Zitat von Johann Georg Adam Forster
Nichts ist verloren, wo der Same des Guten bleibt!
Ohne Tugend und Weisheit kann keine freie Verfassung bestehen.
Was den Menschen tugendhaft und glücklich macht, kann keine Regierung und keine Erziehung ihm geben, es ist in ihm, aber des Tyrannen Arglist und des Erziehers Affenliebe können es nur gar zu leicht ersticken.
Welchem Fürsten könnte es je einfallen, dem Zepter zu entsagen und das Volk seiner eignen Tugend und Weisheit zu überlassen?
Wer kennt aber nicht den ungeheuren Wust, womit man das Gedächtnis auch des geringsten Tagelöhners belastet, um seinen Verstand zur Untätigkeit zu zwingen?
Wie arm ist der, dessen schwache Weichherzigkeit ihm nicht erlaubt einen unersättlichen Bettler abzuweisen!
Wie schnell endlich stürzt unter einem Nachfolger das bodenlose Gebäude zusammen, welches sein größerer Vorgänger zu rasch und prunkend, mehr zu den Zwecken seiner eigenen Phantasie als für die Dauer aufgetürmt hatte!
Wohl dem, der, ohne sich mit andern zu vergleichen, den Genuss hin nehmen kann, den die Natur mit der Selbstgemäßheit unzertrennlich verbunden hat!
Armes Menschengeschlecht! Aus welchen Abgr?nden hast du dich noch emporzuarbeiten!
Auch der m?de Arbeiter ist nicht immer zum Denken zu stumpf, die Freude des Erringens ?ffnet auch bei ihm die Tore der Empf?nglichkeit.
Auch des R?ubers letzte Zwecke sind ruhiger Besitz und Genuss.
Das Geheimnis aller Staatsklugheit ist Vergr??erung, das Geheimnis aller Politik List und Menschenverachtung. Doch, was sag' ich Geheimnis!
Das Gl?ck der Menschheit ist, laut den Beteurungen der Regenten, das stete Ziel ihrer landesv?terlichen Sorgen.
Denn seht!, wir empfangen Freude und Leid, unsere wahren Erzieher, aus der Mutterhand der Natur.
Der Despotismus forderte Automaten und Priester und Leviten waren f?hllos genug, sie ihm aus Menschen zu schnitzen.
Der Despotismus, um konsequent zu sein, muss die moralische Nullit?t der Menschheit wollen. Diesen Zustand nennt er: ihr Gl?ck.
Der Naturzustand, wie ihn uns der Philosoph aus Genf geschildert hat, war bekanntlich nur in seiner Einbildungskraft zu Hause.
Der Sklav seiner Bed?rfnisse ist die Beute aller, die ihn umgeben, er schleppt eine Kette, an der man ihn leiten kann, wohin man will.
Die Natur, die weniger stiefm?tterlich ist, als ihre Verleumder sie schildern, legt oft in ihre Kargheit selbst den Sporn, der neue Anstrengung hervorruft und die Geistesanlagen entwickelt.
Doch wir haben ja Beispiele von Sklaverei in ?berfluss, die uns lehren, wie tief die Menschheit auch bei uns herabgew?rdigt, wie sehr die Denkkraft am Aufkeimen gehindert werden k?nne.
Eine ungerechte Tat, mit guter Absicht und aus Unwissenheit des B?sen begangen, bleibt immer ein Verbrechen, wenngleich die Schuld des T?ters wegf?llt und wir nur die Beschr?nktheit seiner Einsicht bedauern.
Es scheint indes nicht, dass die Vor gesetzten des Menschengeschlechts sein Gl?ck definieren.
