl?ufigkeit.
Es gibt eine unerm?dliche Gesch?ftigkeit, die den Menschen aus der Welt des Geistes ausschlie?t und auf eine Stufe mit den Tieren stellt, die instinktiv immer in Bewegung sein m?ssen.
Es ist menschlich, traurig zu sein, es ist menschlich, traurig zu sein mit den Traurigen, aber gr??er ist es, zu glauben, und seliger, auf den Glaubenden zu schauen.
Es ist recht merkw?rdig, dass die christliche Orthodoxie stets gelehrt hat, das Heidentum liege in der S?nde, w?hrend doch das S?ndenbewusstsein erst durch das Christentum gesetzt worden ist.
Es ist so manche Ehe entweiht worden, obwohl es nicht durch einen Fremden geschah.
