Zitat von Karoline Von Guenderode
In jedem Leben gibt es Augenblicke, in welchen die Gegenwart mächtiger wirkt als die Vergangenheit und Zukunft.
Indem du die Gegenwart gewahr wirst, ist sie schon vorüber, das Bewusstsein des Genusses liegt immer in der Erinnerung.
Ja, es muss eine Zeit der Vollendung kommen, wo jedes Wesen harmonisch mit sich selbst und mit den andern wird, wo sie ineinander fließen und eins werden in einem großen Einklang, wo jede Melodie hinstürzt in die ewige Harmonie.
Jede Volksgröße scheint ein Frühling, der nur einmal kömmt und dann entfliehet, um andere Zonen zu beglücken.
Jedes interessante Wissen, wenn es der andere noch nicht mit mir teilt, Empfindung und Erfahrung, ist mir ein Berg, der mich von dem, mit dem ich mich vereinigen möchte, trennt.
Kann Lieb' so unlieb sein, Von mir so fern, was mein? Kann Lust so schmerzlich sein, Untreu so herzlich sein? O Wonn', O Pein!
Keins von allen Gütern dieser weiten Erde, Keines!, dem nicht Schmerz und Reue sei Gefährte, Überall verfolgt die Plagegöttin dich.
Lass denn immerhin die Göttin Schicksal walten, / Ob sich dunkle Wolken gegen dich auch ballten, Groß und ruhig siehst du ihrem Gange zu.
Lasse dich leben wie du bist, ohne Kunststücke mit dir zu probieren, ohne dich zwingen zu wollen, Dinge zu lieben, die du nicht lieben kannst.
Liebe Seele. Lass doch die schöne Sitte nimmer unter uns veralten, dass wir einander nichts verschweigen.
Man kann Geister nicht durch Beschwörungen rufen, aber sie können sich dem Geiste offenbaren, das Empfängliche kann sie empfangen, dem innern Sinn können sie erscheinen.
Sie haben ein Heiligenbild zerrissen und mögen deshalb nicht beten, so ist ihr Zustand. Sie verweilen bei der Betrachtung ihrer Fehler und versäumen das Höchste.
Sie sagen, ich sollte meinem Herzen nicht zu sehr nachgeben, und doch ist's mein größtes Vergnügen, diesen Träumen nachzuhängen.
Sind denn Reichtümer und Vergnügen der Sinne die einzigen wünschenswerten Güter?
So dir aber der innere Sinn nicht aufgeht für die Göttin, so wirst du sie nicht schauen, weder durch deine Vernunft, noch durch dein Wissen.
So ist dein Lieben wie dein Leben, wandern! Von einem Schönen eilest du zum andern, Berauschest dich in seinem Taumelkelch, Bis Neues schöner dir entgegenwinket.
So verschieden die äußere Bildung der Menschen ist, so verschieden ist auch ihre innere Natur, ihr Leben und ihre Wünsche.
Um etwas desto gewisser zu gewinnen, muss man stets ein Anderes aufgeben.
Verloren ist, wen Liebe nicht beglücket, Und stieg er auch hinab zur stygschen Flut, Im Glanz der Himmel blieb er unentzücket.
Vom Gram kann Liebe nie genesen, Wenn Zweifelmut sie nicht verlässt.
Was bedeutet es, dass aus der Allheit der Natur ein Wesen sich mit solchem Bewusstsein von der Natur losscheidet, und sich abgerissen von ihr fühlt?
Wenn dem innigsten heiligen Leben Verderben droht, soll man es sicherstellen um jeden Preis.
Wer ein Priester sein will unter den Menschen, darf nicht heucheln, drum kann ich nicht umgehen mit den Pharisäern, drum kann ich die Wahrheit nicht verschweigen.
Wer irgendeine Art von Religion zur Stütze seiner Sittlichkeit bedarf, dessen Moralität ist nicht rein, denn diese muss ihrer Natur nach in sich selbst bestehen.
Auch die wahrsten Briefe sind meiner Ansicht nach nur Leichen, sie bezeichnen ein ihnen einwohnend gewesenes Leben, und ob sie gleich dem Lebendigen ?hnlich sehen, so ist doch der Moment ihres Lebens schon dahin.
Das Misstrauen ist eine Harpyie, die sich gierig ?ber das G?ttermahl der Begeisterung wirft und es besudelt mit unreiner Erfahrung und gemeiner Klugheit.
Das, wof?r du keinen Sinn hast, geht f?r dich verloren, wie die Farbenwelt dem Blinden.
Den Verlust deiner Liebe k?nnte ich nicht ertragen. Versprich mir, mich nimmer zu verlassen. O du Leben meines Lebens, verlasse meine Seele nicht.
Des Glaubens H?hen sind nun demolieret. Und auf der flachen Erde schreitet der Verstand Und misset alles aus, nach Klafter und nach Schuhen.
Die Koketterie war mir immer interessant, sie ist zugleich das geistreichste Spiel und die gr??te ?bung f?r den Geist, man geh?rt sich dadurch an, ohne sich selbst zu verlieren.
Die Kunst kann nur durch die Natur, mit der Natur wuchern, ohne sie kann sie nichts.
Die Leute sagen, ich sei unn?tz, weil ich kein Gesch?ft treibe, und ich arbeite doch durch den Einfluss, den ich auf manches Gem?t habe, f?r das Ewige.
Die Vortrefflichkeit ist ein Ganzes, wir haben sie nicht, sie ist gleichsam wie die Bl?ue des Himmels ?ber uns, und unsere Vortrefflichkeit ist nur ein Streben zu ihr, eine Ansicht von ihr, drum ist keine pers?nliche Liebe, nur Liebe zum Vortrefflichen
Die wahre echte Liebe ist meist eine ungl?ckliche Erscheinung, man qu?lt sich selbst und wird von der Welt misshandelt.
Die Wahrheit ist nur der Ausdruck des Sich selbst gleich Seins ?berhaupt, vollkommen wahr ist also nur das Ewige, das keinem Wechsel der Zeiten und Zust?nde unterworfen ist.
Durch die Eltern spricht die Natur zuerst zu den Kindern. Wehe den armen Gesch?pfen, wenn diese erste Sprache kalt und lieblos ist!
Eine ewige kalte Notwendigkeit regiert die Welt, kein freundlich liebend Wesen.
Es ist nichts verloren, und in keiner R?cksicht, nur unser Auge vermag die lange unendliche Kette von der Ursache zu allen Folgen nicht zu ?bersehen.
Es ist sehr traurig bemerken zu m?ssen, wie uns der Egoismus allenthalben nachschleicht und uns oft da am n?chsten ist, wo wir ihn am fernsten von uns glaubten.
