Zitat von Franz Grillparzer
In der Kirche singen immer die am lautesten, die falsch singen.
Ist doch der Glaube Nur das Gefühl der Eintracht mit dir selbst.
Jeder Irrtum hat drei Stufen: Auf der ersten wird er ins Leben gerufen, auf der zweiten will man ihn nicht eingestehen, auf der dritten macht nichts ihn ungeschehen.
Kann der Blick nicht überzeugen, Überredt' die Lippe nicht.
Kummer, nimm erst Gestalt! Nur das Formlose ängstet und martert, Hat sich der Feind mal gestellt, halb ist gewonnen der Sieg.
Kunstliebe ohne Kunstsinn Bringt bei Fürsten wenig Gewinn, Sie öffnet Kunstschwätzern ihr Ohr, Und die Kunst bleibt einsam wie zuvor.
Man ist denn doch nur ein vagierender Räuber und Spitzbube, wenn man das dreißigste Jahr überschritten hat, ohne verheiratet zu sein.
Man ist nie eifersüchtiger, als wenn man in der Liebe anfängt, zu erkalten. Man traut dann der Geliebten nicht mehr, weil man dunkel fühlt, wie wenig einem selbst mehr zu trauen ist.
Man kann den Charakter eines Menschen nie besser kennen lernen als an seinem Krankenbette sowie die Gesinnungen während seines Rausches.
Man sage nicht, das Schwerste sei die Tat, Da hilft der Mut, der Augenblick, die Regung: Das Schwerste dieser Welt ist der Entschluss.
Mit drei Ständen hab ich nichts zu schaffen: Mit Beamten, Gelehrten und Pfaffen.
Moral ein Maulkorb für den Willen, Logik ein Steigriemen für den Geist.
Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.
Nicht der Gedanke wird bestraft, die Tat.
Nichts ist gefährlicher wie Zerstreuung.
Niemand ist rein. Das Schlimme will sein Recht: Und wer's nicht beimischt tropfenweis dem Guten, Den wird's gesamt aus Eimern überfluten.
Nur dienend ehrt der Diener seinen Herrn.
Religion ist die Erkenntnis aller unserer Pflichten als göttliche Gebote.
Religion ist die Poesie der unpoetischen Menschen.
Ruh' im Hafen ist noch nicht Ruh', Kommt nicht die Ruh' in der Brust dazu.
Schönheit ist die vollkommene Übereinstimmung des Sinnlichen mit dem Geistigen.
Sei mir gegrüßt, mein Österreich, Du herrlich blühender Gottesgarten, Mit deinen Fluren Eden gleich, Mit deiner Berge edlen Warten.
Sie sind der höchsten Ideen voll, Zum Staunen ? oder zum Lachen, Ein jeder weiß, wie man's machen soll, Doch keiner kann es machen.
Sieh, was das Leben dir entzog, Ob dir's ersetzen kann die Kunst.
So ist das Weib, der Schönheit holde Tochter, Das Mittelding von Macht und Schutzbedürfnis, Das Höchste, was sie sein kann, nur als Weib.
So viel Gestalten, als es Menschen gibt, Hat Freiheit: Einem ist Geliebte sie, In deren Anschaun er sich selig fühlt, Dem andern eine rasende Mänade, An deren Seit' er sich im Schlamme wälzt.
So viele Hüllen deuten auf Verhülltes.
Solang ich nüchtern, bin ich träg und dumm, Doch nach dem Frühstück schon kommt Witz und Klugheit.
Trauernde sind überall sich verwandt.
Unsre Taten sind nur Würfe In des Zufalls blinde Nacht.
Was ist der Erde Glück? Ein Schatten! Was ist der Erde Ruhm? Ein Traum!
Was man den Kindern tut Ist doppelt gut, da im Erfolg, den Jeder sieht, man ihre Eltern mit erzieht.
Wer nicht wie Menschen sein will, schwach und klein, / Der halte sich von Menschennähe rein.
Wer seine Schranken kennt, der ist der Freie, Wer sich frei wähnt, ist seines Wahnes Knecht.
Werde, was du noch nicht bist, Bleibe, was du jetzt schon bist, In diesem Bleiben und diesem Werden Liegt alles Schöne hier auf Erden.
Wie groß sind die Fortschritte der Menschheit, wenn wir auf den Punkt sehen, von dem sie ausging, und wie klein, betrachten wir den Punkt, wo sie hin will.
Wie könnt ich an deiner Liebe zweifeln, Da ich der meinigen mir so innig bewusst bin!
Willst du die Bescheidenheit des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, sondern ob er den Tadel erträgt.
Auf die Masse soll und muss jeder Dichter wirken, mit der Masse nicht.
Das eben ist der Liebe Zaubermacht, dass sie veredelt, was ihr Hauch ber?hrt, Der Sonne ?hnlich, deren goldner Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.
Das edle Weib ist halb ein Mann, ja ganz, Erst ihre Fehler machen sie zu Weibern.
Das Weib ist gl?cklich nur an Gattenhand.
Denn wie der J?ngling in der Zukunft lebt, So lebt der Mann mit der Vergangenheit, Die Gegenwart wei? keiner recht zu leben.
Der Dichtung vollen K?cher gabt ihr mir, Ein Herz, zu f?hlen, einen Geist, zu denken, Und Kraft, zu bilden, was ich mir gedacht.
Der Mann mag das Geliebte laut begr??en, gesch?ftigt f?r sein Wohl lebt still das Weib.
Der Minister des ?u?ern Kann sich nicht ?u?ern, Der Minister des Innern Kann sich nicht erinnern, Der Minister des Krieges Ist nicht der des Sieges, Nach dem Minister der Finanzen muss alles tanzen!
Der T?cht'ge sieht in jedem Soll ein muss.
Der Verstand und die F?higkeit, ihn zu gebrauchen, sind zwei verschiedene Gaben.
Des reifen Mannes Fehltritt ist Verbrechen, Des J?nglings Fehltritt ein verfehlter Tritt.
Deut' mir eins der Liebe Werke, ob Verlust sie, ob Gewinn, Gibt dem Weibe M?nnerst?rke und dem Manne Weibersinn.
Die Gr??e ist gef?hrlich Und der Ruhm ein leeres Spiel, Was er gibt, sind nicht'ge Schatten, Was er nimmt, es ist so viel!
Die Irreligi?sen sind religi?ser, als sie selbst wissen, und die Religi?sen sind's weniger, als sie meinen.
Die Klugheit gibt nur Rat, die Tat entscheidet.
Die Kunst verh?lt sich zur Natur wie der Wein zur Traube.
Die Sch?nheit ist vollkommene ?bereinstimmung des Sinnlichen mit dem Geistigen.
Die Tr?nen sind des Schmerzes heilig Recht.
Die Uhr, sie zeigt die Stunde, Die Sonne teilt den Tag, Doch was kein Aug' erschaute, Misst unsres Herzens Schlag.
Doch vergiss es nicht: Die Tr?ume, Sie erschaffen nicht die W?nsche, Die vorhandenen wecken sie.
Ein feiges Publikum erzeugt endlich notwendig eine unversch?mte Literatur.
Ein Menschenleben ach, es ist so wenig, ein Menschenschicksal aber ist so viel!
Eine frohe Hoffnung ist mehr wert als zehn trockene Wirklichkeiten.
Ertr?glich ist der Mensch als Einzelner, Im Haufen steht die Tierwelt gar zu nah.
Es binden Sklavenfesseln nur die H?nde, Der Sinn, er macht den Freien und den Knecht.
